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Kinderpornographie und Gewalt in Schülerchats | BR24

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Die bayerische Polizei muss immer öfter zu Schulen im Freistaat ausrücken. Dort dort kursieren auf den Smartphones der Schüler die schlimmsten Fotos und Videos - Kinderpornographie, Gewaltszenen, Nazibilder oder Mobbing.

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Kinderpornographie und Gewalt in Schülerchats

Handys werden wegen strafrechtlich relevanter Inhalte konfisziert – solche Polizeieinsätze gibt es immer häufiger an Schulen. Betroffenen Schülerinnen und Schülern droht strafrechtliche Verfolgung. Auch, wenn Videos ungewollt auf dem Handy sind.

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Kurz vor dem Abitur bekommt Sebastian Bauer über den Klassenchat einen Sticker auf sein Handy geschickt: "Also am Anfang war es wie ein ganz normaler Schultag. Man steht halt auf und schaut kurz auf sein Handy. Und dann geht man in die Schule. Erst im Nachhinein ist mir dann klargeworden, was in der Früh in den Klassenchat geschickt wurde."

Das Bild, das der 17-Jährige auf sein Handy geschickt bekommt, bringt ihn schließlich vor Gericht. Als Besitzer von kinderpornographischem Material.

"Ja, es war ein kinderpornografisches Bild, und ich beschreibe das nicht, nein. Das will man kein zweites Mal in seinem Leben sehen." Sebastian Bauer, Abiturient

Seine Mutter Veronika Bauer sagt, sie habe die rechtliche Lage unterschätzt: Ihr sei nicht klar gewesen, dass allein der ungewollte Besitz kinderpornographischen Materials anzuzeigen ist und strafrechtlich verfolgt wird. "Ich denke, da ist wirklich Aufklärung nötig."

Einsätze in Schulen in Bayern an der Tagesordnung

Das ARD-Politmagazin report München hat stichprobenartig Polizeidienststellen in ganz Bayern angefragt. Einsätze an Schulen sind mittlerweile an der Tagesordnung, häufig werden Handys mit strafrechtlich relevanten Inhalten konfisziert: Gewaltvideos und Kinderpornographie.

Rainer Schink von der Kriminalpolizei Landshut zeigt ein Handyvideo. Es startet mit Hundewelpen: "Aber direkt nach der kurzen Sequenz hat man dann gesehen, wie ein Erwachsener ein Kleinkind so lange auf den Boden geschmissen hat, bis es in einer Blutlache liegenblieb."

Auf dem Tisch der Kriminalpolizei stapeln sich die Handys. Etliche sind es, die meisten von zwölf bis 14-jährigen Kindern. Alle konfisziert wegen strafrechtlich relevanter Inhalte. Rainer Schink von der Kriminalpolizei Landshut erklärt: "Da geht's los von Kinderpornographie, normale Pornographie, Hardcore-Pornographie und natürlich Gewaltvideos. Mittlerweile sind auch Sticker im Umlauf mit nationalsozialistischen Hintergrund."

Rainer Schink will sich überhaupt nicht ausmalen, was in den Köpfen von Kindern passiert, wenn sie solche Bilder auf ihre Handys geschickt bekommen. Er geht davon aus, dass Kinder oft nicht die Möglichkeit haben, sich vor dem Inhalt solcher Bilder zu schützen. "Die Kinder wollen das gar nicht konsumieren“, sagt er im Interview mit dem ARD-Politmagazin report München. Oft seien sie aber einem Gruppenzwang ausgesetzt.

Whatsapp-Chats: Multiplikatoren von Gewaltvideos und Kinderpornografie

Besonders in Gruppenchats tauchen häufig die problematischen Inhalte auf. Eine Plakataktion der Kriminalpolizei soll nun helfen, Kinder aufzuklären. "Dein Smartphone – deine Entscheidung" heißt die Aktion, die über die möglichen Folgen aufklären soll.

Die Rechtslage ist klar: Wenn zum Beispiel ein kinderpornographisches Bild auf einem Smartphone landet, begehen nicht nur die Sender eine Straftat, sondern auch mögliche Empfänger, die das verbotene Bild dann besitzen. So wie Sebastian Bauer. Der musste sich wegen der kinderpornographischen Inhalte auf seinem Smartphone vor Gericht verantworten und wurde schließlich - nach einem zermürbenden Jahr und mehreren Gerichtsterminen - freigesprochen.

BLLV fordert "knallharte Leitfäden"

Die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, sagt, "die ganze Cyberkriminalität macht uns schwer zu schaffen."

"Da erwarten wir ein deutliches Signal von der Politik in der Gesetzgebung, in dem Erheben von Daten, aber dann auch in ganz knallharten Handlungsleitfäden." Simone Fleischmann, BLLV

Eine Anfrage von report München an alle Kultusministerien zeigt: Die Politik hat noch kein einheitliches Konzept gegen diese neue Form der Gewalt gefunden. Die meisten Länder betonen, Präventionsmaßnahmen ergriffen zu haben, jedoch wird höchst unterschiedlich vorgegangen. Und aus dem Ministerium für Bildung in Schleswig-Holstein heißt es etwa, privat betriebene Kommunikationssysteme stünden außerhalb der Verantwortung der Schulen.

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