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Jugendmedienschutz: Ohne Ausweis, keine Pornos | BR24

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Pornoseite im Netz

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    Jugendmedienschutz: Ohne Ausweis, keine Pornos

    Wer in Zukunft Pornografie im Netz konsumieren will, soll sich vorab ausweisen. Die Landesmedienanstalt in NRW will so verhindern, dass Minderjährige ungehindert an pornografische Inhalte kommen. Doch es gibt auch Kritik an den Plänen.

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    Von
    • Anne Hemmes

    "Der Jugendschutz macht keinen Sinn, wenn jedes Kind vom Kikaninchen zu Pornhub wechseln kann", sagte der Chef der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen (LfM NRW), Tobias Schmid der Nachrichtenagentur dpa. "Wenn wir einerseits im Fernsehen jeden Trailer kontrollieren, Kinder im Netz aber ungefiltert mit abnormalen Sexualpraktiken konfrontieren, können wir es auch sein lassen."

    In Deutschland ist Pornografie für Unter-18-Jährige nicht erlaubt. Die LfM NRW will als bundesweiter Vorreiter diese Regel nun schärfer kontrollieren. Wer in Zukunft im Netz auf pornografischen Plattformen unterwegs ist, soll zunächst nachweisen, dass er volljährig ist und zwar mit seinem Ausweis.

    Medienaufsicht droht mit Sperrung der Seiten

    Sollten Betreiber von Porno-Portalen in ihrem deutschsprachigen Angebot bis zum Juni oder Juli keine wirksame Altersbeschränkung bzw. -kontrolle eingeführt haben, droht die Medienaufsicht mit einer Sperrung der jeweiligen Seiten.

    Ein Bescheid an den vermutlichen Marktführer mit Sitz in Zypern ist bereits verschickt. Lange hätten die Pornoanbieter "gemacht, was sie wollen". Wenn sie einen Sitz im Ausland haben - und den haben die meisten - war ihnen schwer beizukommen.

    "Wir exerzieren das bis zum Ende. Entweder wir können den Jugendschutz durchsetzen, oder wir müssen den Gesetzgeber fragen, ob der den Zustand wirklich so belassen will." Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW.

    Kritik aus der Branche

    Allerdings würden die geplanten Sperren wohl nur für den Zugriff aus Deutschland funktionieren - ein Umgehen via VPN oder aus einem anderen europäischen Land wäre nach wie vor möglich.

    "Netzsperren sind ein dramatischer Eingriff", sagt der Berliner Rechtsanwalt Marko Dörre, der für Unternehmen der Branche als Jugendschutzbeauftragter fungiert. "Davon hätten die Medienaufseher schon 2008 Gebrauch machen können. Damals haben ihnen Gutachten bescheinigt, dass das rechtlich möglich ist", so Dörre.

    Dass man nun für einfache Pornografie zu diesem Mittel greife, kann sich Dörre nicht vorstellen. "Ich weiß auch nicht, ob das mit der Kommission für den Jugendmedienschutz (KJM) abgesprochen ist."

    Datenschutzrechtliche Bedenken

    In Großbritannien sind ähnliche Pläne für eine Altersverifizierung auf Porno-Seiten im vergangenen Jahr gescheitert - unter anderem, weil es Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes gab.

    Schmid sei dennoch zuversichtlich, was die Akzeptanz in der Bevölkerung angeht, schreibt das Portal netzpolitik.org. Die Bereitschaft, persönlich Daten für den Porno-Konsum zu teilen, scheine bei vielen Menschen zu bestehen, heißt es in dem Artikel. "Viele Portale finanzieren sich über ihren bezahlten Content und dafür müssen Nutzer ihre Kreditkarten hinterlegen."

    Um die Volljährigkeit zu überprüfen, sieht die Kommission für den Jugendmedienschutz (KJM) eine "persönliche Identifizierung von natürlichen Personen" vor. Anerkannt ist beispielsweise das sogenannte Post-Ident-Verfahren, bei dem man seinen Ausweis in einer Postfiliale vorlegt oder im Online-Chat verifizieren lässt.

    Kulturwissenschaftlerin fordert Aufklärung statt Sperren

    Kritik kommt aber auch von anderer Seite. Die Kulturwissenschaftlerin Madita Oeming, die seit einigen zum Thema Pornografie forscht, sagte gegenüber netzpolitik.org, dass eine verpflichtende Altersverifikation das falsche Signale senden würde. Nämlich, dass Sex gefährlich sei und Zensur junge Menschen davor schütze.

    Auf Twitter warf die Forscherin Tobias Schmid vor, "Pornos zum einfachen Sündenbock" machen zu wollen. Statt Altersverifikation und Sperren schlägt Oeming vor, Minderjährige mehr und besser aufzuklären.

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