BR24 Logo
BR24 Logo
Netzwelt

Womöglich keine Corona-Warn-App auf Huawei-Handys | BR24

© picture alliance

Alleingang

1
Per Mail sharen

    Womöglich keine Corona-Warn-App auf Huawei-Handys

    Vor einem Jahr hatte Donald Trump beschlossen, Huawei den Hahn abzudrehen. US-Firmen ist seitdem verboten, mit dem chinesischen Konzern Geschäftsbeziehungen zu unterhalten. Auch die Corona-Warn-App wird deshalb auf neuen Huawei-Handys nicht laufen.

    1
    Per Mail sharen

    Seit Mai 2019 dürfen US-Unternehmen nicht mehr mit Huawei Handel betreiben. Der Erlass von US-Präsident Trump galt erst mal für ein Jahr. Doch erst kürzlich wurde die Bestimmung noch einmal um ein Jahr verlängert. Für den zweitgrößten Smartphonehersteller der Welt bedeutet das einen erheblichen Wettbewerbsnachteil, insbesondere auf den Märkten in Europa und Amerika. Dort laufen die meisten Handys auf dem Android-Betriebssystem und werden dabei über Googles Playstore mit Apps versorgt.

    Der App-Shop aber bleibt der Huawei-Kundschaft nun weiterhin versperrt. Alle Geräte, die nach dem Mai 2019 neu auf den Markt kamen, durften nicht mehr mit dem Playstore ausgeliefert werden. Viele der beliebtesten Apps bekommt man aber nur dort. Manches läßt sich zwar per APK-Datei direkt installieren, das ist aber aufwendig und auch nicht ganz ungefährlich.

    💡 Was sind APK-Dateien?

    Die Abkürzung steht für "Android Package". Es handelt sich hier um Installations-Dateien mit denen sich – ähnlich wie beim PC – Programme (also hier Apps) direkt auf Android-Smartphones herunterladen und installieren lassen. Da diese Apps nicht aus dem Play-Store stammen, wo strenge Sicherheitsprüfungen durchgeführt werden, können sie häufiger mit Schadprogrammen infiziert sein. Wer sich dennoch APKs auf´s Handy ziehen will, muss dafür in den Einstellungen nach dem Punkt "Sicherheit" bzw. „Biometrische Daten und Sicherheit“ suchen und dort die Option "Unbekannte Herkunft", "Unbekannte Quellen" bzw. „Unbekannte Apps installieren“ anklicken.

    Viel Geld für einen eigenen App-Shop

    Huawei bietet nach Ansicht vieler Experten sehr gute Hardware und viele Topgeräte, wie zum Beispiel das Foldable Mate XS oder das P40 Pro. Das Abgekoppeltsein von Google es jedoch ein großes Manko. Hauwei bemüht sich seit einigen Monaten intensiv einen eigenen App-Store aufzubauen. Der chinesische Konzern wendet dafür mehrere Milliarden Dollar auf. Entwickler bekommen ein Jahr lang 100 Prozent ihrer Einnahmen im Appstore, müssen also nichts abgeben, wie bei Apple oder Google. Auch danach, will man die App-Entwickler mehr an den Einnahmen teilhaben lassen, als die Konkurrenz dies tut und hofft, sie so anlocken bzw. binden zu können und den App-Shops der Rivalen bald etwas entgegensetzen zu können.

    „Umfragen zeigen, dass die Verbraucher offen sind für ein neues System. Wir bauen seit zehn Jahren die erste Alternative zu den bestehenden die wir etablieren wollen.“ Frank Bauderer, PR-Manager bei Huawei

    Selbst Amazon hat mehr Apps

    Huaweis App-Gallery umfasst eigenen Angaben zufolge gut eine Million Programme. Im Playstore gibt es knapp drei Millionen Apps, in Apples App-Store rund zwei Millionen. Huawei verspricht zwar, dass permanent neue Apps dazu kommen, allerdings geht es während der Coronakrise angeblich nur zögerlich voran. Viele Meetings mit den Entwicklern hätten in letzter Zeit nicht stattfinden können.

    Google-Maps lässt sich nicht so leicht nachbauen

    Besonders schwierig wird es, beliebte Apps von Google im neuen Huawei-Kosmos nachzubilden. Zu Youtube gibt es kaum eine Alternative und auch Google Maps läßt sich nicht so ohne weiteres kopieren. Vor einigen Monaten hatte Huawei angekündigt, mit dem niederländischen Karten- und Navigationsdienst TomTom zu verhandeln, damit der seine Karten und sein Know-How bei Huawei einspeist. Bislang ist daraus aber noch nichts geworden. Die neue gemeinsame App soll kommen, wann ist aber noch unklar. Solange sollen sich die NutzerInnen mit der App Here WeGo der europäischen Autokonzerne behelfen.

    Keine Corona-Warn-App auf Huawei-Geräten

    Offen bleibt auch eine aktuell sehr wichtige Frage, die für viele Nutzer in Deutschland interessant sein könnte, nämlich die, ob die Corona-Warn-App auf Huawei-Handys laufen wird. Apple und Google haben dafür ja eigens neue Schnittstellen eingerichtet, an denen die deutsche Warn-App zur Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten andocken kann. Die Anpassungen bekommen Android-NutzerInnen über den Playstore auf ihre Smartphones geliefert. Huawei müsste eine solche Schnittstelle also selbst programmieren, damit deutsche NutzerInnen die Corona-Warn-App einrichten können. Ob und wann das geschieht, kann das Unternehmen derzeit aber nicht sagen.

    „Wir sind aktuell in Gesprächen und werden, sobald wir etwas verkünden können, Neuigkeiten bekannt geben.“ Frank Bauderer, PR-Manager bei Huawei

    Konkret heißt das: ältere Huawei-Geräte (vor Mai 2019) werden die deutsche Corona-Warn-App nutzen können – neue Modelle dagegen nicht.