Ein Smartphone, auf dem Karl Klammer (der ehemalige Office-Assistent) zu sehen ist, im Hintergrund ein Logo von Microsoft
Bildrechte: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Pavlo Gonchar

Clippy ist tot, lang lebe der Copilot: Microsoft verbindet seine Office-Software mit GPT-4 zu einer potenziellen Revolution im Büroalltag.

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Nie mehr lästiger Bürokram? GPT-4 trifft Microsoft Office

Wie "Karl Klammer auf Steroiden": Microsofts "Copilot" für Office-Anwendungen verspricht eine völlig neue Arbeitswelt, in der sich Präsentationen und E-Mails buchstäblich von selbst schreiben. Beginnt hier die KI-Revolution fürs Berufsleben?

Hier bahnt sich etwas Großes an. Gut möglich, dass wir uns an das, was da gestern als Microsoft 365 Copilot angekündigt wurde, einmal als erste große KI-Revolution in unserem Berufsleben erinnern werden. Ein paar Tage zuvor schon hat auch Google KI-gestützte Tests für seine Workspace-Angebote vermeldet.

Klar, es wurde alles ein bisschen viel in letzter Zeit mit dieser künstlichen Intelligenz: Ein neues ChatGPT hier, eine rachsüchtige KI-Suchmaschine dort, hüben bricht Filterpanik aus und drüben predigt eine KI beim Kirchentag. Vieles war und ist noch immer Spielerei, doch jetzt wird’s ernst.

Karl Klammer schlägt endgültig zurück

Microsofts Copilot soll direkt in Office-Programme wie Word, Excel oder PowerPoint integriert werden – also ganz so, wie einst Karl Klammer, die comichafte Büroklammer mit den Kulleraugen. Nur eben viel, viel mächtiger, denn hinter Copilot verbirgt sich mit GPT-4 die neueste Version des KI-Systems aus dem Hause OpenAI. Es ist nur halb im Spaß gemeint, wenn der Tech-Blog Futurism.com das als "Karl Klammer auf Steroiden, jede Menge davon" bezeichnet.

Mit dem Copiloten schreiben sich E-Mails von selbst, füllen sich Excel-Sheets von alleine aus und wer einen Video-Call verbummelt, dem wird kurzerhand das automatisch erstellte Transkript zusammengefasst, sodass es nahtlos im Gespräch weitergehen kann. Ganze Word-Dokumente können auf Basis von anderen Dateien erstellt werden und diese etwa zusammenfassen, erläutern oder ergänzen.

"Herr Copilot, zum Diktat bitte!"

"Künstliche Intelligenz wird uns von vielen dieser banalen Arbeitsschritte befreien", verspricht Microsoft-Managerin Collette Stallbaumer. Man ist sich bei Microsoft also recht sicher, gerade eine neue Ära der Büroarbeit einzuläuten. Wenn Bewerbungsschreiben, Jahresbilanzen, Mitarbeiterbriefings und Projektpräsentationen bald wirklich nur noch einen Klick oder Sprachbefehl benötigen, könnte da was dran sein.

Obacht, Copilot kann auch mal "brauchbar falsch" liegen

Microsofts Vice President Jared Spataro gibt bei aller Euphorie zu bedenken, dass sein neuer KI-Assistent noch nicht immer zuverlässig ist: "Manchmal wird Copilot es richtig machen, manchmal brauchbar falsch", so oder so bekäme man für jedes Vorhaben einen ersten Entwurf vorgelegt und müsse nie wieder mit einem leeren Blatt beginnen.

Copilot aktuell noch in geschlossener Testphase

Wie das Magazin The Verge berichtet, testet Microsoft seine um den Copiloten ergänzte Office-Variante derzeit zusammen mit 20 Unternehmen und wird im Lauf der Monate weitere Testpartner hinzuziehen. Wann die neue Software für Normalnutzer zugänglich sein wird und zu welchem Preis, ist nicht bekannt.

Derweil gibt es Bedenken, was der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Arbeitsumfeld mit sensiblen Firmendaten machen könnte. Denn Microsoft hat gerade erst ein komplettes "Ethik-Team" entlassen, das intern dafür zuständig war, KI-Modelle wie die von OpenAI auf verantwortungsvolle Weise in Kundensoftware zu integrieren.

Google oder Microsoft, wer macht das Rennen?

Spannend wird nun, wer im Rennen um KI-gestützte Office-Anwendungen schneller in den Markt stößt, sprich: Microsoft Office oder Google Workspace. Viel wird davon abhängen, wie nützlich ihre neue KI-gestützte Bürosoftware jeweils wirklich ist und natürlich auch, wie sicher. Wir werden uns jedenfalls schon bald daran gewöhnen müssen, dass nicht mehr jede Mail und jedes PDF komplett von Menschenhand gemacht sein wird.

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