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Killer’s Security: Höchstrichterliches Vergessen | BR24

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Achim Killer

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Killer’s Security: Höchstrichterliches Vergessen

In den Online-Nachrichten berichtet Achim Killer über Patientendaten, die wieder mal ungesichert im Netz stehen. Ein Trojaner knipst Anti-Viren-Software aus. Und das Verfassungsgericht findet, die Presse soll Google beim Vergessen helfen.

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Recht auf Vergessen und Pflicht zum Verstecken

Normalerweise vergisst das Internet ja nicht. Aber manchmal wollen es hohe Richter dazu zwingen, beispielsweise wenn etwas, was man nicht so gerne über sich im Netz liest, lange zurückliegt. Dann gibt’s dieses schon etwas eigenartige Recht auf Vergessen. Das hat der Europäische Gerichtshof 2014 so festgelegt. Wobei es sich dabei eher um eine Pflicht zum Verstecken handelt, die der EuGH Google auferlegt hat. Also Google muss dafür sorgen, dass Informationen, die für die Betroffenen belastend sind, nicht ewig auffindbar sind im Netz, zum Beispiel Berichte über eine Straftat, für die jemand verurteilt worden ist.

Soweit der Stand bis diese Woche. Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass auch die Presse beim Verstecken helfen muss. Also Presse-Archive dürfen weiterhin ins Netz gestellt werden, aber es muss dafür gesorgt werden, dass man unter problematischen Suchbegriffen nichts findet. Wieder ein echter Balance-Akt diese Woche für das höchste deutsche Gericht.

Löchrige Digitalisierungsboxen

Was man auch nicht so gerne über sich im Netz liest, ist das, was man mit seinem Arzt bespricht. Genau das hätte aber bis zu 30.000 Leuten in Celle, in Niedersachsen, passieren können - hat die IT-Publikation Heise aufgedeckt. Schuld war ein falsch konfigurierter Router einer ärztlichen Gemeinschaftspraxis. Der war löchrig. Und Neugierige konnten deshalb durch und in die Krankenakten schauen.

Auf so einem Router ist üblicherweise eine Firewall installiert. Und die ist erst einmal völlig dicht. Und nur wenn man hinter der Firewall ein Kommunikationsprogramm installiert, dann öffnet das an einer kleinen Stelle - einem so genannten Port - die Firewall. Ist dumm gelaufen in der Arztpraxis. Der Router hat beim Öffnen des Ports fürs verschlüsselte Surfen auch automatisch den aufgemacht, über den Windows-Rechner untereinander Daten austauschen. Und das ist ein Scheunentor. "Digitalisierungsbox" nennt die Telekom die betroffenen Router, die sie gerne Selbstständigen anbietet. Wer sowas hat, muss unbedingt die Firmware auf den aktuellen Stand bringen.

Trojaner knipst Defender aus

"Clop" heißt einer von den vielen hinterhältigen Kryptotrojanern, die aktuell durchs Netz galoppieren, so einer, der Dateien verschlüsselt und fürs Entschlüsseln Lösegeld verlangt. Deswegen hat man ja Anti-Viren-Software installiert, damit die solche üblen Erpresser erschlägt. Aber – das ist ein Trend – derartiges digitales Ungeziefer versucht immer öfter, Anti-Viren-Software auszuschalten. Der "Clop" nun schafft das relativ oft.

Den Windows Defender von Microsoft beispielsweise knipst er aus, es sei denn, man hat den Manipulationsschutz, den es neuerdings in Windows 10 gibt, angeschaltet. Sollte eigentlich bei Privatanwendern bei einem Update dieses Jahr automatisch passiert sein. Aber es kann ganz sinnig sein, das mal zu überprüfen. Unter "Windows-Sicherheit", "Viren- & Bedrohungsschutz" muss der "Manipulationsschutz" eingeschaltet sein. Dann kann der Clop nicht am Windows Defender herumpfuschen.

Weitere Ausgaben von Killer's Security finden Sie hier.