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Kampf der Streaming-Giganten | BR24

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In Hollywood toben die sogenannten "Streaming Wars". Der Erfolg von Netflix hat die Unterhaltungsgiganten so sehr überrollt, dass sie jetzt mit großen Investitionen und Kampfpreisen nachziehen.

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Kampf der Streaming-Giganten

In Hollywood toben die sogenannten "Streaming Wars". Der Erfolg von Netflix hat die Unterhaltungsgiganten so sehr überrollt, dass sie jetzt mit großen Investitionen und Kampfpreisen nachziehen.

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Wer gewinnt den Kampf der Streamingdienste? Diese Frage treibt Branchenkenner seit diesem Jahr um. An einer eigenen Videoplattform führt für viele Medienunternehmen kein Weg vorbei, meint Judy Woodruff, Medienexperte beim Radiosender NPR im Interview mit dem Sender PBS.

"Vielen Unternehmen wird klar, dass viele Zuschauer per Streaming Filme und Serien schauen wollen und möchten jetzt ein Stück vom Kuchen abhaben. In der Vergangenheit haben Sender eigene Serien an Netflix verkauft, dort lief dann auch zum Beispiel 'Friends', die 'Big Bang Theory' - aber genau das hat Netflix auch populär gemacht und viele Zuschauer abgezogen. Genau deswegen ziehen einige dieser Sender ihre Produktionen wieder von Netflix & Co. ab und bauen eigene Streamingplattformen auf." Judy Woodruff, Medienexperte

Im November 2019 startete beispielsweise Disney+, ein eigener Streamingdienst des Unterhaltungsgiganten Disney, der in den vergangenen Jahren schon alles eingekauft hat, was Rang und Namen hat. Marvel gehört beispielsweise dazu, aber auch Pixar und Star Wars. Mit großen Namen will man also Zuschauer anlocken und mit Eigenproduktionen, wie der Star Wars Serie "The Mandalorian". Zugleich zieht Disney seine Inhalte von anderen Plattformen wie Netflix ab.

Apple lockt mit Kampfpreis

Seit Dezember kämpft auch Apple um Zuschauer - mit seinem eigenen Unterhaltungsdienst. Apple TV+ hat zwar insgesamt weniger Inhalte zu bieten, als viele Konkurrenten. Doch die Eigenproduktion "Morning Show" mit Jennifer Aniston und andere Serien wurden von der Kritik wohlwollend besprochen - und dürften den ein oder anderen Nutzer neugierig auf mehr machen. Außerdem lockt Apple mit einem Kampfpreis von rund fünf Dollar. Zum Vergleich: Netflix kostet derzeit im günstigsten Paket rund neun Dollar, Disney+ knapp sieben Dollar. Zu den großen Verlieren der "Streaming Wars" gehören wohl die Kabelanbieter meint Jeff John Roberts vom Fortune Magazine:

"Das war's. Die Leute haben endlich kapiert, dass das ein dummes Produkt ist. Das Streaming-Zeitalter kommt und es gibt keinen Weg zurück." Jeff John Roberts, Fortune Magazine

Die Amerikaner schauen weniger Kabel-TV als früher: Im Jahr 2000 hatten noch mehr als 68 Millionen Amerikaner für Kabelfernsehen bezahlt. Im Jahr 2017 hatten die Kabelanbieter 20 Millionen Kunden verloren, während die Zahlen für Netflix-Abos in den USA bei rund 60 Millionen liegen. Mit Disney und Apple sind nun zwei neue Anbieter dazugekommen, aber es werden bei Weitem nicht die letzten sein. In 2020 sind weitere Streaming-Services geplant.

Netflix & Co. stehen unter Druck

"Peacock", zu Deutsch "Pfau", ist ein Angebot der NBC Senderfamilie und soll im April starten. Im Mai erweitert der Bezahlsender HBO sein Angebot unter anderem mit Produkten von WarnerBros, das Ganze nennt sich dann HBO Max. Und Quibi heißt ein Streamingdienst, der ausschließlich für mobile Endgeräte produziert, also Filme und Serien für Smartphones und Tablets konzipiert. Aktuellen Umfragen zufolge seien die Amerikaner bereit, 17 bis 27 Dollar im Monat für Streamingdienste auszugeben. Das macht zusätzlich Druck, spannende und neue Inhalte zu liefern, sonst entscheiden sich die Kunden schnell um.

Doch die Streaming-Plattformen greifen nicht nur die Kabelsender und das klassische Fernsehen an - sie verändern auch die Kinolandschaft. Bei den Golden Globes und Emmys gewinnen die Streamingdienste mittlerweile immer mehr Preise und rütteln so am alten Studiosystem. Netflix ist unter den Streamingdienst-Anbietern der ehrgeizigste Konkurrent und der mit dem größten Geldbeutel. 15 Milliarden Dollar soll Netflix in 2019 nur für die Produktion eigener Shows ausgegeben haben.

Der Zuschauer gewinnt

Zuletzt kaufte Netflix sogar ein Kino in New York, um dort eigene Produktionen zu zeigen. Das ist insofern von Bedeutung, als dass bei der Nominierung für den begehrten Oscar nur Filme in Betracht gezogen werden, die auch eine bestimmte Zeit lang in Kinos aufgeführt wurden. Doch wer gewinnt am Ende den Krieg um die Streaming-Hoheit? Der Medienunternehmer Barry Diller, der für ABC und Fox arbeitete glaubt, das Disney am Ende die Nase vorn haben wird. Denn diese hätten die großen populären Marken, bestehende Vertriebswege und einen großen Namen.

Einen Gewinner kann man jetzt schon ausmachen: den Zuschauer. Denn die "Streaming Wars" werden wohl dazu führen, dass vor allem noch mehr aber auch immer bessere Serien und Filme auf den Markt gespült werden.