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KaiOS: Das größte Handy-Betriebssystem, das kaum jemand kennt

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    Handys: Ist KaiOS eine Alternative zu Android und iOS?

    KaiOS ist das größte Handy-Betriebssystem, das kaum jemand kennt. Auf Millionen von Telefonen verrichtet es schon seinen Dienst. Aber kann der Underdog den Platzhirschen Android und iOS wirklich gefährlich werden?

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    Von
    • Christian Schiffer

    Das MK241 spricht. Nun ja, das Englisch ist noch etwas gebrochen: Statt WhatsApp sagt es "Watsapp", statt Facebook "Fakebook"; und klickt man auf Bluetooth, dann spricht das Gerät von "Blotod". Aber das Telefon hat ja nur rund 80 Euro gekostet, da muss es dann auch kein geschliffenes Oxford-Englisch sein. Das MK241 ist ein sogenanntes "Feature-Phone", das heißt, es ist kein Smartphone, für das man sich unzählige Apps herunterladen kann. Doch dafür ist das MK241 der bislang bekannteste Vertreter eines Telefons mit KaiOS, einem Handy-Betriebssystem, das hierzulande derzeit noch eher unbekannt ist, aber weltweit bereits auf über 100 Millionen Telefonen seinen Dienst verrichtet.

    KaiOS läuft auch auf Geräten mit schwacher Hardware

    Man muss sich das Feature-Phone MK241 vorstellen wie ein herkömmliches Handy, ohne Touchscreen, aber ergänzt um einige zusätzliche Funktionen, etwa eine Kamera oder einen mp3-Player. Das besondere aber ist, dass kein Android oder iOS auf dem Gerät läuft, sondern eben KaiOS: ein Betriebssystem, das für Geräte mit eher schwacher Hardware konzipiert worden ist.

    Wie eine Reise in die Handy-Vergangenheit

    Robin Brand arbeitet als Experte für Smartphones bei der Computerzeitschrift CT. Er sagt: Ein KaiOS-Handy zu benutzen fühlt sich ein wenig an, wie eine Reise in die 2000er-Jahre, als Handys noch Handys waren - und keine tragbaren Computer mit Telefonfunktion. Telefonieren funktioniere super, die Akkulaufzeit sei beachtlich. Man könne das Gerät im Standby-Modus auch zwei Wochen später noch problemlos anschalten. "Alles drüber hinaus wird aber schwierig, allerdings gibt es für die Geräte mittlerweile WhatsApp und das macht es für viele dann doch interessant", so Brand. Auch Google Maps gebe es für die Geräte, wenngleich die Navigation bisweilen stocken würde. "Das kann aber ja auch positiv sein, dass man nicht die ganze Zeit aufs Smartphone starrt."

    Interessant auch für datensparsame Nutzer

    Man kann also zusammenfassen: Ein KaiOS-Gerät richtet sich vor allem an Menschen, die mit einem Telefon vor allem telefonieren wollen - und vielleicht ein bisschen chatten. Interessant sind die Geräte vor allem für ältere Menschen, aber auch als Zweitgerät, beispielsweise für Wandertouren oder Outdoor-Sport. Einen Blick riskieren können auch all diejenigen, die nach einer Alternative zu den Betriebssystemen von Google und Apple suchen. Zwar sind auch auf KaiOS-Geräten Google-Apps installiert, dennoch kann man ein Gerät mit diesem Alternativ-Betriebssystem relativ datensparsam betreiben. "Google hat ein paar Millionen investiert in KaiOS, weil Google darin eine Chance sieht, die nächste Milliarde das Endnutzer ans Internet zu bringen, vor allem mit Blick auf die Entwicklungsländer", so Robin Brand von der CT.

    Mittlerweile ist auch Mozilla an Bord - schon wieder

    Die vorinstallierten Google-Apps lassen sich aber verhältnismäßig einfach wieder entfernen, die Google-Integration ist bei Weitem nicht so tief wie auf einem Android-Gerät. Wem also Datenschutz wichtig ist, der kann ein KaiOS-Gerät sehr datenschutzfreundlich einrichten. Allerdings hat man dann natürlich auch nicht mehr die Vorteile, die manche Google-App mit sich bringt, aber je weniger Apps auf dem Telefon, umso datensparsamer ist man zugleich unterwegs.

    Insgesamt gibt es nur über 500 Apps im KaiOS-Store, es werden aber schnell mehr. Kein Wunder: KaiOS ist nach iOS und Android immerhin die Nummer 3 der Telefon-Betriebssysteme weltweit. Mittlerweile setzen nicht nur bei uns unbekannte Firmen wie Maxcom auf diese Plattform, sondern auch die finnischen Handyveteranen von Nokia. Seit kurzem ist auch die Mozilla-Stiftung, die vor allem den Firefox-Browser entwickelt, bei KaiOS mit eingestiegen. Das ist etwas kurios, denn eigentlich basiert KaiOS sowieso auf Firefox OS: einem Smartphone-Betriebssystem, das aber 2016 von Mozilla wegen Erfolglosigkeit eingestellt wurde.

    Der Markt für Feature-Phones wächst

    Nun ist also auch Mozilla selbst wieder mit an Bord – und das aus gutem Grund. "Ich nehme an, weil sie jetzt schon merken, dass da ein ganz schönes Potenzial drin ist in diesem KaiOS", sagt Robin Brand. Mozilla hatte das Betriebssystem nicht zum gewünschten Erfolg verhelfen können, doch nun ist KaiOS mit Abstand das drittgrößte Betriebssystem für Mobilgeräte der Welt, nach iOS und Android. Das liegt auch daran, dass das Segment der Feature-Phones weiterwächst, anders als das der Smartphones, wo der Markt schon relativ gesättigt ist. Das gilt insbesondere für die Länder des globalen Südens und darin sieht Mozilla offenbar eine Chance, man mit Firefox OS selbst nicht nutzen konnte.

    Ist KaiOS eine echte Alternative?

    Und so bricht KaiOS zumindest in manchen Teilen der Welt ein wenig das Betriebssystem-Duopol von Google und Apple auf. Die Frage ist, ob dies auch in den westlichen Industrienationen gelingen kann. Geräte wie das MK241 besetzen hierzulande nur bestimmte Nischen. Bislang zumindest. Denn die technische Basis von KaiOS ist durchaus in der Lage, auch Smartphones mit der gewohnten Touch-Steuerung anzutreiben. Zudem könnte das Know-How von Firefox das Angebot an verfügbarere Apps schnell vergrößern – und KaiOS zu einer echten Alternative machen, zu den beiden Platzhirschen iOS und Android.

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