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Google Stadia - doch keine Revolution?

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    Googles Videospiel-Plattform Stadia droht zu floppen

    Der Cloud-Gaming-Dienst sollte die Videospielwelt revolutionieren. Doch über ein Jahr nach dem Start von Google Stadia ist von einer Revolution wenig zu sehen. Nun hat Google angekündigt, keine eigenen Spiele mehr für den Dienst zu entwickeln.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Es sollte endlich Googles großer Wurf im Gaming-Geschäft sein: Der Videospiel-Streamingdienst Google Stadia war 2019 an den Start gegangen - das Versprechen: Google Stadia und das Prinzip des "Cloud-Gaming" sei die Zukunft der Videospiele.

    Die Idee hinter "Cloud-Gaming": Anstatt eine sperrige Spielekonsole oder einen leistungsstarken PC zuhause zu haben, übernehmen die Rechenarbeit die Server von Google. Stadia sollte also für Videospiele das sein, was Netflix und andere Videostreamer für Filme und Serien waren - und technisch völlig neue Möglichkeiten bieten. Zumindest für Menschen mit schneller Internetverbindung.

    Google entwickelt keine Spiele mehr für Stadia

    Eine neue Ankündigung von Google stellt das Stadia-Projekt jedoch in Frage: In Zukunft will Google keine hauseigenen Spiele mehr für Stadia entwickeln, sondern ausschließlich als Plattform von anderen Entwicklern zur Verfügung stehen. Bedeutet: Anders als die traditionellen Videospiel-Konsolen PlayStation, X-Box und Nintendo Switch wird es bei Google Stadia keine Exklusiv-Titel mehr geben.

    In der Videospielbranche wird die Ankündigung als Rückschlag für Googles Videospiel-Aspirationen gewertet. Anstatt technisch neuer Ansätze soll es auf Stadia nun nur das geben, was es auch anderswo gibt - der IGN-Spielekritiker Dan Stapleton äußert sich auf Twitter enttäuscht: "Es ist schade, dass wir nie die "nur in der Cloud möglichen" Spielekonzepte sehen werden, die Stadia interessant gemacht haben."

    Der große Friedhof der Google-Produkte

    Die Enttäuschung rührt auch daher, dass Google bereits seit Jahren dafür bekannt ist, Projekte erst mit großer Außenwirkung zu starten und dann nach kurzer Zeit wieder zu beenden. Die Website Killed by Google listet über zweihundert Google-Produkte auf, die von Google eingestampft wurden: Darunter die sozialen Netzwerke Orkut und Google+, die Nachrichtendienste Google Hangouts, Google Talk und Allo, der Musikstreamingdienst Google Play Music und die Smartbrille Google Glass.

    Der immer größer werdende Friedhof von verendeten Google-Produkten könnte nun dazu beitragen, dass Google Stadia nicht so recht auf die Beine kommen mag: Schon letztes Jahr bemerkten viele Videospielfans, dass sie in Google Stadia nur auf wenige menschliche Mitspieler stießen. Offizielle Nutzerzahlen gibt Google nicht heraus.

    Ist Cloud-Gaming doch die Zukunft?

    Noch herrscht in der Videospielbranche wenig Einigkeit darüber, welche Rolle Cloud-Gaming in der Zukunft spielen soll. Einer der Gründe ist, dass selbst sehr schnelle Internetverbindungen fehleranfällig sind. Beim Streamen von Musik oder Filmen merkt man davon oft nichts - Netflix und Spotify "buffern" ihre Inhalte automatisch - das bedeutet, sie laden zur Sicherheit einige Sekunden "im Voraus". Wenn die Verbindung kurz aussetzt, bekommt man das als Zuschauerin oder Zuhörer nicht mit. Videospiele hingegen müssen live gestreamt werden, weil der Server direkt auf die Eingaben der Spielerin reagieren muss.

    Trotzdem arbeitet nicht nur Google an Cloud-Gaming: Auch Microsoft und Sony, die Firmen hinter X-Box und PlayStation, arbeiten an eigenen Cloud-Gaming-Produkten. Und selbst wenn Google Stadia keinen Erfolg haben sollte, könnte Cloud-Gaming uns weiter verfolgen. Zuletzt zeigte etwa der Skandal um das Videospiel Cyberpunk 2077, dass viele moderne Videospiele gigantische Mengen an Rechenleistungen brauchen. Für viele Computer und Konsolen war Cyberpunk 2077 kaum spielbar - doch auf Stadias Google-Servern lief es Tests zufolge flüssig.

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