Zurück zur Startseite
Netzwelt
Zurück zur Startseite
Netzwelt

Kampf gegen gefälschte Online-Bewertungen | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Viele Bewertungen im Internet sind gefälscht.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kampf gegen gefälschte Online-Bewertungen

Ob Arzt, Hotel oder Arbeitgeber – oft suchen Verbraucher online nach Bewertungen. Ob diese jedoch echt sind, ist kaum zu erkennen, warnen Verbraucherschützer. Ebenfalls unklar ist, was Bewertungs-Portale mit absichtlich falschen Kommentare machen.

Per Mail sharen

Zu jeder Ware, zu jeder Dienstleistung stehen auf zig Portalen Bewertungen online. Welche echt, welche gefälscht sind, das ist nach Ansicht der Verbraucherschützerin Tatjana Halm für den Kunden in dieser Masse an Angeboten kaum zu erkennen.

"Nachdem die Landschaft der Bewertungen ja so unterschiedlich ist, muss der Verbraucher hier sehr viel investieren an Zeit, um sich überhaupt über die Systematik der Bewertungen zu informieren und dann einschätzen zu können, wie sehr er dieser Bewertung vertrauen kann." Tatjana Halm

Auch sei nicht klar, was die Bewertungs-Portale mit absichtlich falschen Kommentare tun, ob sie zum Beispiel gelöscht würden, sagte Tatjana Halm bei einer Gesprächsrunde mit Vertretern großer Bewertungs-Portale wie Kununu, Jameda und Holidaycheck in München.

Maßnahmen gegen Manipulation

Die drei Firmen wollen gezielt gegen gekaufte und anders gefälschte Bewertungen vorgehen, weil sie das Vertrauen in ihre Inhalte schädigen, sagt Georg Ziegler, Director Brand von Holidaycheck. Jede Bewertung wird automatisch geprüft, bevor sie online geht. Geht eine gefälschte Bewertung online und wird als Manipulation erkannt, reagiert das Unternehmen.

"Wir kennzeichnen Hotels, bei denen systematisch versucht wurde, unser System zu betrügen. Aber wir nutzen auch verschiedene Rechtsmittel, um Fälschern das Handwerk zu legen." Georg Ziegler

Rechtsmittel sind in diesem Fall zum Beispiel Unterlassungserklärungen, gefälschte Bewertungen einzukaufen. Gegen ein Unternehmen, das falsche Bewertungen verkauft, hat das Hotelbewertungsportal Klage vor dem Landgericht München eingelegt. Mitte August soll voraussichtlich das Urteil fallen.

Auch das Ärzteportal Jameda prüft abgegebene Bewertungen bevor sie online gehen durch Algorithmen. Im Verdachtsfall prüfen Jameda-Mitarbeiter die Bewertungen manuell.

"Wir glauben, dass Bewertungen generell mit großer Verantwortung einhergehen", sagt Florian Weiß, Geschäftsführer von Jameda. Deswegen würden auch positive Arzt-Bewertungen gelöscht, wenn sie nicht von einem Patienten stammen. Das Landgericht München hatte dieses Vorgehen dem Bewertungs-Portal im April bestätigt.

Freiwillige Standards als erster Schritt

Seit einem Jahr gibt es eine internationale ISO-Norm für Online-Bewertungen. Sie legt für die Masse an unterschiedlichen Bewertungs-Portalen einheitliche Standards fest, wie mit Bewertungen umgegangen werden sollte. Für die Verbraucherzentrale Bayern reicht die freiwillige Selbstkontrolle nicht aus, daraus müssten verbindliche Regeln geschaffen werden, sagte Tatjana Halm. Erst dann könnten sich Kunden auf Online-Bewertungen verlassen.