BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Häme über Habeck im Netz | BR24

© picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Bildrechte: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, spricht in einem Interview

27
Per Mail sharen

    Häme über Habeck im Netz

    Ob er die Freilassung von Julian Assange fordert, wird Grünen-Chef Robert Habeck in einem Interview gefragt. Bei der Antwort kommt Habeck ins Schlingern. Weshalb sich nun beißender Spott im Netz über ihn ergießt.

    27
    Per Mail sharen
    Von
    • Kai Küstner

    Es ist wohl das, was man eine politische Spätzündung nennt: Vier Wochen ist das Interview mit dem Grünen-Chef bereits alt, bevor dann - gestern - bei den Twitter-Trends in Deutschland der Hashtag #Habeck ganz oben auftaucht. Und tausendfach ein Video mit dem YouTuber Tilo Jung geteilt wird, der dem möglichen Kanzlerkandidaten diese Frage stellt: "Du forderst ja die Freilassung von Nawalny. Fordert Ihr auch die Freilassung von Julian Assange?" Antwort: "Ein faires Verfahren fordern wir." "Warum nicht die Freilassung?" hakt der Fragesteller nach, worauf eine ziemlich genau vier-sekündige Denkpause entsteht. Und schließlich dieser – mehr gestolperte als gesprochene - Satz: "Julian Assange muss ein Verfahren bekommen, das nicht politisch motiviert ist."

    Habecks 180-Grad-Wende innerhalb von 45 Sekunden

    Habeck ist schon jetzt hörbar aus dem Tritt. Auch wenn der Fragesteller hier einen ziemlich abenteuerlichen Vergleich des Falls von Kreml-Kritiker Nawalny mit dem des Wikileaks-Gründers Julian Assange vornimmt. Der Grünen-Chef gerät – anstatt das zu kritisieren – auf Nachfrage erneut ins Grübeln: "Es geht um Geheimdienstverrat. Es ist ein Angriff auf die Pressefreiheit. Und Du forderst nicht die Freilassung?" Abermals vier Sekunden Grübelpause, dann hat der YouTuber Tilo Jung Robert Habeck offenbar mit einer simplen Frage überzeugt: "Doch. Ich fordere die Freilassung von Julian Assange. Ja." Legt Habeck sich nun fest. Wohlgemerkt: Ein 180-Grad-Wende, wie viele nahelegen, vollzieht der Grüne damit nicht. Es deutet eher vieles darauf hin, dass er in seinem Gedächtnis eine Weile kramen musste, bis er die Haltung seiner Partei in dieser Frage wieder parat hatte.

    Diskussion im Netz mit ungewohnter Verzögerung

    Was dann folgt – mit Spätzünder, aber darum nicht weniger heftig – ist jedenfalls ein Twitter-Gewitter der Häme von Seiten des politischen Gegners.

    WIn gerade mal 45 Sekunden: Der schnellste Flip-Flop der Welt“, ätzt FDP-Bundesvorstandsmitglied Johannes Vogel. Und auch CSU-Generalsekretär Markus Blume lässt sich diese Chance nicht entgehen: "Ja, nein, vielleicht... Robert Habeck wieder einmal völlig ahnungslos." Eine Anspielung darauf, dass dem Politiker und Schriftsteller bei anderer Gelegenheit auch schon einmal nicht einfiel, wie genau die Pendlerpauschale funktioniert oder wie die Bundesbehörde für Finanzaufsicht tickt. So geschehen im ARD-Sommerinterview bei Oliver Köhr.

    Sonneborn greift Geschehen auf und amüsiert sich

    Die Zahl der Politiker, die noch nie bei einem Interview ins Schlingern gerieten, ist nicht gerade rekordverdächtig hoch. Habeck jedoch steht auch deshalb unter verschärfter Beobachtung, weil er als möglicher Kanzlerkandidat der Grünen gehandelt wird. Martin Sonneborn, Satiriker und EU-Politiker in Personalunion, meint zum Fall Habeck: "Lustig, dass die Knalldeppen von BILD, CDU/CSU & FDP etc., die jetzt gegen #Habeck schießen, selbst nie, niemals Stellung zum skandalösen Fall Assange bezogen haben...."

    Grünen bestätigt Linie, die Habeck offensichtlich nicht kannte

    Eine Sprecherin der Grünen bestätigt, dass die Partei sich in der Tat für die Freilassung des in britischer Haft befindlichen Assange einsetze. Um auf die Grünenlinie einzuschwenken, brauchte Habeck allerdings zwei Mal vier Sekunden – quälend lang wirkender - Bedenkzeit. Eine ganz andere Frage ist, warum er sich überhaupt auf den mehr als heiklen Vergleich Nawalny-Assange einließ.

    Gewagter Vergleich zwei unterschiedlicher Fälle

    Den Fall des erst vergifteten, dann von der russischen Justiz zu Straflager verurteilen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny. Und von Julian Assange, der sich seit eineinhalb Jahren in einem britischen Gefängnis befindet. Die USA werfen ihm vor, mit der Veröffentlichung geheimen Materials über die Kriege im Irak und Afghanistan das Leben von Informanten in Gefahr gebracht zu haben. Ausgeliefert wurde Assange bislang nicht.

    So viel jedenfalls steht fest: Von diesem fast zweistündigen Gespräch mit Robert Habeck werden wohl nur ein paar Sekunden in Erinnerung bleiben.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!