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Symbolbild Internet
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Autoren

Vera Cornette
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Symbolbild Internet

So sah sie aus - die erste Webseite: ein paar schwarze Zeilen auf Weiß. Wenig ansprechend aus heutiger Sicht. 1989 hat sie der britische Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee erschaffen.

Fortschritte und große Visionen

Anfangs war es für seinen damaligen Arbeitgeber, dem europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Nähe von Genf gedacht. Ein Projekt, um Wissenschaftlern den weltweiten Austausch von Informationen zu erleichtern. Mit Hypertext – also Links, wie auf heutigen Internetseiten, die das Surfen zu andere Inhalten ermöglichen.

Bis zum Ende des Jahres 1990 hatte Berners-Lee die Schlüsselkomponenten des World Wide Web implementiert - HTML, HTTP und URL. Und den ersten Browser erschaffen. Ohne auf Patente zu bestehen, ermöglichte das CERN Forschern aus aller Welt am Internet mitzuarbeiten. Schnell gab es Fortschritte und damit verbundene große Visionen:.

Und die mit dem Internet verbundenen Visionen, sie waren riesig: "Eine ganz große Hoffnung in den 1990er Jahren bestand darin, dass die Demokratie weiterentwickelt würde, dass jeder mitdiskutieren kann – es war ja ein Traum immer schon, rein technisch gesehen ist er realisiert", erklärt der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger von der LMU München.

Allerdings erkannten auch autoritäre Systeme das Potenzial: Beispiel China. Frei war das Internet hier nie – und derzeit baut die chinesische Regierung ein System auf, dass die Bürger anhand von Spuren im Internet bewertet. Kritiker sehen darin einen Schritt zur totalen Überwachung.

In der Aufmerksamkeitsfalle

Auch hierzulande gibt es Probleme: Gerade über die sozialen Netzwerke verbreiten sich Hasskommentare und Fake-News. Der Silicon Valley-Insider und Internet-Pionier Jaron Lanier schlägt in seinen Büchern Alarm: "Social Media verstärkt den Einfluss der schrecklichsten Leute. Hier geht es um pure Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit erreichen vor allem die ekelhaftesten Menschen."

Doch die Nachteile des Netzes – sie können genauso gut seine Vorteile sein und werden: als gestaltbares Medium kann es auch echte Gewinne für die Gesellschaft bringen: Nicht nur erleichtert die Digitalisierung den Alltag, auch die Visionen vom freien Austausch von Informationen der Menschen untereinander – wie Berners-Lee es mal vorschwebte – müssen nicht unerreichbar bleiben: Gesellschaften und Nutzer können sich auf Standards fürs Web einigen.

Im Moment, findet Kommunikationswissenschaftler Neuberger, unterhalten wir uns nur über die Mindeststandards – es sei an der Zeit, die Visionen des Interneterfinders Berners-Lee hervorzuholen und zu realisieren.