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Ein Cell Broadcast in den USA.

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Katastrophenschutz: So warnen Smartphones in anderen Ländern

Warnung per "Cell Broadcast": Viele Länder setzten auf das System, das per Mobilfunk in Sekunden fast die komplette Bevölkerung erreichen kann. Deutschland aber wählte eine andere Technologie.

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Von
  • Gregor Schmalzried

Nach der Flutkatastrophe in Deutschland stehen die Warn-Systeme in der Kritik. Wie konnte es passieren, dass das Hochwasser für die Bewohner der betroffenen Orte so plötzlich und überraschend kam - obwohl Forscher schon Tage zuvor auf die Gefahr hingewiesen hatten?

In der Debatte, wie der Bevölkerungsschutz verbessert werden könnte, steht die Methode "Cell Broadcast" im Fokus. Dabei handelt es sich um ein technisches Warnsystem, das auf jedes Mobilfunk-Gerät Warnungen abschicken kann: Also auf Mobiltelefone, aber auch einige Smartwatches unterstützen Cell Broadcast. Auch wenn sie über Mobilfunk gesendet werden, sind Cell Broadcasts keine SMS, sondern eine eigene Form der Kommunikation.

Fast alle modernen Smartphones unterstützen die Technologie dahinter - egal in welchem Land sie eingesetzt werden. In einem Notfall erscheinen die Meldungen fast bildschirmfüllend auf allen Geräten in einem gewählten Umkreis. Auch ein Warnton wird ausgegeben. So wird sichergestellt, dass möglichst niemand die Warnung verpasst.

Seit den 00er-Jahren nutzen zahlreiche Länder Cell-Broadcast-Methoden, um die Bevölkerung in gefährlichen Situationen zu warnen.

"Presidential Alert" in den USA

In den Vereinigten Staaten gibt es den sogenannten “Wireless Emergency Alert”. Dieser kommt in verschiedenen Stufen - die höchste ist der "Presidential Alert", der nicht deaktiviert werden kann.

In den USA werden Cell Broadcasts regelmäßig eingesetzt: Beispielsweise werden Bewohner in einem gefährdeten Gebiet vor Stürmen oder anderen Naturkatastrophen gewarnt. Auch bei der Suche nach Terroristen und Kindesentführern ist das System bereits eingesetzt worden. Während der Corona-Pandemie wurde das System genutzt, um die Bevölkerung über Einschränkungen und Sperrstunden zu informieren.

Im Januar 2018 sorgte das System für einen Fehlalarm - als Millionen Amerikaner die Nachricht erhielten, ein Raketengeschoss befände sich im Anflug auf Hawaii. Die Nachricht stellte sich als technische Panne heraus.

So geht das in der Europäischen Union

2018 hat die EU eine Direktive zu Notfall-Warnungen beschlossen. Bis 2022 müssen alle EU-Staaten ihren Bürgerinnen und Bürgern ein Warnsystem zur Verfügung stellen, welches einen Großteil der Menschen in einem Gebiet gleichzeitig erreichen kann.

Einige Länder haben das bereits umgesetzt. Beispielsweise gibt es in den Niederlanden seit 2012 das System NL-Alert - per Cell Broadcast erreicht es über 90 Prozent der Bevölkerung. Zudem werden gleichzeitig Informationen auf digitalen Informationsbildschirmen angezeigt.

Und wie in Deutschland?

Hier setzte die Bundesregierung bisher auf gesonderte Lösungen wie die App Nina, die im Katastrophenfall warnen soll. Im Gegensatz zum Cell Broadcast erreicht die App aber viel weniger Bürger - ausschließlich die nämlich, die sie vorher heruntergeladen haben.

Armin Schuster, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sagte nach dem Hochwasser im Deutschlandfunk, über einen möglichen Einsatz von Cell Broadcast in Deutschland werde nachgedacht. Allerdings handle es sich um eine "extrem teure Technik".

Bereits nach dem missglückten "Warntag" 2020 war über eine mögliche Einführung von Cell Broadcast in Deutschland spekuliert worden. Damals war ein großer Testlauf von Warnsystemen fehlgeschlagen, zahlreiche Testwarnungen hatten nicht funktioniert.

Merkel offen für "Cell Broadcast"

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich heute offen für Cell broadcasting. Dieses könne die bestehenden Warnsysteme zwar ergänzen, diese aber nicht ersetzen, sagte sie. Die Nina-App etwa habe den Vorteil, dass sie auch noch funktioniere, wenn der Mobilfunk ausgefallen sei. Dennoch werde man sich das System anschauen, das Mobilfunkanbieter in Deutschland aber bisher nicht angeboten hätten.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sagte, er habe bereits mit einem Mobilfunkanbieter gesprochen. Man habe aber auch erkannt, dass man wieder verstärkt auf analoge Warnsystem wie Sirenen setzen müsse.

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Bundeskanzlerin Merkel hat das nordrhein-westfälische Bad Münstereifel besucht, um sich ein Bild von den Hochwasser-Schäden zu machen. Dort war die Erft zu einem reißenden Strom angeschwollen und hatte viele Häuser zerstört und weggespült.

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