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Google drängt mit der Brechstange auf den Games-Markt | BR24

© Google; Screenshot: BR

Google präsentiert seine neue Videospiele-Plattform Stadia. Welches Endgerät man nutzt, soll keine Rolle mehr spielen.

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    Google drängt mit der Brechstange auf den Games-Markt

    Stadia heißt die neue Videospiele-Plattform des Suchmaschinen-Giganten. Aber Stadia will mehr sein, als einfach eine weitere Spiele-Plattform. Google möchte stattdessen ein Spiele-Erlebnis ohne Konsolen und PCs schaffen. Kann das funktionieren?

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    Video-Spiele streamen - das klingt erst mal altbekannt und nach "Let's Play"-Videos, die Spieler über ihre Spielpartien und andere Spiele-Erlebnisse machen, und dann auf Youtube hochladen, oder live über die Plattform Twitch streamen.

    Google versteht unter Spiele-Streaming aber etwas ganz anderes: Der Suchmaschinen-Gigant möchte das komplette Spiele-Ökosystem in die Google-Cloud auslagern und das Spiele-Erlebnis ansich streambar machen. Dadurch soll der User am Ende nicht mehr auf eigene Konsolen oder potente PCs zum Spielen angewiesen sein, auf keine Downloads von Spielen mehr warten müssen, und quasi nahtlos zwischen Tablet, Smartphone und großem Bildschirm wechseln können. Stadia heißt diese neue Spiele-Plattform von Google, die eigentlich weniger Plattform ist, als gleich komplette Spiele-Infrastruktur.

    Die Ankündigung, die Google bei der Games Developers Conference 2019 in San Francisco gemacht hat, ist eine Kampfansage an die bestehende Games-Welt. Denn Stadia stellt die gesamte Infrastruktur, die zum Spielen benötigt wird, infrage. Und: Stadia soll noch 2019 erscheinen.

    Warum ist das jetzt neu?

    Filme und Serien können dank Mediatheken und Angeboten wie Netflix kinderleicht aufs Smartphone oder den Fernseher gestreamt werden. Für Musik gibt es ebenso elegante Streaming-Lösungen von Spotify bis Tidal. Das Medium Videospiel ist meist aber entweder an Konsolen, wie eine X-Box oder Playstation gebunden, oder an einen PC, der entsprechende Spieleleistung bringen muss. Mit Stadia möchte Google all das überflüssig und Spiele streambar machen.

    Es gibt zwar schon erste Versuche, Spiele aus einer Cloud zu streamen, und vergleichbare Angebote mit etwa "Playstation Now" (Sony) oder "Geforce Now" (Nvidia). Allerdings haben sich diese Angebote bislang nicht bei der breiten Masse der Gamer durchgesetzt. Das liegt auch daran, dass Gamer, gerade wenn sie gemeinsam mit anderen spielen, hohen Wert auf ein absolut perfektes und flüssiges Spiele-Erlebnis ohne Lader und Ruckler legen. Offenbar kann das bislang noch kein Anbieter in dieser Form via Stream leisten.

    Was will Stadia anders machen?

    Damit ein reibungsloses Spiele-Erlebnis garantiert werden kann, muss die Hardware und Infrastruktur Höchstleistungen abliefern. Die Nutzer sollen jedoch nichts davon selbst bereitstellen müssen, keine Konsole, keinen PC - es soll keine Hardware-Limits mehr geben.

    Die ressourcenhungrigen Video-Spiel-Top-Titel sollen stattdessen die Leistung der riesigen Google-Infrastruktur nutzen: Serververbünde, die Google mit spezieller AMD-Grafik-Hardware ausgestattet hat, um der Spiele-Leistung gerecht zu werden. Wichtiger wird am Ende aber wohl sein, dass während des Spielens keine Verzögerungen und Ruckler auftreten. Stadia möchte hier wieder mit der Google-Infrastruktur von weltweit 7500 Knotenpunkten punkten, die besonders fixe Verbindungen ermöglichen sollen. Am Ende sollen die Spieler einen reibungslosen Stream mit mindestens 1080p und 60fps bekommen.

    Ob Google dieses Versprechen auch unter hoher Last und unzähligen Spielern, die auf der ganzen Welt gemeinsam spielen, noch einlösen kann, wird mit über den Erfolg von Stadia entscheiden.

    Keine Konsole - auf welchem Gerät spiele ich dann?

    Stadia soll an kein bestimmtes Endgerät mehr gebunden sein. Bei der Präsentation hat Google das Hochglanz-Spiel "Assassins Creed: Odyssey" gestreamt, und dabei unterbrechungsfrei gewechselt zwischen dem Browser auf dem PC, einem Smartphone, Tablet und einem TV. Die Entscheidung soll beim Nutzer liegen.

    Räumt Google damit den Markt auf?

    Mit der Etablierung von Streaming-Anbietern im Filmbereich hat ein heftiger Umbruch in der Filmbranche begonnen. Das könnte auch der Gamesbranche blühen. Allerdings ist lange nicht ausgemacht, dass Google am Ende der große Gewinner dieses Umbruchs sein wird. Auch andere Big Player wie Microsoft oder Electronic Arts versuchen sich an vergleichbaren Lösungen - die Konkurrenz schläft also nicht.

    Wer am Ende die beste Lösung aus Bedienbarkeit, Leistung und ansprechender Auswahl an Spielen anbietet, hat wohl die besten Karten. Google kann jetzt schon auf seine potente Infrastruktur zurückgreifen - die begehrtesten Spiele liegen allerdings noch nicht in der Google-Cloud.