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Google Stadia: So spielt sich Game-Streaming | BR24

© Tobias Schießl/BR

Das Spiel "GYLT" auf dem Smartphone. Als Spieler kann man jetzt aber auch an der gleichen Stelle auf dem Fernseher oder Computer weiterzocken.

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    Google Stadia: So spielt sich Game-Streaming

    Der Suchmaschinen-Gigant drängt jetzt auch auf den Games-Markt. Das Versprechen: Es ist egal, wann, wo und mit welchem Gerät man spielen will. Das Spielerlebnis wird einfach gestreamt. Die eigene Hardware soll (fast) keine Rolle spielen. Klappt das?

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    Sally, die Spielfigur im Horror-Schleich-Game "GYLT", schleicht auf Knopfdruck geschmeidig durch das düstere Level. Aber auch das Gekloppe mit den Mortal Kombat-Haudegen aus dem mittlerweile 11. Teil der Prügelspiel-Serie fühlt sich rund an. Eigentlich sollte sowas ja völlig selbstverständlich sein. Und das ist es während unseres Probe-Spielens auch. Aber wir testen gerade keine Konsole.

    Wir probieren das Spiele-Streaming-Angebot "Stadia" von Google aus. Die Idee dahinter: Das Spielerlebnis wird einfach direkt aus Googles Cloud gestreamt. Keine Konsole, kein Gaming-PC, keine Spieledownloads - direkt loszocken als Stream, egal ob auf dem lahmen Laptop, dem Smartphone oder einem großem Fernsehgerät. Es ist eine Kampfansage an die etablierten Platzhirsche der Branche wie etwa Sony, Nintendo oder Microsoft.

    Stimmt die Performance nicht, scheitert Stadia

    Wer aber auf eigene Spiele-Hardware verzichtet, ist darauf angewiesen, dass der Stream so gut funktioniert, dass man während des Spielens gar nicht merkt, dass das Spiel eigentlich in der Cloud liegt. Gerade Spieler, die gerne Games zocken, bei denen es auf Reaktion ankommt, kennen den Frust, wenn die Latenz (also die Verzögerung zwischen Eingabe und Reaktion) zu hoch ist oder die Framerate zu niedrig. Kann Stadia dauerhaft keine zufriedenstellende Performance bieten, wird das Angebot scheitern.

    Während unseres Probe-Spielens traten allerdings keine Probleme dieser Art auf. Und: Der nahtlose Wechsel zwischen Geräten wie Smartphone, Laptop und Fernseher klappte während des Spielens ohne größere Probleme. Da das Spiel gestreamt wird, erhält man auch keine abgespeckte Grafik auf dem Smartphone, sondern kann die Spiele dort in der gleichen Grafik-Pracht wie auf einem High-End-Gaming-PC genießen.

    © Tobias Schießl/BR

    Auf dem Fernseher kurz angehalten, geht das Spiel auf Wunsch einfach auf dem Laptop weiter - das Endgerät spielt für die Performance keine Rolle.

    Der Reality-Check steht noch aus

    Allerdings hatte Google während unseres Vorabtests alle Bedingungen selbst in der Hand. Das heißt: Ob das Erlebnis in Dietfurth oder Kronach genauso gut wie im Google Office in München ist, muss sich erst noch zeigen. Nadelöhr ist dabei die Internetverbindung: Google gibt an, dass für eine Streamingqualität von 720p bei 60fps mindestens 10 Mbit/s Downstream nötig sind, für die höchste Qualität (4K) sollten es schon 35 Mbit/s sein.

    Außerdem konnten wir nur Einzelspieler-Modi einiger Spieletitel testen. Latenzen, die während einer Multiplayer-Partie entstehen können, konnten so gar nicht erst auftreten.

    Und ganz ohne eigene Hardware geht es (vorerst) dann doch nicht. Zum Start am 19. November gibt es nur Pakete mit dem Google-eigenen Controller und Chromecast-Stick, der für den Fernseher benötigt wird. 2020 soll es dann auch Pakete bzw. Abo-Modelle ohne Google-Hardware geben. Auch eine abgespeckte kostenfreie Variante soll kommen.

    Guter Ersteindruck, aber die Feuertaufe steht noch bevor

    Ob Google mit Stadia eine Art Netflix oder Spotify für Games schafft, hängt davon ab, ob Stadia die angekündigte Performance und das niederschwellige Gaming-Erlebnis auf allen Geräten tatsächlich so reibungslos garantieren kann.

    Und: Nicht zu unterschätzen ist auch die Spiele-Auswahl. Zwar sind für Stadia bereits einige neue Blockbuster - darunter "Cyberpunk 2077" - und auch Exklusivtitel angekündigt, spannend bleibt aber, ob die Gesamtmischung des Spieleangebots eine breite Masse an Spielern anspricht, die dann auch bereit ist, dafür regelmäßig um die 10€ im Monat zu berappen.