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Gesundheitsgefahren von 5G - berechtigte Sorge oder Hysterie? | BR24

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Schneller, leistungsfähiger, zuverlässiger: 5G soll den Mobilfunk revolutionieren und ganz neue Anwendungen ermöglichen. Doch viele Bürger sorgen sich vor den gesundheitlichen Auswirkungen der Technologie. Doch was sagt die Wissenschaft?

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Gesundheitsgefahren von 5G - berechtigte Sorge oder Hysterie?

Schneller, leistungsfähiger, zuverlässiger: 5G soll den Mobilfunk revolutionieren und ganz neue Anwendungen ermöglichen. Doch viele Bürger sorgen sich vor den gesundheitlichen Auswirkungen der Technologie. Doch was sagt die Wissenschaft?

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In München kann man mittlerweile mit im Netz der Deutschen Telekom schon mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G telefonieren. "Mobiles WLAN“ wird es oft auch genannt, innerhalb kürzester Zeit kann man damit ganze Kinofilme herunterladen, einfach so, auch von unterwegs. Und trotzdem sind die bayerischen Bürgermeister sind hin und hergerissen. Viele hätten gerne flächendeckend 5G in ihren Gemeinden – doch bei manchen Bürgern regt sich Widerstand. Sie haben Angst vor Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, aber auch vor Krebs.

Behörde gibt Entwarnung

Doch das Bundesamt für Strahlenschutz gibt Entwarnung: "Die Welle 5G nutzt Frequenzen, die auch schon bei den bisherigen Mobilfunkgenerationen eingesetzt worden sind“, sagt die Sprecherin der Behörde, Nicole Meßmer. 5G soll also zunächst in Frequenzbereichen eingesetzt werden, bei der die Wirkung auf den Körper schon länger bekannt ist, etwa von LTE oder dem noch älteren 3G-Standard. Diese eher niedrigen Frequenzen bezeichnet man als "Bereich 1“ für 5G. Die Frequenzen in diesem Bereich erwärmen den Körper. Sprich: Wer länger mit seinem Smartphone telefoniert hat irgendwann ein heißes Ohr. "Viel wichtiger als die Frage, was der Sender letztendlich aussendet, ist die Frage, wie ich selbst mein Handy nutze“, sagt etwa Carolin Herr, Umweltmedizinerin am Landesamt für Gesundheit in München.

Das ist das erste Zwischenfazit: Ein Teil der Frequenzen, die 5G zukünftig nutzen wird, sind demnach gesundheitlich unbedenklich. Und: Das Smartphone selbst hat einen größeren Einfluss als der einzelne Sendemast – weil man den Sendemast ja nicht direkt am Körper trägt. Mit zunehmender Entfernung wird die Strahlung nämlich schnell schwächer. Manche Experten empfehlen deswegen mit Headsets zu telefonieren, damit man das Smartphone nicht direkt ans Ohr hält. Es ist zudem ratsam, beim Telefonieren auf guten Empfang zu achten, weil bei schlechtem Empfang die Strahlung größer ist.

Studie mit Fragezeichen

Vor einigen Jahren gab es allerdings Untersuchungen zum Mobilfunk, die für Aufregung gesorgt haben: Forscher konnten in Tierstudien ein mögliches Krebsrisiko durch Handystrahlung zeigen. Die bekannteste Untersuchung ist die sogenannte NTP-Studie des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums. In ihr haben männliche Ratten vermehrt bösartige Tumore bekommen. Nicole Meßmer vom Bundesamt für Strahlenschutz hält die Studie zwar für gut gemacht, hat aber noch viele Fragen:

„Allerdings, und da setzt auch unsere Kritik an, ist das Problem der Studie, dass die Mäuse und Ratten im Tierversuch tatsächlich deutlich höheren Strahlungsintensitäten ausgesetzt worden sind, als das im Alltag der Fall ist.“ Nicole Meßmer, Bundesamt für Strahlenschutz

Darüber hinaus sei merkwürdig, dass nur männliche Ratten diese Tumore am Herzen entwickelt hätten, nicht aber die weiblichen Ratten und auch nicht die Mäuse. Und: die Tiere in der Kontrollgruppe, die gar keine Strahlung abbekommen haben, sind früher gestorben als die, die bestrahlt wurden. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Mobilfunkstrahlung das Leben verlängert – das kann wohl kaum stimmen. Überraschend: Zwei Studien konnten im Tierversuch unabhängig voneinander zeigen, dass Mobilfunkstrahlung möglicherweise das Wachstum eines schon bestehenden Tumors anregen kann. Woran das aber liegen könnte und ob das auch für Menschen zutrifft, konnte bislang nicht geklärt werden.

5G: Es bleiben offene Fragen

Und für 5G sind noch nicht alle Fragen abschließend beantwortet. In den nächsten Jahren sollen höhere Frequenzen genutzt werden, die bislang noch nie für Mobilfunk verwendet wurden und über deren Wirkung man wenig weiß. Trotzdem geht die Umweltmedizinerin Carolin Herr davon aus, dass sich die sich die gesundheitliche Situation nicht verschlechtern wird: "Bei diesen Feldern kann man dann davon ausgehen, dass sie aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften noch weniger tief in den menschlichen Körper eindringen können, als das die jetzigen Felder können,“ so Herr. Betroffen sind dann wohl nur die Haut und die Augen. Wie genau sich die hochfrequente Strahlung auswirkt, müssen Forscher allerdings noch klären.

Das Fazit:

Nach allem, was wir derzeit wissen, müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Sorgen vor Mobilfunkstrahlen haben – auch nicht vor denen durch 5G. Fest steht aber auch, dass Forschungsbedarf besteht, sobald höhere Frequenzbänder zum Einsatz kommen.

Mehr über 5G und die vermeintlichen Risiken von 5G hören Sie in der Sendung IQ – Wissenschaft und Forschung, die Sie auch als Podcast abonnieren können.