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Handy-Chips simulieren menschliches Gehirn | BR24

© The University of Manchester/School of Computer Science

Dem Denken auf der Spur: der Neuro-Computer SpiNNaker

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    Handy-Chips simulieren menschliches Gehirn

    Die größte Herausforderung für das menschliche Denken besteht darin, das menschliche Denken zu verstehen. Ein Supercomputer an der Uni Manchester soll dabei helfen. Diese Woche hat er die Ausbaustufe von einer Million Prozessorkernen erreicht.

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    „Bei SpiNNaker handelt es sich um einen großen Rechner, der speziell dafür entwickelt worden ist, um Modelle des Gehirns zu verarbeiten“, erläutert Professor Steve Furber von der Informatik-Fakultät in Manchester.

    Das Kürzel steht für Spiking Neural Network, also für gepulstes neuronales Netz. Es bezeichnet eine Computer-Architektur, die der Funktionsweise des Gehirns nachempfunden ist – soweit sie bisher verstanden ist.

    Eine Million Prozessorkerne

    Aus einer Million ARM-Prozessorkernen, wie man sie von Smartphones her kennt, besteht der Neuro-Computer aktuell. Das kommt nicht von Ungefähr. Professor Furber hat in den 80er Jahren das Chip-Design bei einer Vorläuferfirma von ARM mitentwickelt.

    Zig Milliarden Neuronen

    Ähnlich einem Gehirn verarbeitet SpiNNaker Information nicht am Stück, sondern er verteilt sie - in 40 bis 72 bit großen Päckchen – in einem dichten Verbund von Recheneinheiten. Eine Milliarde Neuronen soll er so in der höchsten Ausbaustufe einmal simulieren können. Ein Bruchteil der Nervenzellen des Gehirns. Das besteht aus rund 86 Milliarden Zellen.

    Fehleranfälliger Neuro-Computer

    Um dem natürlichen Vorbild möglichst nahe zu kommen, haben die Wissenschaftler auf Funktionsprinzipien verzichtet, die in der herkömmlichen Computerei unumstößlich sind: den Determinismus beispielsweise. Danach muss unter gleichen Bedingungen stets das gleiche Ergebnis erzielt werden. Nicht so bei SpiNNaker. Bei dem können auch schon mal ein paar Komponenten ausfallen. Er arbeitet nicht akkurat, aber wegen seiner starken Vernetzung zuverlässig.

    Hirn im Netz

    Zu den geplanten Experimenten mit dem Simulator gehört, dass er mit kleinen mobilen Robotern verbunden wird und ihnen so quasi über das Internet Intelligenz einhaucht, damit sie sprechen, verstehen und sich kollisionsfrei fortbewegen können. Gefördert wird SpiNNaker von der Europäischen Union im Rahmen des Human Brain Project. Über eine Milliarde Euro will es sich die EU bis 2023 kosten lassen, um dem größten Geheimnis etwas auf die Spur zu kommen. Noch bei Projektbeginn war vollmundig von der Simulation des ganzen Gehirns im Supercomputer die Rede. SpiNNaker ist ein kleiner, aber vielleicht entscheidender Schritt zum großen Ziel.