BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Geheimdienste fordern Hintertür zu verschlüsselter Kommunikation | BR24

© picture alliance / AP Images

Das amerikanische Justizministerium

1
Per Mail sharen

    Geheimdienste fordern Hintertür zu verschlüsselter Kommunikation

    Verschlüsselung ist wichtig für die Privatsphäre - soll aber Verbrecher nicht schützen. Mit dieser Begründung hat das Geheimdienstnetzwerk Five Eyes an Tech-Konzerne appelliert, ihnen einen Hintertür zu verschlüsselter Kommunikation zu gewähren.

    1
    Per Mail sharen

    Die Staaten des Geheimdienstnetzwerks “Five Eyes” (Fünf Augen) haben an die Tech-Branche appelliert, ihnen für die Strafverfolgung den Zugriff auf verschlüsselte Inhalte zu ermöglichen.

    Der Gruppe der “Five Eyes” gehören die USA, Kanada, das Vereinigte Königreich, Australien und Neuseeland an, deren Geheimdienste besonders eng miteinander kooperieren. Unterzeichnet wurde die Erklärung zudem von Indien und Japan.

    Geheimdienste: Unternehmen können wegen Verschlüsselung keine Verstöße erkennen

    Zwar erkennen die Geheimdienste an, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eine wichtige Rolle beim Schutz der Privatsphäre im Netz spiele. Zugleich stelle sie aber aus zwei Gründen eine “erhebliche Herausforderungen für die öffentliche Sicherheit dar”, heißt es in der gemeinsamen Erklärung, die am Sonntag auf der Seite des US-Justizministeriums veröffentlicht wurde.

    Zum einen, weil die strikte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung es Unternehmen wie Facebook erschweren würde, selbst Verstöße gegen seine Nutzungsbedingungen zu erkennen und darauf zu reagieren. Als Beispiele werden sexueller Ausbeutung und sexueller Missbrauch von Kindern, Gewaltverbrechen, terroristische Propaganda und Angriffsplanung genannt. Zum anderen, weil sie es den Strafverfolgungsbehörden unmöglich mache, auf kriminelle Inhalte zuzugreifen, selbst dann, wenn es eine rechtmäßige Befugnis dazu gebe.

    Zugriff auch auf Geräte und Anwendungen gewünscht

    Konkrete Dienste werden nur einmal erwähnt: Der Facebook Messenger spiele bei der Verbreitung von Kindesmissbrauch-Inhalten eine große Rolle. Die sieben Regierungen forderten Zugriff nicht nur auf die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Instant-Messaging-Anwendungen, sondern auch auf verschlüsselte Geräte, benutzerdefinierte Anwendungen und Cloud-Plattformen.

    Die Regierungsvertreter appellierten an die Unternehmen, den Strafverfolgungsbehörden bei Bedarf die betreffenden Inhalte in einem "lesbaren und nutzbaren Format" zugänglich zu machen. Die Five Eyes haben bereits 2018 und 2019 ähnliche Appelle an die Internetbranche gerichtet, in denen sie fordern, ihnen eine Hintertür zu verschlüsselten Inhalten zu öffnen.

    Auch Rat der EU sieht Verschlüsselung kritisch

    Der Wunsch nach einem Zugriff auf verschlüsselte Inhalte ist nicht nur auf die Five Eyes beschränkt. Im Oktober 2019 gaben die USA und der Rat der Europäischen Union (Runde der Staats- und Regierungschefs) eine gemeinsame Erklärung heraus, derzufolge die Verwendung von Verschlüsselung durch Kriminelle die Fähigkeit der Strafverfolgungsbehörden beeinträchtigt, die Öffentlichkeit zu schützen.

    Kritiker befürchten, dass ein institutionalisierter Weg für Staaten, an verschlüsselte Nutzerdaten zu gelangen, die Sicherheit und Privatsphäre aller Nutzer und der Wirtschaft gefährden würde.