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Hatespeech? "In fünf Jahren ist das Internet viel freundlicher" | BR24

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Diskussion über Hatespeech auf "Dive"

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    Hatespeech? "In fünf Jahren ist das Internet viel freundlicher"

    "Wie kriegen wir das Internet freundlicher?" Die Frage wurde in diesem Rahmen vielleicht noch nicht gestellt: BR24 diskutierte auf der Audio-Plattform "Dive". Ein Tiefgang.

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    Von
    • Gudrun Riedl

    Ja, wir kriegen das Internet schon bald freundlicher - das gleich vorweg. BR24-Netzexperte Christian Schiffer machte dazu auf Dive eine einfache Rechung auf: Es sind einfach viel zu viele Menschen und Institutionen damit befasst, Hatespeech den Garaus zu machen. Und vieles sei ja schon geschafft. Zum einen das reformierte deutsche Netzwerksdurchsetzungesetz und das Gesetz gegen Hassrede im Internet. Zum anderen gebe es diese ambitionierte europäische Initiative: Das Digitale-Dienste-Gesetz soll in wenigen Jahren das Internet regulieren und Google und Co. bändigen.

    "Ich bin ein Sozialarbeiter des Darknet"

    Bis dahin freilich fühlen sich Menschen wie Marc alleingelassen. Marc klagt auf Dive: "Jetzt ist Corona, jetzt brennt bei mir die Hütte". Die Hütte - das ist das Darknet oder auch Image-Boards wie 4chan und 8chan. Dive-Nutzer Marc, der auch im echten Leben ein Sozialarbeiter ist, vermisst eine ordnende Kraft in den dunklen Ecken des Internets: "Es wäre gut, wenn Polizisten da wären, die diese Sprache sprechen".

    Konsequenzen? Spüren die Falschen!

    Schutz bieten ist dabei eines der wenigen Dinge, die jeder auch gleich selbst anpacken kann. Anne Hemmes arbeitet als Social Media Redakteurin bei BR24 und sieht eine fatale Schieflage: Hasskommentare haben für die, die sie äußern, meist keine Konsequenzen. Wer diese Aggressionen aber abbekomme, der spüre die Konsequenzen sofort und schmerzhaft: Man fühle sich schlecht, gedemütigt, ohnmächtig und verletzt.

    Hemmes steuert dabei eines der Zukunftsprojekte bei BR24 gegen Hassreden im Internet, eine gemeinsamen Initiative von Medien und Justiz in Bayern. Dutzende Kommentare habe man bereits an die Staatsanwaltschaft weiter geleitet, meist jedoch - so Hemmes - schrammen die Gemeinheiten und Drohungen knapp an den Grenzen des Justitiablen vorbei. Ihr Aufruf deshalb: Denen zur Seite springen, die im Netz unfair angegangen werden. Oder auch: Besonders hasserfüllte Kommentare den Plattformbetreibern melden.

    Medienkompetenz? Lernen nur die Jungen.

    Wie und wem melde ich einen Hasskommentar im Netz? Wie helfe ich jemandem, der gerade übel beleidigt wird? Marc, der bei der BR24 Dive-Diskussion mit auf die Bühne kam, erzählt, dass er seit Jahren Jugendlichen Medienkompetenz vermittelt. Oft seien es aber eben nicht die Jungen, die besonders aggressiv texten. Oft - das beobachtet auch Netzexperte Schiffer - sind es Ältere jenseits der Schulpflicht, die an den digitalen Stammtischen derb über andere herziehen und dabei keinerlei Drang spüren, freiwillig nachzusitzen in Sachen Medienkompetenz. Oft gebe es nicht mal ein Unrechtsbewusstsein.

    Dampf ablassen: Zwei Schnelltests

    Was aber führt zu dieser grausamen Enthemmung in den Kommentarspalten? Und: Wie kann ich mich im Ernstfall selbst bremsen? Hier helfen zwei einfache Schnelltests. Anne Hemmes rät beispielsweise: Wenn ich gerade diese ungeheure Wut und Empörung in mir aufsteigen spüre und schon am tippen bin - einfach mal innehalten und überlegen: "Würde ich das jemandem genau so auch ins Gesicht sagen?" Doch hier denken jetzt vielleicht viele: Bei mir käme es gar nicht so weit.

    Wirklich? Christian Schiffer erzählt auf Dive von seinem guten Freund C., der sei ja ein sanfter Gutmensch wie er im Bilderbuch stehe. Aber: Wehe, C. sitze in einem Auto. Dann verwandle er sich in seinen schimpfenden und aggressiven Mister Hyde, dem nichts peinlich sei. "Er ist dann nicht wieder zu erkennen!" Grundproblem dabei ist nach Erfahrung des Experten das Gefühl des Abgekapselt-Seins in beiden Räumen. Im Auto wie im Internet fühle man sich unbeobachtet und ohne direktes Gegenüber. Mit dem feinen Unterschied, dass im Auto meist nur Beifahrer oder Kinder mithören - im Internet jeder.

    Dive: Die Ruhe der Tiefe

    Im Gegensatz zu Anne Hemmes, die auf Facebook, Youtube & Co schon tausendfach in aggressive Wortwechsel eingreifen musste, hat Moderatorin Eva Lell auf Dive an diesem Freitagabend einen ruhigen Job. Nur wenige Zuhörer betreten den Raum, setzen sich, hören aufmerksam und still zu. Es ist ein wenig wie abends an der Uni: Wer eine Wut im Bauch hat und Dampf ablassen muss, sucht sich offensichtlich einen anderen Ort. "Jetzt geht gleich die Tagesschau los, machen wir Schluss?", fragt Lell die Zuhörer um kurz vor acht. Danach wird es auf Dive noch ein bisschen stiller.

    BR24 testet Livestreaming-Apps

    Auf Initiative der BR-Landespolitik testet BR24 die neuen Livestreaming-Apps. Nach zwei Talkrunden auf Clubhouse sind auch die Erfahrungswerte auf Dive noch sehr exklusiv. So soll es dort auch bleiben, die Macher wollen hier eine Gesprächsplattform bieten für sehr ausgesuchte Zielgruppen wie die Tech- und Gründerszene.

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    Profil von Moderatorin Eva Lell auf "Dive"

    Kommenden Freitag zieht es die beiden Partner BR24 & Landespolitik für ein sehr traditionelles Thema erneut auf Clubhouse - zu einer Diskussion nach dem Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg.