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Kartellamt geht gegen Facebook-Zwangskonto für Oculus-Nutzer vor | BR24

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Bundeskartellamt hat einen erneuten Konflikt mit Facebook begonnen. Diesmal geht s um die Datenbrille Oculus.

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Kartellamt geht gegen Facebook-Zwangskonto für Oculus-Nutzer vor

Das Bundeskartellamt hat sich schon mehrmals mit Facebook angelegt. Jetzt wurde ein Missbrauchsverfahren gegen den US-Konzern eingeleitet, um die Verknüpfung der VR-Brillen der Facebook-Tochter Oculus mit dem sozialen Netzwerk zu überprüfen.

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Von
  • Christian Sachsinger

Virtual Reality ist ein interessantes Zukunftsfeld für Digitalunternehmen. Mit VR-Brillen lassen sich Videokonferenzen so führen, dass jeder das Gefühl hat, mit allen anderen wirklich im gleichen Raum zu sitzen. VR-Filme lassen die Szenen so plastisch erscheinen, dass man sich mitten im Geschehen wähnt. Und die Brillen bieten vor allem bei Games ein ganz aufregendes, dreidimensionales Spieleerlebnis. Facebook entwickelt seit Jahren eigene Hardware und ist inzwischen zu einem der wichtigsten Player auf dem Markt für Virtual Reality geworden. Die Idee ist natürlich reizvoll aus Sicht des US-Konzerns: er will seine User mit Hilfe von VR länger in den eigenen Netzwerken von Facebook, Instagram und WhatsApp halten.

Ohne Facebook-Verbindung funktioniert die „Quest 2“ nicht

Doch nun ist der Konzern aus Sicht der deutschen Wettbewerbshüter einen Schritt zu weit gegangen. Wer in Zukunft die zur Oculus-Brille passenden Inhalte nutzen möchte, benötigt dafür nämlich einen Facebook-Account. Die neue Brille „Quest 2“, die in vielen Ländern seit einigen Wochen verkauft wird, läuft nicht mehr über ein Nutzerkonto bei Oculus.

„Quest 2“ ist eine sogenannte Standalone-Brille, sie kommt also ohne Computer oder Smartphone aus, und verfügt selbst über genügend Rechenpower, um mit Hilfe verschiedenster Raum- und Bewegungssensoren 3D-Welten zu erzeugen. Mit einem vergleichsweise niedrigen Einstiegspreis von unter 300 Dollar verspricht sich Facebook mehr Kundschaft für seine Datenbrillen.

Um nichts dem Zufall zu überlassen, können nun eben bestehende Oculus-Konten für die Registrierung und Verwendung der neuen Hardware nicht länger genutzt werden. Man muss sich mit einem Facebook-Konto verbinden. Geht so gar nicht, findet man beim Bundeskartellamt und nimmt Facebooks Geschäftsgebahren deshalb genauer unter die Lupe:

„Diese Verknüpfung zwischen Virtual-Reality-Produkten und dem sozialen Netzwerk des Konzerns könnte einen verbotenen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung durch Facebook darstellen.“ Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes

Facebook hält neue Brille in Deutschland zurück

Das Kartellamt will verhindern, dass die Kopplung der beiden Geschäftsbereiche bei Facebook den allgemeinen Wettbewerb beeinträchtigt. Facebook soll also nicht seine überwältigende Marktmacht im Bereich Social Media dazu nutzen dürfen, im noch recht jungen VR-Segment andere Konkurrenten zu verdrängen. Für Nutzerinnen und Nutzer, die sich schon auf die „Quest 2“ gefreut hatten, hat das strenge Wettbewerbsrecht unerfreuliche Konsequenzen. Facebook, das den Ärger mit den deutschen Behörden wohl umgehen wollte, hat die neue Oculus-Brille hierzulande erst einmal nicht in die Läden gebracht und hält den Vertrieb momentan zurück. Der Konzern hofft wohl auch deshalb, das Problem nun bald wieder vom Tisch zu bekommen.

"Auch wenn Oculus in Deutschland derzeit nicht zum Verkauf steht, werden wir natürlich mit dem Bundeskartellamt kooperieren" Unternehmens-Sprecherin Facebook.

Man sei zuversichtlich, deutlich machen zu können, dass kein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vorliege, heißt es vom US-Konzern.

Wettbewerbshüter haben Facebook seit längerem im Visir

Der US-Konzern liegt mit dem Bundeskartellamt seit längerer Zeit im Clinch. Die Bonner Behörde will vor allem dem Sammeln von Daten einen Riegel vorschieben. Das Kartellamt hatte Facebook im Februar 2019 untersagt, die Informationen von Nutzern aus verschiedenen Quellen (also beispielweise von den hauseigenen Netzwerken WhatsApp und Instagram) zusammenzuführen. Facebook hatte gegen das Kartellamts-Verbot geklagt. Das Verfahren liegt nun beim Oberlandesgericht Düsseldorf. Damit hat sich das US-Unternehmen erst einmal Aufschub erstritten. Das Kartellamt hat wiederum angekündigt, den Fall jetzt vor den Bundesgerichtshof zu bringen.

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