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Homeoffice-Boom: Sind Büro-Produkte seit Corona teurer? | BR24

© dpa/Sebastian Gollnow

Die vermutlich gestiegene Nachfrage nach Office-Produkten für zuhause hat nicht zu deutlich höheren Preisen geführt.

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    Homeoffice-Boom: Sind Büro-Produkte seit Corona teurer?

    Spätestens mit den Schulschließungen im März wanderten zahlreiche deutsche Arbeitnehmer ins Homeoffice. Die Nachfrage nach Tastaturen, Headsets und Bürostühlen dürfte seither gestiegen sein – die Preise auch? Eine Auswertung.

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    Mancher verflucht es, mancher liebt es, doch das Homeoffice ist durch die Corona-Pandemie zweifelsohne in der deutschen Arbeitswelt angekommen. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Covid-19-Verbreitung in Deutschland fanden sich ab Frühjahr auf einen Schlag viele Arbeitnehmer zum arbeiten in den eigenen vier Wänden wieder.

    Während die Firma meist noch den Laptop stellte, bemerkte so mancher Angestellte wohl schnell, dass seine Wohnung nicht für dauerhaftes Arbeiten geschaffen ist. Der gewohnte zweite oder dritte Bildschirm, die Funkmaus, die externe Tastatur, der Drucker, der ergonomische Stuhl – im Büro selbstverständlich, zuhause nicht.

    Teures Homeoffice durch Corona?

    Nach der Grundregel der Marktwirtschaft müsste diese gestiegene Nachfrage - unter der Maßgabe, dass gerade während Corona die Verfügbarkeit solcher Produkte nicht gerade steigen konnte – zu höheren Preisen für die Verbraucher geführt haben.

    BR24 hat sich deswegen die Preisentwicklung verschiedener Büro-Artikel angesehen. Für unsere Bewertung haben wir zunächst Daten des Statistischen Bundesamtes herangezogen, diese aber auch mit von der Preisvergleichs-Plattform Idealo bereitgestellten Daten verglichen. Hier ein Überblick über unsere Erkenntnisse.

    Nur kleine Preisschwankungen – mit Sonderfall

    Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen ein gemischtes Bild. Ein klares Ja oder Nein, auf die Frage, ob Büro-Produkte oder -Technik teurer geworden sind, lässt sich aus ihnen nicht ablesen. Dennoch zeigt sich: Wirklich extreme Preisveränderungen lassen sich nicht erkennen.

    Büromöbel und sonstige untechnische Büroausstattung, Druckerzubehör und Kopfhörer sind eher ein wenig teurer geworden, Laptops, Drucker, externe Festplatten, PCs, Telefone und Monitore tendenziell eher günstiger. All diese Preisentwicklungen - wir haben jeweils die aktuellen Monatszahlen mit den Vorjahresmonaten vergleichen - befinden sich jedoch im Rahmen normaler Schwankungen.

    Ein kleiner Sonderfall ist Computer-Zubehör wie Mäuse und Tastaturen: Diese Geräte wurden im Corona-Hochmonat April 2020 kurzzeitig teurer als sie 2019 waren. Mittlerweile hat sich aber auch hier das Preisniveau normalisiert.

    Echte Ausreißer in beide Richtungen gibt es laut Statistischem Bundesamt jedoch trotzdem: Der Preis von Scannern stieg schon zu Jahresbeginn um vier Prozent, lag aber dann im April sogar sieben, im Mai 15 und im Juni elf Prozent über dem Vorjahrespreis. CD- und BluRay-Rohlinge sanken dagegen im Preis, waren im April etwa um sechs Prozent günstiger als im Vorjahr.

    Eine Auswertung der Idealo-Daten zeigt ebenfalls einen Preisanstieg bei Scannern, der jedoch erst zum Juni hin zu Buche schlug. Während der Corona-Krise laut Idealo-Daten klar teurer geworden, sind Tastaturen, Webcams, Router und auch Schreibtische - Headsets und Laserdrucker sind im Idealo-Vergleich dagegen seit März günstiger geworden.

    Die Schwankungen hier sind extremer, etwa 35 Prozent Preisanstieg bei Webcams zwischen Juni 2020 und 2019. Allerdings sind die Idealo-Zahlen mit mehr Vorsicht zu genießen, als die Daten des Statistischen Bundesamtes. Idealo ist eben nur einer von mehreren Anbietern für Preisvergleiche, der zudem nicht sämtliche Läden und Anbieter im Blick haben kann.

    Extremer Preisanstieg? Es gleicht sich alles aus

    Alles in allem lässt sich ein wirklich extremer Preisanstieg für Büro-Produkte durch die Homeoffice-Offensive kaum beobachten. Einzelne Produkte, wie etwa Scanner, schlugen stärker nach oben aus, andere sanken dagegen im Preis. Auch in Sachen Büromöbel mag man einen leichten Preisanstieg bei Schreibtischen erkennen, Schreibtischstühle sanken dagegen tendenziell im Preis. Letztlich dürften sich solche Schwankungen folglich für den Einzelnen recht gut ausgleichen.

    Dass die Schwankungen sich in Grenzen halten, bestätigt auch die gänzlich unstatistische Einschätzung von Andreas Nolde, der für das Technik-Portal CHIP Prospekte und Sonder-Angebote im Bereich Technik unter die Lupe nimmt. Ihm seien keine Preissteigerungen bei klassischer Bürotechnik aufgefallen, sagt er auf BR24-Anfrage. Gefühlt gebe es etwas weniger Angebote für Monitore und Drucker als sonst, aber wenn es sie gebe, seien die Preise "wie immer".

    Über die Daten

    Die Daten zum Verbraucherpreisindex und den für diese Analyse verwendeten Einzelindizes werden vom Statistischen Bundesamt zur Verfügung gestellt. Sie beruhen auf den vom Statistischen Bundesamt monatlich erhobenen Verbraucherpreisen eines aktuellen Warenkorbes mit etwa 300.000 Einzelprodukten. Diese werden zu 645 Güterarten wie Monitoren, Scannern oder Drahtlosen Telekommunikationsdienstleistungen zusammengefasst

    Der Verbraucherpreisindex und die Indizes der einzelnen Güterarten geben keine absoluten Preise an, sondern das Verhältnis der Preise in der jeweiligen Güterart zu einem früheren Vergleichszeitraum – derzeit das Jahr 2015. Diesem wir der Wert 100 zugewiesen. Hat eine Güterart den Index 107, sind die Preise in dieser Güterart seit 2015 also um sieben Prozent gestiegen.

    Die Daten zur Preisentwicklung auf dem Preisvergleichsportal idealo.de wurden uns von idealo.de zur Verfügung gestellt. Sie basieren auf den durchschnittlichen Angebotspreisen pro Monat für alle Produkte in der jeweiligen Kategorie.

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