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Die Corona-Warn-App soll mithelfen, Infektionsketten zu unterbrechen

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    Hemmt der Datenschutz die Pandemie-Bekämpfung?

    Infektionsschutz oder Datenschutz? Diese Frage wird immer häufiger gestellt, vor allem in Bezug auf die Corona-Warn-App. Der vorbildliche Datenschutz des Programms soll schuld sein an den steigenden Corona-Zahlen. Was ist dran an den Vorwürfen?

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    Von
    • Christian Schiffer

    "Die App ist bisher ein zahnloser Tiger", das sagte Markus Söder Mitte Oktober den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es ist nicht klar, was der Bayerischer Ministerpräsident damit genau gemeint hat, aber der Verdacht liegt nahe, dass die fehlenden Zähne nach Auffassung des CSU-Politikers etwas mit dem zu hohen Datenschutz der App zu tun haben.

    Zumindest wird diese Kritik immer lauter. Vom SZ-Feuilletonisten Andrian Kreye über den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer bis hin zu Schröder-Kim So-yeon, der Ehefrau des SPD-Altkanzlers, überall scheint man sich einig zu sein: Der Datenschutz hemmt die Pandemiebekämpfung. Auch der Münchner Philosoph Julian Nida-Rümelin scheint eine Konflikt zwischen hohen Datenschutzstandards und effektiver Pandemiebekämpfung zu sehen. Der ehemalige Kulturstaatminister wünscht sich eine neue App, eine die nicht auf Tracing setzt, sondern auf Tracking.

    Corona-Warn-App: Tracing oder Tracking?

    Tracing heißt, dass sich die App nur merkt, welche anderen Handys in der Nähe sind. Wo sich diese Handys genau befinden, spielt für die Erhebung der Daten keine Rolle. Es werden also nur jene Daten gesammelt, die für die Pandemiebekämpfung von Bedeutung sind "Nicht Orte übertragen Viren – sondern Menschen", sagte dazu der Datenschutzbeauftragte Ulrich Kelber dazu kürzlich im ZDF.

    Julian Nida-Rümelin und andere wünschen sich hingegen eine Tracking-App. Eine Tracking-App weiß, wann sich wo das Handy befunden hat. Das Vorbild ist hier Südkorea. Das asiatische Land ist überaus erfolgreich in der Pandemiebekämpfung und setzt eine App ein, die per GPS und anderen Daten Bewegungsprofile der Nutzer erstellt und an die Behörden übermittelt. Die Gesundheitsbehörden können daraus schließen, wer sich wann wo befunden und mit wem getroffen hat.

    Markus Beckedahl: Südkorea-Tracking ist ein "Talkshow-Mythos"

    Als "Talkshow-Mythos" bezeichnet hingegen der Netzaktivist Markus Beckedahl diese Sichtweise. Die App in Südkorea werde vor allem dazu eingesetzt, um die Quarantänebestimmungen einzuhalten, weniger dazu, um Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen.

    Generell scheint die aktuelle Debatte an einigen Unklarheiten und Missverständnissen zu leiden. Es gibt hinsichtlich einer Tracking-App zahlreiche offene Fragen, darunter die, wie viele Bürger sich dazu entscheiden werden, eine behördliche App zu installieren, die sie auf Schritt und Tritt verfolgt. In Frankreich beispielsweise musste eine wenig datenschutzfreundliche App eingestellt werden, weil die Download-Zahlen so gering waren. Sollte die Politik einen App-Zwang in Erwägung ziehen, bräuchte es hierzu eine gesetzliche Grundlage, zudem wäre eine solche Maßnahme schwer zu kontrollieren.

    Freiwillige Datenspende als Mittelweg?

    Nicht zuletzt haben Fachleute auch Zweifel, was den Anlass der Diskussion angeht. Die Corona-Warn-App scheint zu funktionieren, das System leidet allerdings an einer schlechten Laboranbindung und daran, dass nur ein Teil der Personen, die positiv auf Corona getestet werden, das Ergebnis teilen, um andere zu warnen. Auch die Nutzerzahlen wären ausbaufähig. Hier zeigen Studien, dass viele sich dagegen entscheiden, das Programm zu installieren, weil sie nicht vom Nutzen der App überzeugt sind. Man darf bezweifeln, dass die jetzige Debatte daran etwas ändert.

    Vielleicht gibt es aber eine Art Kompromisslösung. Manche Experten fordern beispielsweise, dass man Nutzern der Corona-Warn-App die Möglichkeit geben sollte, auf freiwilliger Basis mehr Daten zu spenden, um beispielsweise Mitmenschen präziser zu warnen.

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