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Kontaktloses Bezahlen via Smartphone und Smartwatch | BR24

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Handy und Bezahlterminal

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    Kontaktloses Bezahlen via Smartphone und Smartwatch

    In Zeiten von Corona soll die Kundschaft in Läden lieber kontaktlos zahlen, also per Girokarte, Smartphone oder Smartwatch. Beim Bezahlen mit dem Handy, dem Mobile Payment, gibt es inzwischen einige Varianten – und ein paar klare Vor- und Nachteile.

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    Noch immer ist die Giro-Karte, lange als EC-Karte bekannt, das Mittel der Wahl, wenn es um kontaktloses Zahlen geht. Die Deutschen würden ihr beim Bezahlen nach wie vor den Vorzug geben, heißt es etwa beim Sparkassen- und Giroverband. Immerhin aber wird sie mittlerweile in der Hälfte der Fälle kontaktlos genutzt. Das heißt KundInnen halten die Karte im Abstand von ein paar Zentimetern an ein Bezahlterminal – das einstecken in den Kartenschlitz entfällt somit. Die Datenübertragung erfolgt via Funk, NFC (Near Fiel Communication) nennt sich diese Technologie, mit der Daten auf ganz kurze Entfernungen übertragen werden. Bei kleineren Geld-Beträgen bis 25 Euro funktioniert dieser Vorgang sogar ohne zusätzliches Eintippen des Karten-Pin-Codes. Die Banken erhöhen diesen Geheimzahl-freien Betrag derzeit auf 50 Euro.

    Viele verschiedene Apps für Mobile Payment

    Auch Smartphones verfügen inzwischen meistens über einen solchen NFC-Chip. Deshalb kann das Handy ebenfalls Kontodaten senden und einen Bezahlvorgang auslösen. Dafür muss auf dem Smartphone allerdings eine Bankverbindung hinterlegt und eine App installiert werden, die für den Datenaustausch sorgt und letztendlich dafür, dass das Geld überwiesen wird. Die momentan bekanntesten Apps fürs sogenannte Mobile Payment sind Apple Pay und Google Pay.

    Deutsche Banken haben ihre eigenen Apps

    Wer ein Apple-Handy nutzt, dem steht grundsätzlich nur Apple-Pay zur Verfügung. Android-NutzerInnen haben neben Google-Pay noch die Möglichkeit, die Apps ihrer eigenen Hausbank zu installieren, zum Beispiel die VR-Banking-App der Volks- und Raiffeisenbanken. Sie hat den großen Vorteil, dass sich hier auch die Girokarte hinterlegen lässt und man nicht unbedingt eine Kreditkarte braucht (wie bei Apple). Auch die Sparkassen bieten mit ihrer App Mobiles Bezahlen eine vergleichbare Lösung. Deutsche Bank, Postbank und Sparda-Bank, haben ebenfalls jeweils eigene Apps, wobei in manchen Fällen hier keine Girokarten hinterlegt werden können.

    Wer keine Kreditkarte hat, kann aber anstatt dessen auf einen Finanzdienst wie Boon, VIMpay oder Paypal zugreifen, der virtuelle Kreditkarten erstellt, also eine Art Hilfskrücke.

    Geldbeutel am Handgelenk

    Auch mit Smartwatches und Wearables lässt sich Mobile Banking nutzen. Und diese Variante erscheint sogar besonders praktisch, denn man muss ja nicht einmal das Handy aus der Tasche kramen, sondern nur das Handgelenk ans Kassenterminal halten. Hier tummeln sich neben Apple Pay noch einige weitere App-Anbieter. Die bekanntesten: Swatch Pay, Garmin und Fitbit Pay. Es gibt aber eine Einschränkung für die Uhren-Methode: sie wird bislang nicht von den Apps der Banken unterstützt. Und das Einrichten der App funktioniert etwas umständlicher, als beim Smartphone, bzw. bei Swatch Pay muss man dafür sogar extra in den Swatch-Store gehen (scheidet in Corona-Zeiten also aus).

    Insgesamt ist das Einrichten der Apps jedoch kein Hexenwerk und in aller Regeln in 5 Minuten abgeschlossen.

    Mobile Payment ist eine vergleichsweise sichere Bezahl-Variante

    Da die Funktechnologie NFC ja nur auf Distanzen von wenigen Zentimetern funktioniert, müsste ein Hacking-bzw. Betrugsversuch eigentlich jemandem auffallen. DiebInnen müssten schon auf Tuchfühlungen gehen, um den Smartphone-Geldbeutel öffnen zu können.

    Dazu kommt, dass der Bildschirm entsperrt sein muss, damit der Bezahlvorgang in Gang kommt, bzw. die Daten ausspioniert werden können. Ein Handy in der Hostentasche ist meist nicht entsperrt und deshalb haben hier DiebInnen keinen Zugriff.

    „ Insofern ist Mobile Payment sicherer als eine Kreditkarte.“ Markus Montz, Redakteur c´t

    Dazu kommt, dass gestohlenes Geld ja immer auf ein Konto überwiesen werden muss und diese Überweisung ist nachverfolgbar. Dennoch ist auch Mobile Banking nicht 100-prozentig sicher, wie die Panne von Google Pay in Kombination mit Paypal gezeigt hat.

    Pferdefuß ist der Datenschutz

    Während Apple Pay als einigermaßen datensparsam gelten kann, lässt sich das bei vielen anderen Varianten nicht sagen. Insbesondere Google räumt sich bei KundInnen einige Rechte an deren Daten ein. So kann zum Beispiel gespeichert werden, wo man eingekauft hat, künftig auch welchen Betrag man ausgegeben hat. Aber nicht nur der US-Konzern zapft Daten ab. Stiftung Warentest attestierte - bis auf Apple und der Postbank - fast allen Payment-Apps ein kritisches Datensendeverhalten. Man muss sich beim kontaktlosen Handy-Bezahlen auch klarmachen, durch wieviele Hände die Daten gehen, bis die Ware bezahlt ist. Die Kette reicht beispielsweise vom Händler, über den Appanbieter (Google, Apple, Gamin … ), weiter zum Paymentserviceprovider (der die Zahlung technisch abwickelt, z.B. Wirecard), zur Kreditkartenfirma (z.B. Visa) zur Kunden-Bank und dann zur Händlerbank.

    „Wir haben in unseren Tests nicht genau herausfinden können wohin welche Daten gehen.“ Markus Montz, Redakteur c´t

    Wer diese Kette verkürzen will, um eine kleinere Datenspur zu hinterlassen, zahlt einfach mit der guten alten Girocard. Bislang folgen dieser Logik die allermeisten Kunden in Deutschland. Auch wenn es keine exakten Zahlen gibt, nach Aussagen zahlreicher ExpertInnen, ist der Anteil der Einkäufe, die mit dem Smartphone oder der Smartwatch beglichen werden, hierzulande noch immer verschwindend gering – Corona hin Corona her.