BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Infineon-Chef: Warum Autokonzernen momentan Mikrochips fehlen | BR24

© picture alliance

Chip-Produktion.

2
Per Mail sharen

    Infineon-Chef: Warum Autokonzernen momentan Mikrochips fehlen

    Das hatte Anfang des Jahres für Aufsehen gesorgt: mehrere Autohersteller mussten Fabriken zumachen. Der Grund waren keine Streiks oder Corona-Ausbrüche, sondern ein Mangel an Chips. Infineon-Chef Ploss glaubt, dass dieses Problem vorerst bleibt.

    2
    Per Mail sharen
    Von
    • Stephan Lina

    Halbleiter sind inzwischen entscheidende Bauteile in Autos, sie steuern den Motor, aber auch diverse Fahrassistenz-Systeme. Manche Experten sprechen schon vom Computer auf Rädern. Egal ob Kleinwagen oder Luxus-SUVs – moderne Fahrzeuge sind gespickt mit dutzenden, wenn nicht hunderten dieser elektronischen Bauteile. Das Problem: in der Corona-Pandemie hatten mehrere Hersteller ihre Chip-Bestellungen gekürzt, und das rächt sich nun.

    Ein Pfund Mikrochips pro Auto

    Der bayerische Hersteller Infineon ist einer der größten Lieferanten von intelligenten Chips für die Automobilbranche. Unternehmens-Chef Reinhard Ploss ist fest davon überzeugt, dass der Chip-Hunger der Autoindustrie kontinuierlich steigen wird. Mit jeder neuen Modellgeneration hätten Autos mehr Elektronik und damit auch mehr Halbleiter an Bord, die Sensoren und den Energie-Verbrauch steuern, erklärt Ploss. Das gelte sowohl für Verbrenner als auch in besonderem Maße für E-Autos. Im Auto wachse der Chipanteil von Jahr zu Jahr zwischen 4 und 6 Prozent und wenn noch die Elektromobilität oben drauf käme, dann seien es noch einige Prozentpunkten mehr.

    "Um einen Elektromotor effizient zu drehen, braucht man – kann man schon fast sagen – ein halbes Kilo Halbleiter." Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender Infineon

    Dass Infineon als Zulieferer für die Autoindustrie mit ganz vorne im weltweiten Markt spielt, liegt auch an der Übernahme des US-Konzerns Cypress im vergangenen Jahr. Der milliardenschwere Zukauf sei eine relativ sichere Wette auf die Zukunft gewesen. Denn Ploss sieht keinen Grund, warum der Elektronik-Boom in der Autoindustrie zum Erliegen kommen sollte. Besonders wenn man höre, dass eigentlich alle Automobilhersteller bis 2030 oder 2040 den letzten Wagen mit Verbrenner bauen wollen.

    Haben Autobosse falsch entschieden?

    Umso überraschender war es für viele Industrie-Insider, als deutsche Autokonzerne im vergangenen Frühjahr Bestellungen für Elektronik-Bauteile stornierten oder zumindest massiv eindampften. In der ersten Corona-Welle gerieten die Unternehmen offenbar in einen Panik-Modus. Fabriken wurden stillgelegt, die Verkäufe brachen kurzfristig ein, es wurde gespart, wo es ging. Auch bei den Bestellungen von Halbleitern. Wenige Monate später rächte sich diese Strategie. Denn plötzlich war der Markt wie leergefegt. In die Lücke, die Kunden aus der Auto-Industrie hinterlassen hatten, waren zum Beispiel Handy-Hersteller gesprungen und hatten den Markt nahezu leer gekauft.

    Flaschenhals in der Chipproduktion

    Bei der Herstellung von Mikrochips gibt es ein Nadelöhr namens Foundry. Einige wenige Spezial-Firmen – zumeist in Taiwan - haben weltweit für nahezu alle Chipkonzerne jene Arbeitsschritte übernommen, bei denen besonders feine Strukturen im Bereich weniger Nanometer auf den kleinen Plättchen hergestellt werden. Und in diesen Spezial-Fabriken gibt es nun ein großes Gedränge. Reinhard Ploss sagt: "So einen Chip zu fertigen, das dauert - man hat viele Schritte hintereinander – bis zu einem halben Jahr. Man kann also diese Fertigungen nicht so im Stop and Go-Betrieb fahren." Und so gibt es jetzt einen Rückstau, den vor allem die Autobauer zu spüren bekommen. Sie hätten Marktgesetze und technische Fakten teilweise ignoriert oder zumindest unterschätzt, glaubt Ploss.

    Infineon baut Kapazitäten aus und hofft auf EU

    Infineon selbst habe im vergangenen Jahr Lagerbestände aufgebaut und könne deswegen einigermaßen gut liefern. Man sei aber am Anschlag und froh, bald mehr Produktions-Kapazitäten zu haben. Das neue Infineon-Werk in Österreich soll nun eher eingeschalten werden, als ursprünglich gedacht. "Und ich bin überzeugt, dass wir hier noch einmal eine ganze Schippe drauflegen müssen in den Kapazitäten."

    Der Infineon-Chef und auch andere Elektronik-Experten hoffen, dass die Europäische Union ernst macht mit ihrer Ankündigung, einen Ausbau der hiesigen Chip-Industrie mit milliardenschweren Hilfen zu unterstützen. Das könnte zumindest mittelfristig etwas Druck aus dem Halbleiter-Geschäft nehmen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!