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Kongressanhörung: Twitter, Facebook und Google in Erklärungsnot | BR24

© Nicole Markwald/ARD

Twitter und Facebook erscheinen vor dem US-Kongress

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Kongressanhörung: Twitter, Facebook und Google in Erklärungsnot

Heute sagen Twitter-Chef Dorsey und Facebook-Vize Sandberg vor Kongressabgeordneten aus. Eigentlich sollte es erneut um ausländische Einflussnahme auf den Plattformen gehen, wie zur US-Wahl 2016. Doch nun kommt noch ein anderes Thema hinzu.

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Mehrere Internet-Plattformen müssen sich heute vor dem Kongress erklären. Ursprünglich sollte es wieder um die Frage gehen, wie und in welchem Ausmaß ausländische Akteure Einfluss auf den Plattformen nehmen. Doch nachdem US-Präsident Donald Trump nun mehrfach behauptet hat, dass Betreiber wie Google Inhalte zu seinem Nachteil zensieren würden, wird es sehr wahrscheinlich auch viele Fragen dazu geben.

"Kehren soziale Medien das Schlechteste aus Menschen heraus?"

Es gibt Momente im Radio, die ziehen sich. Dann, wenn es still ist. Da fühlen sich wenige Sekunden an wie eine Ewigkeit. Einen solchen Moment gab es vergangene Woche, als der landesweite Radiosender NPR Carlos Monje interviewte. Monje ist beim Kurznachrichtendienst Twitter für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Frage, auf die er lange keine Antwort fand: "Kehren soziale Medien das Schlechteste aus Menschen heraus?"

Fast sechs lange Radiosekunden brauchte er, bis er befand: "Ich glaube nicht".

Internet-Plattformen wie Twitter kämpfen um ihren Ruf

Twitter ist unterwegs in der Mission Schadensbegrenzung. Deshalb ließ sich Monje von NPR befragen, deshalb erscheint heute der Chef des Dienstes Jack Dorsey vor dem US-Kongress in Washington. Vermutlich wird Dorsey nicht beantwortet müssen, ob soziale Medien das Schlechteste aus uns herauskehren, auch wenn für Twitter gern mal der Begriff Jauchegrube benutzt wird.

Kongresswahlen: Wird es wieder ausländischen Einfluss auf soziale Netzwerke geben?

Vor dem Kongress wird es vor allem darum gehen, inwiefern ausländische Akteure erneut Twitter, Facebook oder Google missbrauchen, um die Stimmung im Land vor den Kongresswahlen im November zu beeinflussen und was dagegen getan wird. Monje erzählt, dass man zuletzt Hunderte Konten gesperrt habe, die Verbindungen zum Iran hatten:

"Sie haben versucht, die Debatte auf Twitter zu manipulieren. Es waren rund 700 Nutzerkonten, 100 von ihnen gaben vor, in den USA zu sein. Es ist ein Bruchteil dessen, was wir 2016 erlebt haben, aber die Zahl der Konten wuchs, das war eine längerfristige Angelegenheit."

Facebook und Twitter verteidigen sich

Auch Facebook gab bekannt, Hunderte Nutzerkonten und Propagandaseiten gelöscht zu haben. Geschäftsführerin Sheryl Sandberg wird das bei der Anhörung sicher unterstreichen. Tony Romm ist Technologiereporter für die Washington Post. Er sagt, Unternehmen wie Facebook, Google und Twitter versuchen stärker, die Spaltungsversuche aus dem Ausland zu entdecken und wirkungslos zu machen:

"Sie haben dafür ihr Personal aufgestockt, haben mehr in künstliche Intelligenz investiert, die dabei helfen soll, diese Inhalte zu entdecken und zu entfernen. Doch der demokratische Senator Mark Warner sagte, auch unsere Gegner lernen ständig dazu, deshalb gebe es diese Anhörung."

Warner ist der Vize-Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, der die Unternehmensspitzen vorgeladen hat. Auch Google sollte an der Befragung teilnehmen, doch der Stuhl, reserviert für Google-Gründer Larry Page, bleibt voraussichtlich leer. Das Unternehmen lehnte ab, Page oder Google-Chef Sundar Pichai zu schicken - sehr zum Ärger von Washington.

Trump attackiert die Internet-Plattformen

Einer in der US-Hauptstadt ist besonders schlecht auf die Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley im liberalen Kalifornien zu sprechen, der Präsident. Laut ihm kämen abertausende Beschwerden bei ihnen an.

Donald Trump wirft den Anbietern vor, konservative Stimmen zu unterdrücken. Über Tage arbeitete er sich an der Idee ab - ironischerweise auf Twitter. Google wies die Vorwürfe zurück. Beweise für eine systematische Benachteiligung konservativer Standpunkte gebe es nicht.