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Hacker-Angriff auf Amazon-Chef Jeff Bezos – per Whatsapp | BR24

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Amazon-Chef Jeff Bezos

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    Hacker-Angriff auf Amazon-Chef Jeff Bezos – per Whatsapp

    Das Handy von Amazon-Chef Jeff Bezos ist gehackt worden – offenbar mit Hilfe eines einfachen WhatsApp-Videos. Wie kann das sein? Und wie schützt man sich?

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    Es ist ein scheinbar harmloses Video, das Amazon-Chef Jeff Bezos am 1. Mai 2018 erhält. Es zeigt einen Werbefilm der Telekommunikationsbranche. Zu sehen sind eine Flagge von Saudi-Arabien und die von Schweden, dazu arabische Schriftzeichen. Ungewöhnlich ist lediglich die Tatsache, dass das Video mehr oder weniger aus dem Nichts kommt.

    Und dann ist da natürlich noch der Absender: Mohammed bin Salman, der saudische Kronprinz und damals neuer starker Mann des ölreichen Wüstenstaates.

    Massiver Daten-Abfluss

    Offenbar hat Jeff Bezos WhatsApp so eingestellt, dass Videos automatisch auf sein Handy geladen werden. Und so gelangt mit dem Video auch ein Programm auf das Smartphone des Amazon-Chefs, das nun Daten aussendet - viele Daten. In dem Bericht der Cybersecurity-Firma, die den Fall untersucht hat, ist die Rede davon, dass das Volumen gesendeter Daten nach dem Empfang des Videos um 29.000 Prozent angeschwollen sei. Die Sicherheitsforscher vermuten, dass Malware auf Bezos' Handy eingeschleust wurde, etwa Pegasus der israelischen Firma NSO Group oder Galileo des italienischen Unternehmens Hacking Team. Mit beiden Firmen würde Saudi-Arabien kooperieren, etwa um Dissidenten zu überwachen.

    Zwielichtige Branche

    Mit dem Fall dürfte auch eine zwielichtige Branche ins Rampenlicht gezerrt werden, die gerne im Verborgenen arbeitet und zu der nicht Firmen wie NSO Group oder Hacking Team gehören, sondern auch FinFisher aus München. "Solche Unternehmen geben an, angeblich nur für Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden zu arbeiten", sagt beispielsweise Linus Neumann vom Chaos Computer Club.

    Dennoch wurde das Produkt einer dieser Firmen offenbar dazu eingesetzt, um das Handy von Jeff Bezos zu infiltrieren und ihn letztendlich zu erpressen. Diese Unternehmen stehen bei Sicherheitsexperten, Datenschützern und Bürgerrechtlern schon seit längerem in der Kritik.

    "Dieser Angriff zeigt einmal mehr, dass diese Unternehmen ihre angeblichen ethischen Standards nicht einhalten." Linus Neumann, Chaos Computer Club

    Der Markt für Sicherheitslücken floriert

    Möglicherweise haben die Hacker eine WhatsApp-Sicherheitslücke ausgenutzt, die im November 2019 bekannt geworden war. Mittlerweile wurde die Lücke geschlossen, dennoch könnte sie damals ausgenutzt worden sein, um das Telefon des reichsten Menschen der Welt zu hacken. Sicherheitslücken werden immer wieder bekannt. Derweil gibt es einen regelrechten Markt für den Handel mit Informationen über Sicherheitslücken, an dem auch Staaten partizipieren. Sicherheitsexperten kritisieren dies immer wieder, weil somit verhindert werde, dass solche Lücken geschlossen werden.

    Es gibt Alternativen zu WhatsApp

    WhatsApp-User sollten darauf achten, die App immer aktuell zu halten. Wer besonderen Wert auf Sicherheit legt, sollte zudem in Erwägung ziehen, den Messenger zu wechseln. Es gibt Alternativen wie beispielsweise Signal. Hier ist der Programm Code Open Source und damit offen einsehbar. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Sicherheitslücken aufgedeckt werden.

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