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Google macht es kleinen Reparaturbetrieben schwer | BR24

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Selber reparieren war einmal. Also auf zum Handy-Doktor. Doch denen macht Google gerade den Garaus. Das Unternehmen blockiert ganz einfach deren Anzeigen. Ein Kommentar von Christian Schiffer.

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Google macht es kleinen Reparaturbetrieben schwer

Kleine Reparaturbetriebe dürfen auf Google keine Werbung mehr schalten - diese Regelung gilt seit kurzer Zeit. Anders werden kleine Unternehmen aber oft nicht gefunden. Eine Verbraucherschützer-Gruppe fordert jetzt ein Eingreifen der Politik.

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Wenn das Smartphone oder der Laptop kaputt geht, dann muss auch nach Ablauf der Garantie nicht gleich ein Neugerät her. Sein Gerät zur Reparatur zu bringen, ist in der Regel günstiger, umweltfreundlicher und unterstützt örtliche Betriebe. In letzter Zeit fühlen sich diese Unternehmen aber im Stich gelassen: Denn Google blockiert massenhaft Werbeanzeigen von Reparaturanbietern - dabei ist das für die Betriebe oft die beste Möglichkeit, Kunden auf sich aufmerksam zu machen.

Google blockiert Anzeigen von Reparatur-Shops

Bereits letztes Jahr hat Google diesen Schritt angekündigt: Man wolle die Verbraucher "vor irreführenden, unangebrachten und schädlichen Anzeigen schützen", hieß es in einer Pressemitteilung. Grund ist wohl auch, dass Google seit Jahren mit zahlreichen Fake-Einträgen auf Google Maps zu kämpfen hat. Im Kampf gegen die ist das Unternehmen aber wohl über das Ziel hinausgeschossen. In den aktuellen Werberichtlinien heißt es:

Werbung für Folgendes ist nicht zulässig: Durch Drittanbieter geleisteter technischer Support für Produkte und Onlinedienste im Bereich "Verbrauchertechnologie". Auszug aus den aktuellen Google-Werberichtlinien

Als "Drittanbieter" gelten theoretisch alle nicht von einer Hersteller-Firma autorisierten Reparateure. Sich autorisieren zu lassen, kann für ein kleines Unternehmen jedoch kostspielig sein - zudem verliert man seine Unabhängigkeit.

Im Netz häufen sich die Fälle von Betroffenen: "Wir schalten seit Jahren Werbung für unseren Reparaturladen. Jetzt wird die Anzeige plötzlich gesperrt", schreibt ein User in Googles Support-Forum. "Wir sind wirklich verzweifelt", schreibt ein anderer. "Und während wir das hier schreiben, gewinnen unsere Mitbewerber neue Kunden. Irgendwie verzerrt das den Wettbewerb, die Chancen und die Möglichkeiten."

Verbraucherschützer fordern die EU zum Eingriff auf

Googles neue Richtlinie gilt weltweit - nicht nur in Deutschland. Kritiker sehen deshalb ihre beste Chance darin, an die EU zu appellieren. Die Gruppe "Runder Tisch Reparatur" richtet sich in einem offenen Brief unter anderem an EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Die Gruppe fordert, "Googles Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung" zu verbieten. Schon in der Vergangenheit ist Google für die Ausnutzung seiner Marktmacht abgemahnt worden. Erst letztes Jahr hat die EU-Kommission eine Milliardenstrafe gegen Google verhängt.

"Google hat nicht das Recht, den Markt zu regulieren", sagt Christine Ax, Vorstandsmitglied des Runden Tisches Reparatur. "Es ist existenzgefährdend für Tausende von Werkstätten in Deutschland, die gut reparieren, die mit Leidenschaft reparieren."

Bleibt Google hart?

Google hat sich zu den Widerständen bislang, auch auf Anfrage von BR24, nicht geäußert. Ob das Unternehmen trotz Druck an seiner harten Richtlinie festhält, ist noch nicht abzusehen. Das Unternehmen hat wohl durch sein Handeln auch keinen Wettbewerbsvorteil. Hardware ist nämlich für Google nur ein verschwindend geringer Teil des Umsatzes.