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Kein Spaß: Wenn "Pranks" vor Gericht landen | BR24

© picture alliance

Das hier sind harmlose Kekse. Die Kekse im Prank vom Youtuber "ReSet" enthielten Zahnpasta.

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    Kein Spaß: Wenn "Pranks" vor Gericht landen

    Kekse mit Zahnpaste für den Obdachlosen als Streich und dann das Video auf Youtube hochladen - "Unterhaltung" auf Kosten anderer. Gerichte haben immer wieder bestätigt: Bei Pranks und Challenges gilt keine Narrenfreiheit, sondern Strafrecht.

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    Ist das nur ein dummer Streich? Der spanische Youtuber "ReSet" ersetzt die Füllung von Oreo-Keksen durch Zahnpasta und gibt sie zusammen mit einem 20-Euro-Schein einem Obdachlosen in Barcelona. Der Mann isst einen Keks und muss sich erbrechen. Der Youtuber "ReSet" kommentiert das so:

    "Das Ganze hatte doch etwas Gutes: Es hilft dem Mann, seine Zähne zu putzen. Er hat sie sicher lange nicht geputzt, vielleicht seitdem er hier auf der Straße lebt." - K. Ren alias "ReSet"

    Der damals 19-jährige "ReSet" stellt ein Video der Aktion auf Youtube. Das war 2017 - vermeintliche Unterhaltung auf Kosten anderer. Und nicht das einzige Mal, dass er diese Grenzen überschreitet - auch andere Opfer, von Kindern bis Senioren, waren schon Ziel seiner Pranks.

    Womit "ReSet" vielleicht aber nicht gerechnet hat: Neben dem Shitstorm, der auf das Keks-Video folgt, in dem ihn auch viele andere Youtuber kritisieren, fängt er sich eine Anzeige eines Users ein. Der Fall landet vor Gericht.

    Entschädigung, Upload-Verbot und Haft

    Das Gericht in Barcelona urteilte nun: ReSet muss 20.000 Euro Entschädigung an den Mann zahlen und er darf für fünf Jahre nichts mehr bei Youtube hochladen. Außerdem wurde er zu 15 Monaten Haft verurteilt. Aber weil Gefängnisstrafen in dieser Länge in Spanien immer zur Bewährung ausgesetzt werden, muss er sie nicht antreten. Dennoch ist seine Youtube-Karriere mit dem Urteil wohl vorerst beendet.

    Wirklich einsichtig zeigte sich der Youtuber nicht. Im Gericht sagte er abschließend:

    “Ich mache Sachen, um den Leuten eine Show zu bieten. Die mögen dieses kranke Zeug.” - "ReSet"

    Strafrecht macht nicht vor Youtube halt

    Aber der spanische Fall ist kein isolierter. Auch in Deutschland wurde Vergleichbares bereits von der Justiz verfolgt, etwa ein Prank des Youtubers "ApoRed": Er hatte sich 2016 gefilmt, wie er eine Tasche neben einen Geldautomaten in Hamburg warf und rief: "30 Sekunden habt ihr alle Zeit, lauft lieber, wenn euch euer Leben etwas wert ist!"

    Ein vorgetäuschtes Bombenattentat, das ihm eine Verurteilung unter anderem wegen Körperverletzung, Nötigung und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten einbrachte. Am Ende gab es eine Bewährungsstrafe und Sozialstunden.

    Auch Youtube selbst sanktioniert

    Neben solchen ganz offensichtlich strafbaren Pranks haben natürlich auch alle anderen Netz-Spielarten wie Challenges und Mems keine Narrenfreiheit. Das Vortäuschen von Straftaten etwa, aber auch Aktionen wie die „Bird-Box-Challenge“, bei der Nachahmer zum Teil mit verbundenen Augen mit dem Auto fuhren und damit andere gefährdet haben, können Strafen nach sich ziehen.

    Und auch Youtube selbst ahndet Verstöße gegen seine mittlerweile deutlich strengeren Richtlinien mit eigenen Sanktionen. So wurde ein Verwarnungs-System etabliert, das Sanktionen von Upload-Verboten bis zum Löschen des Kanals vorsieht.