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Google-Gründer danken ab | BR24

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Ein Sonntag 1998: Zwei 25-jährige kalifornische Studenten beginnen, das Internet umzugraben. Sie fragen sich: Wie kann man das Netz am effektivsten durchsuchen?

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Google-Gründer danken ab

Mit dem Rückzug der Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin endet bei dem Internet-Giganten eine Ära. Dem neuen Konzernchef steht ein anspruchsvoller Wechsel bevor.

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Im US-Wirtschaftsfernsehen löste der Rücktritt der beiden Google-Gründer den Breaking-News-Fall aus. Alle Kommentatoren waren sich einig: Hier geht eine Ära zu Ende.

Vor 21 Jahren starteten die beiden heute 46-jährigen Stanford-Studenten das vielleicht einflussreichste Unternehmen des Internets. Ihre Namen sind gleichzusetzen mit den Gründern von Microsoft und Apple, Bill Gates und Steve Jobs.

Ein Wegbegleiter aus Studienzeiten an der Elite-Uni Stanford im Silicon Valley wertet den Abschied als das Ende eine Ära: "Page wird eindeutig in die Geschichtsbücher eingehen", sagte Dan Niles, der heute als Investor tätig ist, gegenüber dem US-Wirtschaftssender CNBC. "Page ist ein Visionär. Es gibt nur wenige Menschen, die eine Firma gegründet haben, deren Namen zum Verb wird – googeln. Er war aber in den vergangenen Jahren kaum mehr im aktiven Geschäft involviert."

Rückzug unter dem Alphabet-Mantel

Und das hat seinen Grund. Vor vier Jahren hat sich der Konzern eine neue Struktur gegeben und als Mutterkonzern Alphabet ganz oben platziert, mit Page als CEO und seinem Mitgründer Sergey Brin als Präsident ohne näher spezifizierten Aufgabenbereich. Damit haben sich die beiden quasi aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen.

Alphabet besteht seither aus vielen Einzelunternehmen und kommt auf insgesamt etwas mehr als 100.000 Mitarbeiter. Das Tochterunternehmen Waymo zum Beispiel beschäftigt sich mit selbstfahrenden Autos, die Tochterfirma Verily mit Biotechnologie. Das wichtigste ist und bleibt aber die Suchmaschine Google. Sie ist der Geldbringer.

Eigentlich sei Alphabet als eine Art Struktur für die anderen Unternehmen gedacht gewesen, die miteinander auf Augenhöhe agieren sollten, erklärt Michael Bergen. Er beobachtet den Alphabet-Konzern für den Wirtschaftsdients Bloomberg. "Google war gleichauf mit Waymo oder Verily. Nun steht plötzlich der Google-Chef über den anderen Chefs der Einzel-Unternehmen. Das ist etwas komisch. Das muss das Unternehmen nun zügig lösen, es ist eine ungeklärte Frage."

Google: Pichai rückt an die Konzernspitze

Mit der Beförderung des 47-jährigen Sundar Pichai, der aus dem Süden Indiens stammt, kommt nun ein Mann an die Spitze des Konzerns, der bislang eher einen Ruf als Techie und Geek hatte. Pichai musste in den vergangenen Monaten allerdings mehr und mehr Aufgaben von Page übernehmen. Zuletzt hatte er sogar die Quartalskonferenzen von Alphabet geleitet. Ein Indiz dafür, dass vor allem CEO Page die Lust an Google verloren hat.

Wirtschaftsexperte Bergen sieht das als große Herausforderung für Nachfolger Pichai. "Als er vor vier Jahren die Leitung von Google übernahm, kümmerte er sich um Produkte, die Suche, das Android-Betriebssystem. Spannende, Technologie-Themen. Doch jetzt geht es viel mehr um politische Schlachten." Und genau das könnte mit ein Grund für den Rückzug der beiden Gründer sein.

Außerdem hat die offene Unternehmenskultur, die von Page und Brin gefördert wurde, zuletzt für Unruhe gesorgt. Viele Mitarbeitende haben Sexismus im Konzern angeprangert. Eine 90-Millionen-Dollar-Abfindung für Android-Erfinder Andy Rubin, dem sexuelle Nötigung vorgeworfen wurde, hat viele Google-Angestellten verärgert.

Das drängendste Problem für Pichai dürfte aber die Politik sein: Nicht nur die EU in Brüssel hat Google unter verstärkte Beobachtung genommen. Auch in Washington glauben inzwischen viele Politiker beider Parteien, dass Google zu groß und zu mächtig geworden sei.