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Vietnamesische Hacker spionieren in Deutschland | BR24

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Symbolbild Hacking

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    Vietnamesische Hacker spionieren in Deutschland

    Kritiker des Regimes in Vietnam sind in Deutschland nicht vor Cyberangriffen sicher. Nach Recherchen von BR und Zeit Online stehen sie im Fokus von vietnamesischen Hackern. Die Botschaft in Berlin bestreitet die Vorwürfe.

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    Deutschland gilt als sicherer Zufluchtsort für Regimekritiker aus autoritären Staaten. Doch auch hier sind sie nicht davor sicher, ausgespäht zu werden, wie monatelange Recherchen des Bayerischen Rundfunks und von Zeit Online zeigen. Eine vietnamesische Hackergruppe namens Ocean Lotus kann seit Jahren Oppositionelle und Menschenrechtler in Deutschland unbehelligt ausspionieren. Betroffen sind sowohl deutsche als auch vietnamesische Staatsbürger. In einem Fall traf es sogar eine deutsche Journalistin, die für die Tageszeitung (taz) über Vietnam und die Diaspora hierzulande schreibt.

    Hacker schreiben ihre Opfer gezielt an

    Der Angriff erfolgt meist über perfekt gefälschte Emails. Ein bekannter Absender, ein passender Text und im Anhang versteckt: Schadsoftware, die es dem Angreifer erlaubt, den Computer auszuspionieren. Die Recherchen zeigen, dass die Hacker in den vergangenen Jahren hunderte Webseiten aufgesetzt haben, um ihre Angriffe durchzuführen.

    Die Hacker wissen mitunter genau Bescheid über die Personen, die sie ins Visier nehmen. So kannten sie die Reisepläne eines bekannten vietnamesischen Bloggers: Bui Thanh Hieu, der in Berlin lebt. Sie schickten ihm eine E-Mail, in der sie sich als Veranstalter einer Konferenz ausgaben, die Bui besuchen wollte. In der Mail versteckt: Schadsoftware – mit dem Ziel, den Blogger auszuspionieren. Eine Analyse durch einen IT-Sicherheitsexperten ergab, dass es nicht der erste Spionage-Angriff auf Bui Thanh Hieu war.

    Verfassungsschutz: "Deutliche Verbindung nach Vietnam"

    Die Recherchen von BR und Zeit Online legen nahe, dass die Hackergruppe im strategischen Interesse der vietnamesischen Regierung agiert. Auch IT-Sicherheitsexperten sehen das so. Zum Beispiel Adam Meyers von der us-amerikanischen IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike, der sagt: "Wir reden hier nicht von sechs Leuten, die im Keller ihrer Mama sitzen, sondern von einer militärischen Einheit. Wir reden von der digitalen Angriffstruppe eines voll funktionsfähigen Staates, die in der Lage ist, ein breitgefächertes Auftragsprofil zu erfüllen."

    Eindeutige Beweise gibt es nicht. Doch auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beobachtet die Gruppe seit 2014, wie BfV-Präsident Thomas Haldenwang im Interview mit BR und Zeit Online sagt. Ocean Lotus interessiere sich für "bestimmte Personen mit vietnamesischen Hintergrund" und das sei "einer der Gründe, weshalb wir eine deutliche Verbindung nach Vietnam sehen." Eine eindeutige Zuordnung, insbesondere zu den Nachrichtendiensten Vietnams, könne man aber nicht vornehmen.

    Vietnamesische Botschaft bestreitet die Vorwürfe

    Vietnam selbst bestreitet die Hacking-Vorwürfe. Die Vorwürfe seien unbegründet, schreibt die vietnamesische Botschaft in Berlin auf Anfrage: "Angriffe und Bedrohungen der Cybersicherheit müssen verurteilt und gemäß Vorschriften des Gesetzes streng bestraft werden." Vietnam sei jederzeit bereit, bei der Bekämpfung von Cyberangriffen mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten.

    Patrick Sensburg (CDU) ist Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium, das die Nachrichtendienste des Bundes kontrolliert. "Wir erleben schon seit längerer Zeit, dass intensiv Spionagetätigkeit in Deutschland stattfindet", sagt Sensburg im Interview. Er sei besorgt, dass Menschen, die in Deutschland leben, Ziel von Hackerangriffen werden. Angriffe wie die von Ocean Lotus seien sehr komplex und intensiv vorbereitet. Die Gruppe habe "anscheinend sehr große personelle Ressourcen". Konkrete Hackerangriffe gegen einzelne Personen seien sehr schwer zu verhindern. "Deswegen ist es wichtig, dass unsere Sicherheitsbehörden so gut ausgestattet sind, dass sie da etwas entgegensetzen können." Eine hundertprozentige Sicherheit könne es allerdings nicht geben.

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