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Netflix muss sich gegen Apple, Amazon und Disney wehren | BR24

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Netflix gerät unter Druck

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Netflix muss sich gegen Apple, Amazon und Disney wehren

Apple, Amazon und Disney könnten Netflix mit ihren neuen Film-Angeboten, demnächst Nutzer abjagen. Sicher ist: Disney ist mit seiner neuen Plattform, die im nächsten Jahr auch in Deutschland starten könnte, deutlich günstiger als Netflix.

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Netflix hat ein großes Problem, der Branchenprimus lebt über seine Verhältnisse. Das Unternehmen produziert wie kein anderes weltweit Inhalte am Fließband und das in hoher Qualität. Dabei wurden Schulden in Höhe von acht Milliarden Dollar angehäuft. Dazu kommt: Netflix ist für die kommenden Jahre Produktionsverpflichtungen in Höhe von mehr als 18 Milliarden Dollar eingegangen. Man hat im Lauf der Zeit ein ganz eigenes Modell entwickelt. Inzwischen werden pro Jahr dutzende neue Serien und Spielfilme hergestellt. Exklusiv. Netflix lizenziert seine Produktionen nicht an Fernsehsender, es unterbricht seine Filme auch nicht für Werbung.

Netflix setzt auf eine Karte

Medienexperte Steven Zeitchick von der Washington Post erklärt, worauf das Geschäftsmodell von Netflix basiert:

„Abonnenten, Abonnenten, Abonnenten... Wenn die aber wegbrechen, dann gibt es nichts, was das ausgleichen könnte.“ Medienexperte Steven Zeitchick von der Washington Post

Es kommt nach den jüngsten Quartalsergebnissen auf 149 Millionen zahlende Abonnenten - zu denen man zudem einen recht engen Kontakt pflegt. Bei der Konkurrenz gibt es diese Abhängigkeit von nur einer Erlösquelle nicht: Disney produziert Kino-Filme, es besitzt Ferienparks und unterhält lineare TV-Sender wie ABC oder ESPN. Streaming-Neu-Konkurrent Apple stellt Telefone und Computer her. Und Amazon betreibt ein Online-Kaufhaus und das weltweit größte Cloud-Angebot. Die Wirtschaftsgeschichte der USA lehre aber, dass es Firmen schwer hätten, die nur über ein Geschäftsfeld verfügen, sagt Experte Zeitchick. Solche Firmen würden aufgekauft.

Inhalte wandern von Netflix ab

Netflix hat erst kürzlich seine Abo-Preise In Deutschland und in den USA angehoben. Disney wird im Herbst mit Kampfpreisen in den Markt gehen. Disney Plus soll nur die Hälfte von Netflix kosten. Der Druck wächst also enorm. Dabei gibt es noch ein weiteres Problem: ein Teil der Inhalte, vermutlich mehr als die Hälfte, stammt von anderen Anbietern, ist also lizenziert und zeitlich begrenzt. Diese Inhalte kommen zum Beispiel von Disney oder WarnerMedia. Während Warner die Lizenzverträge weiter laufen lassen will, fährt Disney eine andere Strategie; es zieht immer mehr Inhalte von Netflix ab, um sie exklusiv auf seiner eigenen Plattform zu haben.

Netflix-Preise könnten bald wieder sinken

Viele Kunden werden diesen Inhalten aber folgen. Medienexperte Zeitchick glaubt, dass die Hochzeit von Netflix bald vorbei sein könnte, wobei er das Unternehmen nicht abschreiben würde. Er traut Netflix zu, dass es sich noch einmal neu selbst erfinden kann. Jedenfalls darf man die Kunden nicht vor den Kopf stossen. Für den Verbraucher ist die neue Konkurrenz deshalb erst mal gut. Wenn Disney und Apple mit Kampfpreisen loslegen, könnte auch Netflix gezwungen sein, seine Abo-Preise wieder zu senken.

Sendung

B5 Wirtschaft und Börse

Von
  • Marcus Schuler
  • Christian Sachsinger