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Ein Mann bedient mit dem Smartphone einen Sprachassistenten.
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Gregor Schmalzried
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Ein Mann bedient mit dem Smartphone einen Sprachassistenten.

"Vielleicht heißt es bald nicht mehr 'Home, sweet home', sondern 'Home, smart home'", sagt Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, in seinem Grußwort. Er leitet die Fachkonferenz media meets Smart Home ein, hier werden einen Tag lang alle möglichen Aspekte rund um das Thema Smart Home vorgestellt. Denn – davon sind die meisten hier überzeugt – moderne Technologie muss sich nicht mehr nur auf unsere Smartphones und Computer beschränken. Der Wandel hat sogar schon begonnen.

Was ist eigentlich ein Smart Home?

Als Smart Home bezeichnet man ein Zuhause, in dem smarte Geräte stehen. Heißt: Digital aufgemotzte Gegenstände, die theoretisch auch ohne Internet und Bluetooth funktionieren könnten. Das im Moment wohl bekannteste Beispiel: Der Smart-Lautsprecher. Dazu gehören etwa Amazons Alexa, der Sonos One und Google Home. Die virtuellen Assistenten können aber auch weit mehr. Nämlich alle anderen smarten Gegenstände im Haus miteinander koordinieren.

Smarte Geräte miteinander vernetzt

Was das alles sein kann, demonstriert Marco Maas. Der Geschäftsführer von "datenfreunde" hat sich in den letzten fünf Jahren so ziemlich jedes Smart-Gerät besorgt, das er in die Finger bekam, und ist jetzt Herr über ein komplett durchtechnologisiertes Reich – so scheint es zumindest. Wenn jemand die Wohnung betritt, erkennt das smarte Türschloss direkt, ob es sich dabei um ihn oder um seine Freundin handelt. Automatisch passen sich die Lampen an den Neuankömmling an. Marco Maas bevorzugt weicheres Licht, seine Freundin härteres. "Es gibt auch ein Kompromiss-Licht, wenn wir beide da sind", erklärt er.

Smarte Heizung passt sich automatisch an

Drinnen ist fast alles mit irgendeiner smarten Komponente versehen: Die Heizung passt sich automatisch an, das Radio richtet sich nach dem gestellten Wecker und eine smarte Matratzenunterlage erkennt sogar, wenn jemand nachts das Bett verlässt. Dann gehen automatisch die Lichter an, aber nicht die grelle Deckenbeleuchtung, sondern spezielle Lichter am Boden, die sicher den Weg zum Bad weisen.

Das Internet der Dinge

Marco Maas' Wohnung zeigt, dass wir heute schon auf Technologien Zugriff haben, die eigentlich noch nach Science-Fiction klingen. Die meisten Menschen bekommen davon wenig mit, doch der Trend ist klar. Yasmin Richwien von "Mücke, Sturm & Company" zeigt, dass heute mehr als die Hälfte der Deutschen mindestens ein Smart-Gerät zuhause hat – meist ein Fernseher oder eine Spielkonsole. Aber noch sind nur 15 Prozent "Heavy User", diese haben sechs Geräte oder mehr.

Trend "Shy Tech": Smart Speaker in Möbeln versteckt

Der nächste Schritt: Nicht etwa noch bessere Smart Speaker oder noch protzigere Technik im Wohnzimmer. Im Gegenteil, die Technik zieht sich zurück und verschwindet immer öfter in ganz normal aussehenden Möbelstücken: Ein Smart Speaker muss etwa nicht mehr normal im Raum stehen, er kann sich auch in einer Lampe oder in einem Regal verstecken, sogar IKEA arbeitet an so etwas. Die Zukunftsforscherin Christiane Varga bezeichnet das als "Shy Tech" – schüchterne Technik. Würde man diesem Trend bis zum Ende folgen, könnte man ein ganz normal analog aussehendes Wohnzimmer betreten und trotzdem davon ausgehen, dass irgendwas dort drin schon antworten wird, wenn man zum Beispiel nach dem Wetter fragt.

Sicherheitsstatus: Unklar

Yasmin Riechwiet hält vor allem eine einfache Bedienung und Datensicherheit für wichtig, damit sich Smart Home-Technologie in mehr Haushalten durchsetzt. Aber gerade um letzteres ist es im Moment nicht besonders gut bestellt. Letztendlich laufen die gesammelten Daten bei den üblichen Internet-Riesen zusammen: Google, Amazon, Facebook und so weiter. Und für die Hersteller der Geräte hat Datenschutz in der Regel keine Priorität. Marco Maas erklärt, dass seine intelligente Matratzenunterlage etwa einen "Privacy Button" hat. Was der macht? Er schaltet für 30 Minuten die Datensammlung aus. Mehr ist nicht drin.

Außerdem zeigt Marco Maas, wie leicht sich die ganzen Sensoren und Smartgeräte zur Überwachung der eigenen Wohnung nutzen lassen können. Durch einen CO2-Sensor war er etwa in der Lage, von unterwegs festzustellen, dass sich gerade zwei Personen im Wohnzimmer aufhielten – wie er später herausfand, gab seine Freundin gerade Klavierunterricht. Und wem gehören eigentlich die Daten, die etwa von seinen Besuchern aufgezeichnet werden? Muss man vor jedem Kaffeetrinken eine Datenschutz-Erklärung unterschreiben? So ganz scheint unsere digitale Welt noch nicht auf die Welt der Smart Homes vorbereitet.

Internet der Dinge: Home, smart home

Internet der Dinge: Home, smart home