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Instagram kämpft gegen Fake News: Probleme im Selfie-Paradies? | BR24

© BR/Julia Müller

Auch Instagram will nun stärker gegen Falschinformationen auf seiner Plattform vorgehen.

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    Instagram kämpft gegen Fake News: Probleme im Selfie-Paradies?

    Instagram gilt vielen als Plattform für leichte Themen: Mode und Urlaub statt Politik und Zeitgeschehen. Nun kündigte der Fotodienst jedoch an, gegen Falschinformation vorzugehen. Bekommt Instagram die Fake-News-Probleme von Mutter Facebook?

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    Müsste man einem Zeitreisenden aus Vor-Internetzeiten Instagram erklären, könnte man den Dienst als neue Form der Frauen- und Männerzeitschriften beschreiben. Hochglanz-Fotos von Mode, Essen, Dekoartikeln und halbnackten Männern und Frauen reihen sich aneinander. News und Politik suchen viele dort eher nicht.

    Dennoch scheint auch der Fotodienst ein Problem mit Fake News zu haben. Wie die Firma, die zum Facebook-Konzern gehört, mitteilte, werde man künftig stärker gegen Falschinformation auf Instagram vorgehen. Nach Tests habe man sich entschieden, bei Instagram weltweit Faktenchecks einzuführen. Überschrift der Aktion: "Combatting Misinformation on Instagram" (Falschinformation auf Instagram bekämpfen).

    Unabhängige Faktenchecker werden Inhalte von Instagram-Posts, die von Usern gemeldet wurden, nachrecherchieren und sie gegebenenfalls in der App klar sichtbar als "Falsch" markieren. Zudem sollen die so falsifizierten Inhalte innerhalb von Instagram schwerer auffindbar sein.

    Mutter Facebook und die Fakes

    Bei der Mutterfirma Facebook gibt es dieses Vorgehen bereits seit einigen Jahren. In Deutschland checken Correctiv und die Deutsche Presse-Agentur Inhalte für den Konzern. Fake News und ihre Verbreitung sind bei Facebook seit Jahren Thema. Eine Analyse von Buzzfeed hatte 2017 zum Beispiel gezeigt, dass sieben der zehn bei Facebook erfolgreichsten Artikel über Angela Merkel manipulierte oder gefälschte Meldungen waren.

    Der Großteil davon frei erfundene Zitate oder Ereignisse, auf unseriösen Websites publiziert, oftmals zum Thema Migration und Flüchtlinge. Ein Beispiel: die stark manipulierte Meldung, Merkel habe gesagt, dass man Ausländergewalt akzeptieren müsse. Alle gefakten News der Top-10-Liste weisen zehntausende Interaktionen (Likes, Shares und Kommentare) sowie das Potential auf, Menschen – in diesem Fall in ihrer Meinung zu Merkel oder der Regierung – zu manipulieren.

    2019 wurden zum Beispiel die bayerischen CSU-Politiker Manfred Weber und Ilse Aigner Opfer von manipulierten Fotos und gefälschten Zitaten, die sich im Netz verbreiteten.

    Hat auch Instagram Probleme?

    Und bei Instagram? Insgesamt nutzen laut dem "Reuters Institute Digital News Report" nur sechs Prozent der deutschen Internet-User Instagram als Nachrichtenquelle, bei Facebook sind es 22 Prozent. Die Studie zeigt jedoch auch, dass jüngere Nutzer die App deutlich stärker für News heranziehen: Knapp ein Viertel der 18- bis 24-jährigen Befragten gaben an, Nachrichten auch von Instagram zu erhalten.

    Das beobachtet auch Thomas Prager vom österreichischen Bildungsinstitut "Digitaler Kompass". Er und seine Kollegen sind mit Workshops an Schulen unterwegs und vermitteln dort Kompetenzen für die Beurteilung von Informationen und Nachrichten im Netz.

    Seit Längerem beobachtet Prager, dass neben Facebook zunehmend WhatsApp und Instagram zur Quelle von Desinformation werden. Dabei dürften Memes, also auf Teilbarkeit angelegte, oft lustige Bilder mit wenig Text, aus seiner Sicht eine große Rolle spielen. Es sei im Moment allerdings noch schwer, einen Überblick über die Verbreitung von Falschinformation bei Instagram zu bekommen.

    Fact-Checking-Team von Correctiv: Ausmaß noch schwer abzuschätzen

    Das bestätigt auch Tania Röttger. Sie leitet das Fact-Checking-Team bei Correctiv, das künftig neben Facebook auch Instagram in Deutschland überprüfen wird. Wie viel neue Arbeit da auf die Abteilung zukommt, sei schwer abzuschätzen.

    Denn Desinformationen aufzuspüren ist laut Röttger beim foto- und videolastigen Instagram bisher deutlich schwieriger als bei Facebook. Zunächst müssten neue Monitoring-Strukturen aufgesetzt werden. Daher könne man zunächst nur prüfen, was Nutzer als zweifelhaft melden.

    Falscher Kontext, falsches Foto

    Beispiele für Falschinformationen bei Instagram gebe es jedoch auch jetzt schon. Das Correctiv-Team hatte es kürzlich etwa mit einem Instagram-Bild zu tun, das angeblich die Zustände in einem Internierungslager für Uiguren in China zeigen sollte. 300.000 Likes hatte das Foto. Und doch war es eine Falschmeldung, wie das Team herausfand. Es zeigte keine Lager für Uiguren.

    Ähnliches passierte bei den Großbränden im Amazon-Regenwald. Bilder von Waldbränden aus anderen Teilen der Welt wurden in diesem falschen Kontext instrumentalisiert. Neben manipulierten Fotos sind auch falsche Grafiken und Statistiken als visuelle Desinformationsstrategien bei Instagram denkbar. Gleiches gilt zum Beispiel für die Verbreitung falscher Zitate mit einem Foto des angeblichen Zitatgebers.

    All das kennt das Correctiv-Team bereits von Facebook. Dort kommt jedoch nur ein Teil der Falschinformationen in Form von Bildern und Videos daher. "Bei Instagram werden visuelle Falschinformationen wie Fotomanipulationen oder Bilder in falschen Kontexten vermutlich die Hauptrolle spielen", so Correctiv-Teamleiterin Röttger.