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Killer's Security: Digital Detox | BR24

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    Killer's Security: Digital Detox

    Richtige Verkäufer sind hart. Keine Marketing-Strategie darf zu bizarr, kein Werbeslogan zu albern sein. Jetzt vermarkten Apple und Google ihre Smartphone-Betriebssysteme als Hilfsmittel gegen die Handy-Sucht. Von Achim Killer

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    Ganz offenkundig haben viele Menschen weder sich, noch ihr Handy so richtig im Griff. Die neue Modekrankheit, die derzeit ganz massiv grassiert, nennt sich denn auch Smartphone-Sucht. Als Therapie dagegen wird allenthalben ein „bewusster Umgang“ mit dem mobilen Internet empfohlen.

    Digitale Nutzungsbremsen

    „Put down your phone and get back to your life”, raten die Therapeuten. Und sie werben mit diesem Slogan – verblüffender Weise - für Smartphone-Apps. Die heißen beispielsweise „Moment“ oder „Forest“. Mit ihnen lassen sich zeitliche Limits für die Nutzung einzelner Apps oder des ganzen Gadgets festlegen. So weit, so erstaunlich.

    Mehr Dealer als Sucht-Therapeut

    Jetzt aber treten zwei äußerst seltsame neue Player auf dem Markt für Services rund um digital Detox, den digitalen Entzug, auf: Google und Apple. Bislang haben die sich hier ja eher als Dealer denn als Sucht-Mediziner betätigt. Auf dem zu digital Detox komplementären Markt für Smartphone-Betriebssysteme halten sie 85,9 beziehungsweise 14 Prozent. Die nächsten Versionen, iOS12 und Android P, werden Funktionen wie die von Moment oder Forest integrieren.

    Entmündigte Anwender

    Die digitalen Nutzungsbremsen werden sowohl als Therapeutikum für erwachsene Digital-Junkies als auch als Kinderschutzfunktion vermarktet. Und das kommt nicht von Ungefähr: Google und Apple behandeln ihre Kundschaft seit jeher wie unmündige Kinder. Entmündigung ist geradezu die Basis ihres Geschäfts. Sie schreiben ihren Kunden vor, welche Apps sie benutzen dürfen (nur die aus dem Appstore) und welche löschen (nicht die, die vorinstalliert sind). Anders als beim PC sind die User nie Herren (jemand mit Admin-Rechten) ihrer Smartphones. Sie sind abhängig von zwei Anbietern und deren Manipulationen ausgeliefert. An dieser Abhängigkeit müsste ein wirksames digital Detox ansetzen.