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"Gewolltes Missverstehen": Seehofer beklagt Gamerszene-Shitstorm | BR24

© dpa/Christoph Soeder

Innenminister Seehofer sagt zur Gamerszene-Aufregung: Man habe ihn gewollt missverstanden.

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    "Gewolltes Missverstehen": Seehofer beklagt Gamerszene-Shitstorm

    Als Innenminister Seehofer nach dem Anschlag von Halle die Gamerszene ins Visier nahm, war die Empörung groß. Nicht nur in sozialen Medien, auch in seiner CSU wurde Kritik laut. Nun klagt Seehofer: Man habe ihn gewollt missverstanden.

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    Vom Otto-Normal-Computerspieler über den Youtuber Rezo bis hin zum CSU-Parteifreund Markus Söder: Das Echo auf Horst Seehofers Aussagen zur Gamerszene, die er nach dem Anschlag von Halle stärker behördlich beobachten lassen möchte, war breit und weitgehend kritisch.

    Seehofer (CSU) selbst erkennt darin Methode: Gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" sprach er angesichts der Kritik und des Netz-Shitstorms von "gewolltem Missverstehen", das zur beliebten politischen Vorgehensweise geworden sei.

    Seehofers Simulationen

    Er habe nur darauf hinweisen wollen, dass die Gamer benutzt würden:

    "Wir bekämpfen Verbrecher und Rechtsextremisten und nicht die Bürger und nicht die Gamer." Innenminister Horst Seehofer, Ausgburger Allgemeine

    Diejenigen, die die Computerspieler benutzen, wolle man aus der Szene herausholen, so Seehofer jetzt.

    Tatsächlich hatte Seehofer am vorvergangenen Sonntag wissen lassen: "Wir sehen, dass Rechtsextremisten das Internet und auch Gaming-Plattformen als Bühne für ihre rechtswidrigen Inhalte missbrauchen.“ Die von Seehofer nun monierte Kritik richtete sich allerdings weniger gegen dieses Zitat als vielmehr gegen Aussagen, die er einen Tag zuvor gegenüber dem "Bericht aus Berlin" gemacht hatte.

    Dabei hatte Seehofer sich mit mit Blick auf den Anschlag in Halle folgendermaßen ausgedrückt: "Das Problem ist sehr hoch. Viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern kommen aus der Gamerszene. Manche nehmen sich Simulationen geradezu zum Vorbild. Man muss genau hinschauen, ob es noch ein Computerspiel ist, eine Simulation - oder eine verdeckte Planung für einen Anschlag. Und deshalb müssen wir die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen."

    Kritik vom eigenen Parteichef

    Das klang für viele Computerspiele-Fans wohl nach den Killerspiel-Debatten der 90er- und 2000er Jahre. Viele kritisierten Seehofers Aussage daher als zu pauschal oder gar als Manöver, um von der Problematik rechtsextremer Gewalt abzulenken. Ebenso kam von Politikern der Opposition aber auch aus der CSU Kritik an den Aussagen.

    CSU-Chef Markus Söder sagte etwa: "Jede negative Entwicklung muss gesehen werden. Andererseits ist aber auch klar, dass es keine Pauschalurteile geben kann. Denn die Gamer, und das sind viele, viele junge Leute, die machen da großartige Sachen."

    Experten: Gibt ein Problem in der Szene

    Bei seiner später konkretisierten Kritik an den Plattformen der Gamer geben einige Computerspiele-Experten dem Innenminister im Übrigen recht: So gibt es etwa laut dem Computerspiel-Journalist Christoph Huberts sehr wohl ein rechtsextremes Problem in der Gamerszene.

    Dies liege demnach allerdings eben nicht in den Inhalten der Spiele (oder "Simulationen"), als vielmehr in der Kommunikation der Gamer untereinander. "Es fehlt der Spielekultur ein breiter und öffentlich formulierter Konsens über demokratische Werte", sagte Huberts gegenüber BR24. So bleiben demnach rechtsradikale Äußerungen und Provokationen in Gamer-Foren, Chats oder Netzwerken oft unwidersprochen. Rechtsextreme nutzen die Plattformen daher teils zur Ansprache junger Menschen.