BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

In der "Geisterküche": Geschäftsmodell virtuelle Restaurants | BR24

© Sylvia Bentele/BR

Die Küche alleine reicht: Restaurants ohne Speiseraum könnte es in Zukunft häufiger geben.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

In der "Geisterküche": Geschäftsmodell virtuelle Restaurants

Immer mehr Küchen entstehen, die ganz ohne Kellner und Restaurant auskommen. Sogar Uber-Gründer Travis Kalanick ist in das Geschäft eingestiegen. In solchen "Geisterküchen" wird Essen zubereitet, das nur per App bestellt werden kann.

Per Mail sharen

Südlich von San Francisco unterhält der größte US-Lieferdienst für Essen - "Doordash" - eine Großküche. Das Besondere: Für Restaurantgäste ist hier kein Platz. Es gibt auch keine Kellner. Es hat nur einen Vorraum. Hier sitzen die Fahrer und warten bis ihre Lieferung aufgerufen wird. Die sogenannten Geisterküchen kochen nur noch für Lieferdienste.

Gut 4.000 dieser Küchen gibt es mittlerweile in den USA. Angetrieben vor allem von den Lieferplattformen, die im Silicon Valley erfunden wurden. Floyd Hannon leitet eine Doordash-Küche nahe San Francisco. Dem Radiosender KQED sagt er:

"Man muss kein eigenes Restaurant einrichten. Die Betreiber müssen nur noch die Küche beziehen und sie sind dann quasi über Nacht auf der Doordash-Plattform." Floyd Hannon, Doordash

"Ähnliche Einnahmen zu einem Bruchteil der Kosten"

Doordash berät künftige Mieter: Durch ihre App weiß die Plattform, in welcher Region es zu wenig Lieferdienste gibt und sie kann beruteilen, welche Speisen besonders nachgefragt werden. Minh Park ist einer der Untermieter bei Doordash. Er will die virtuelle Küche ausprobieren. Park sagt, sein typischer Kunde sitze zu Hause und schaue Netflix.

Minh Park unterhält eine kleine Restaurantkette im Silicon Valley. Hier kann er sich den Betrieb eigener Restaurants noch leisten. In San Francisco, einer der teuersten Städte der Welt, nur wenige Kilometer nördlich schon nicht mehr.

"Ein mittelgroßes Restaurant kostet in San Francisco zwischen einer dreiviertel und einer Million Dollar. Mit der Geisterküche kommen wir auf ähnliche Einnahmen zu einem Bruchteil der Kosten." - Minh Park, Restaurantbetreiber

Mit der Geisterküche minimiert Park sein Geschäftsrisiko. Er kann sogar neue virtuelle Restaurants etablieren. Im Schnitt müssen die Geisterküchen rund 30 Prozent an die Lieferplattform abgeben. Andy Wiederhorn ist Chef der Fast Food Kette Fatburger. Er ermuntert seine Franchise-Nehmer, via App noch weitere Marken anzubieten. Gegenüber CNBC sagt er, dass der Franchise-Nehmer mit einem virtuellen Restaurant ein weiteres Geschäft unter einer anderen Marke aufmachen und damit im Schnitt zwischen 2.000 und 3.000 Dollar mehr pro Woche verdienen könne.

Großes Potenzial

Der am schnellsten wachsende Geschäftszweig des Fahrdienstleisters Uber ist nicht etwa der Transport von Menschen. Auf die größten Wachstumsraten kommt Uber Eats, hier liefern Uber Fahrer Essen aus. Laut Uber sorgt ein virtuelles Restaurant für 35 Prozent mehr Einnahmen als ein klassisches Restaurant.

Und die Lieferdienste boomen: 24 Milliarden Euro, so viel haben die US-Amerikaner im Jahr 2018 für Essensbestellungen via der Apps oder Online-Angebote von Doordash, Uber Eats, Grubhub oder Postmates ausgeben. Und dennoch ein vergleichsweise kleiner Markt: Die Amerikaner geben pro Jahr 718 Milliarden Euro für Restaurantbesuche aus.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!