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Achim Killer

Zwei Jahrzehnte hat es gedauert, bis aus einem jungen sympathischen Start-up eine große, nimmersatte Datenkrake geworden ist. Google ist jetzt 20 Jahre alt. Wie der Konzern persönliche Daten sammelt, das zeigt exemplarisch eine typische Android-App, die seit dieser Woche mit all ihren Möglichkeiten auch in Deutschland genutzt werden kann: Arts and Culture heißt sie. Klasse!

Maler, Ausstellungen und die Art-Selfie-Funktion

Man kann virtuell Ausstellungen besichtigen, die in Wirklichkeit schon längst geschlossen sind, sich Bilder von 5.736 Malern anschauen und kucken, was in der näheren Umgebung so in Sachen Kultur los ist. Und der Knüller: die Art-Selfie-Funktion.

Darüber ist diese Woche ja auch - reich bebildert - in den Tageszeitungen berichtet worden, beispielsweise dass die Art-Selfie-Funktion Ähnlichkeiten zwischen Boris Becker und einem Gemälde von Henri Toulouse-Lautrec entdeckt hat. Das funktioniert so: Man macht ein Selfie, und Google stellt ein digitalisiertes Gemälde dazu, das dem Selfie angeblich ähnelt.

Millionen Surfer haben solche Bilderpaare schon in den sozialen Netzwerken verbreitet, vielleicht mit dem selbstkritischen Kommentar: Jetzt hab’ ich zwar diese Diät gemacht, seh’ aber immer noch aus, wie von Rubens gemalt. Ein lehrreicher Spaß. Bloß man lädt halt biometrische Daten von sich zu Google hoch. Wer meint, dass es darauf auch nicht mehr ankommt, der findet die App im Google Play Store.

Sieht laut "Arts and Culture" dem Portrait von Pieter Ernst Hendrik Praetorius zu 69 % ähnlich: BR24 Netzexperte Christian Schiffer.

Sieht laut "Arts and Culture" dem Portrait von Pieter Ernst Hendrik Praetorius zu 69 % ähnlich: BR24 Netzexperte Christian Schiffer.

Zero Day

Ein IT-Sicherheitsrisiko, auf das einzustellen man null Tage Zeit hat: Zero Day – So nennt man das, wenn ein Sicherheitsloch bekannt ist und noch keine Reparatur-Software dafür geschrieben worden. Gibt’s jetzt in Windows 7,8 und 10. Eine Riesen-Aufregung unter Security-Experten! Digitales Ungeziefer, das sich eingenistet hat, wird dadurch quasi von der Leine gelassen. Privilege Escalation ist der Fachbegriff dafür, Rechteausweitung also; Schad-Software kriegt auf diese Weise Administratorrechte.

Natürlich versuchen kriminelle Hacker bereits, das Problem für ihr schmutziges Geschäft auszunutzen. Aber: Das digitale Ungeziefer muss sich eben auch erst einmal einnisten. Die Hacker verschicken es derzeit per Mail. Man sollte also bis Dienstag bei Mails noch vorsichtiger sein als sonst und darauf hoffen, dass Microsoft die Sache dann am Dienstag - dem Patchday - in Ordnung bringt.

Obacht bei Schnäppchen!

Jetzt wär’s grad günstig. Bei NAND-Flash-Chips gibt’s gerade eine Überproduktion. Warum soll man sich als gewöhnlicher User ausgerechnet für NAND-Flash-Chips interessieren? Weil daraus MicroSD-Karten fürs Smartphone, schnelle SSD – statt Festplatten - für den PC und USB-Sticks gemacht werden. Und die gibt’s denn auch derzeit gerade günstig.

Eine Flash-Platte mit einem halben Terabyte kostet mittlerweile deutlich unter hundert Euro. Aber Vorsicht! Nicht gierig werden. Leser haben heise.de darauf hingewiesen, dass vor allem chinesische Händler auch SD-Karten und USB-Sticks mit über einem halben Terabyte zu äußerst günstigen Preisen anbieten. Aber sowas gibt’s noch gar nicht. Da sind Betrüger zugange.

Autoren

Christian Schiffer

Sendung

B5 Online-Nachrichten vom 08.09.2018 - 05:05 Uhr