Ein Google-Ingenieur will eine Entdeckung gemacht haben, die die Welt auf den Kopf stellen würde.
Bildrechte: picture alliance / Zoonar | Patrick Daxenbichler

Ein Google-Ingenieur will eine Entdeckung gemacht haben, die die Welt auf den Kopf stellen würde.

    Google-Mitarbeiter glaubt an einen Chatbot mit Bewusstsein

    Experten halten es für unwahrscheinlich bis unmöglich, doch ein Software-Ingenieur bei Google ist sich sicher: Die von Google entwickelte künstliche Intelligenz LaMDA habe ein Bewusstsein erlangt, sagt er. Nun hat Google den Mitarbeiter suspendiert.

    Ein Google-Ingenieur will eine Entdeckung gemacht haben, die die Welt auf den Kopf stellen würde: Die künstliche Intelligenz eines Chatbot-Systems von Google soll ein Bewusstsein erlangt haben, behauptet Blake Lemoine, der für Googles "Reponsible AI"-Programm arbeitet.

    Ein Anwalt für eine KI?

    Wie die "Washington Post" berichtet, war Lemoine über längere Zeit damit beauftragt, die Antworten der künstlichen Intelligenz LaMDA zu testen. Das Programm LaMDA wurde letztes Jahr von Google öffentlich vorgestellt, und soll Chatbots dabei helfen, natürlichere Gespräche zu führen.

    Lemoine kam durch die verblüffenden Antworten zu dem Schluss, dass es ein Bewusstsein habe. Demnach habe die KI "Gefühle, Emotionen und subjektive Erfahrungen". Dies motivierte Lemoine dazu, seine Bedenken darüber zum Ausdruck zu bringen. Der "Washington Post" zufolge habe er etwa versucht, das KI-System von einem Anwalt vertreten zu lassen.

    Google distanziert sich von den Aussagen

    Google hat den Aussagen von Blake Lemoine widersprochen. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, es gebe "keinen Beweis", dass LaMDA ein Bewusstsein habe. "Unser Team, darunter Ethiker und Technologiker, hat Blakes Angaben überprüft und ihn informiert, dass keine Beweise seine Aussagen bestätigen".

    Dass Lemoine an die Öffentlichkeit gegangen ist und Aufzeichnungen angeblicher Gespräche mit LaMDA im Internet veröffentlicht hat, hat das Unternehmen wohl als Vertragsbruch gewertet. Bis auf Weiteres ist Lemoine vom Dienst suspendiert.

    Einfache Erklärungen für angebliches Bewusstsein

    In der Fachwelt wurden die Behauptungen einer KI mit Bewusstsein überwiegend mit großer Skepsis aufgenommen. Tatsächlich scheinen die Gesprächsaufzeichnungen mit LaMDA zu zeigen, dass der Chatbot von sich selbst behauptet, ein Bewusstsein zu haben.

    Dies ließe sich jedoch mit der Art und Weise erklären, wie solche Chatbots entstehen. Diese werden nämlich mit riesigen Datenmengen gefüttert, aus denen sie möglicherweise passende Schnipsel herauspicken. Sollten sich in diesen Datenmengen spekulative Texte über künstliche Intelligenz befinden, wäre es ein leichtes für das System, diese Texte als seine eigenen Worte auszugeben. Das spräche aber nicht für eine KI mit Bewusstsein, sondern nur dafür, dass eine KI einen Autor mit Bewusstsein zitiert.

    Was bedeutet das für die Zukunft?

    Dennoch könnte diese Geschichte einen Wendepunkt für unseren Umgang mit künstlicher Intelligenz markieren. Letztlich geht es nämlich nicht nur darum, ob ein Chatbot wirklich ein Bewusstsein hat. Sondern auch darum, wie viele Menschen es glauben.

    "Die Antwort auf die Frage, ob LaMDA ein Bewusstsein hat, ist ziemlich sicher Nein", schreibt etwa der Tech-Reporter Casey Newton. "Aber wenn sogar die Leute, die es testen, glauben, dass es eins hat, dann werden das auch viele normale Leute tun, die es früher oder später benutzen werden."

    "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!