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Googles neue Startseite zeigt, wie sich das Netz verändert hat | BR24

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© BR / Gregor Schmalzried

Wer auf seinem Smartphone google.com anwählt, wird in Zukunft nicht mehr nur eine weiße Seite mit Suchfeld bekommen. Denn das Unternehmen steigt ein in den Kampf um unsere Aufmerksamkeit.

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Googles neue Startseite zeigt, wie sich das Netz verändert hat

Wer auf seinem Smartphone google.com anwählt, wird in Zukunft nicht mehr nur eine weiße Seite mit Suchfeld bekommen. Denn das Unternehmen steigt ein in den Kampf um unsere Aufmerksamkeit.

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Es war lange Zeit die einzige Konstante im sich immer schnell verändernden Internet: Die einfache weiße Google-Startseite. Doch dieses große Stabilitätsversprechen wird für Smartphone-Nutzer bald anders aussehen: Seit dieser Woche hat Google damit begonnen, vereinzelt unter der Suchleiste sein neues "Google Discover"-Feature einzublenden. Auf die ersten Tests werden wohl weitere folgen, es ist auch unwahrscheinlich, dass die Funktion sich auf die mobile Nutzung beschränken wird.

© Google

Verschiedene Themen in Googles neuem "Discover"-Feature

Was ist Google Discover?

Auf der neuen Startseite will Google in Zukunft seinen Nutzern Inhalte anzeigen, die es für relevant hält - basierend auf den jeweiligen Daten und Interessen der Nutzerin. In der obigen Grafik wird beispielsweise wohl ein gitarrespielender Innenausstatter bedient, der demnächst nach Mexiko City fährt. Ebenso denkbar sind Funktionen wie das Wetter in der Stadt, in der man sich befindet, aktuelle Fußball-Ergebnisse oder Rezeptideen.

Der Gedanke dahinter ist simpel: Google hat über seine Nutzer eine Unmenge an Daten gesammelt und will diese so einsetzen, dass die Suchleiste, das ehemalige zentrale Element der Seite, überflüssig wird. Wenn meine Suchen für Google vorhersehbar sind, etwa weil ich sie immer wieder mache oder weil sie zu meiner aktuellen Lage passen (z.B. wenn ich auf dem Weg zum Flughafen bin und nach Flugzeiten suche), kann die Seite mir zuvorkommen und relevante Informationen direkt anbieten.

Bereits seit längerem arbeiten Google an Technologien, die Nutzer Informationen anbieten, noch bevor diese überhaupt aktiv danach gesucht haben. Ein Beispiel sind die App-Vorschläge in Googles Smartphone-OS Android. Die sollen je nach aktueller Situation (Tageszeit, Ort, andere geöffnete Apps) genau die Apps vorschlagen, die der Nutzer gerade gebrauchen kann.

Das Netz gehört Google, Facebook und Amazon

Google Discover ist aber auch ein weiterer Schritt in einer Entwicklung, die schon seit einigen Jahren fortschreitet: Wer Dinge aus dem Internet erfahren will, muss immer seltener Google verlassen. Ähnliches gilt für Facebook in in Hinblick auf soziale Medien und Amazon beim E-Commerce.

Der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt sagte schon 2005, dass eine gute Suchmaschine gar nicht mehr als genau ein Ergebnis anbieten sollte. "Wir sollten die eine richtige Antwort genau geben können. Du suchst nach einer Information. Wir sollten sie genau für dich haben." Google hat seitdem Schritte ergriffen, um das Realität werden zu lassen - und auch die anderen großen Web-Plattformen Facebook und Amazon wollen sicherstellen, dass man ihr Ökosystem immer seltener verlassen muss:

  • Google hat damit begonnen, immer mehr Informationen direkt unter der Suche anzuzeigen. Währungen oder Zeitzonen umrechen, Songtexte anzeigen, all das macht Google mittlerweile selber, man muss keine fremde Website mehr dafür ansteuern. Zudem hat Google seine Marktmacht auf dem Mobilmarkt missbraucht, um eigene Produkte zu fördern.
  • Facebook hat mit dem Kauf von WhatsApp und Instagram sichergestellt, dass keine ernsthafte Social Media-Konkurrenz zu Facebook entstehen kann. Der einzige ernsthafte Konkurrent Snapchat hatte zuletzt immer mehr zu kämpfen.
  • Amazon übernimmt immer mehr Bereiche der Einkaufswirtschaft und hat mit dem Amazon Echo ein Gerät in vielen Haushalten, das Bestellungen automatisch bei Amazon macht.

Kritik an den Netz-Monopolen

Dass die Netz-Giganten das Internet immer mehr unter sich aufteilen, hat Folgen für die Vielfalt im Netz: Individuelle Websites werden unwichtiger, stattdessen sieht alles gleich aus und ist gleich aufgebaut. "Eine Handvoll Firmen aus dem Silicon Valley dominieren das gesamte Internet", beklagt der Hacker und Online-Aktivist Andre Staltz im BR24-Gespräch. "Alles Wichtige im Netz heutzutage gehört entweder Google und Facebook oder ist komplett von Google und Facebook abhängig. Und das war nicht immer so. Noch 2013 sah das Internet sehr anders aus."

Als Google vor zwanzig Jahren startete, war das Netz ein unübersichtlicher Dschungel. Von dieser Vielfalt ist heute nicht mehr viel übrig geblieben, stattdessen haben Dampfwalzen den Dschungel durch einen High-Tech-Parkplatz ersetzt. Auch Medienangebote sind von Facebook, Google und Amazon abhängig - wenn einer der großen Anbieter will, kann er die Reichweite von Websites oder Autoren massiv verringern.

Mit der immer größeren Monopol-Stellung der großen Internet-Firmen steigt auch das Risiko, das diese Strukturen mit sich tragen. Nicht erst seit dem Cambridge Analytica-Skandal werden Rufe laut, dass Firmen wie Google, Facebook und Amazon zerschlagen werden sollten. Das könnte zu einem breiter aufgestellten Markt, mehr Konkurrenz und einem sichereren und vielfältigeren Internet führen.