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Deepfakes: Programm zieht Frauen auf Fotos virtuell aus | BR24

© pa/dpa/Julian Stratenschulte

Deepfakes können Menschen zum Opfer von Bloßstellungen, Rufschädigung und Epressung machen.

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Deepfakes: Programm zieht Frauen auf Fotos virtuell aus

Bei Telegram wurde ein Programm entdeckt, das aus normalen Fotos Nacktbilder fakt. Besonders Frauen aus der eigenen Umgebung werden virtuell entkleidet. Was für manchen nach Dumme-Jungen-Streich klingen mag, ist keineswegs harmlos - und oft strafbar.

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Manch Älterer erinnert sich vielleicht: Als Handys noch keine Smartphones waren, boten findige Geschäftemacher sogenannte Nacktscanner an, meist als Teil von sogenannten "Sparabos". Natürlich waren die fünf Euro Wochenbeitrag fürs Abo vergeblich. Der Scanner war nur ein "Spaßprogramm", das ein Standard-Unterwäsche-Foto zeigte, wenn man die Kamera auf jemanden richtete.

15 Jahre später sind wir dem, was der Nacktscanner versprach deutlich näher, wenn auch auf technisch ganz andere Art und Weise. Dafür jedoch mit den nahezu gleichen unangenehmen Folgen für Betroffene, wie sie ein echtes Klamotten-Durchleuchtungsgerät hätte.

Simples Programm ermöglicht virtuelles Ausziehen

Die digitale Sicherheitsfirma Sensity hat im Messengerdienst Telegram - der zuletzt vor allem als Heimat von Corona-Verschwörungstheoretikern zu Berühmtheit gelangte - einen Deepfake-Bot aufgespürt, der Frauen per Künstlicher Intelligenz virtuell auszieht.

Die Nutzung ist laut Bericht des Unternehmens denkbar einfach: Der Telegram-Nutzer lädt ein Foto einer Person hoch und der Bot spuckt nach kurzer Wartezeit ein Nacktfoto aus. Das Fälschen von Fotos wird so deutlich einfacher als es mit Bildbearbeitungsprogrammen wäre, die man erst einmal besitzen und bedienen können müsste.

Programm funktioniert nur bei Frauen

Das vom Bot gefertigte Foto kann der Nutzer dann direkt, etwa bei Telegram, teilen und/oder herunterladen. Zunächst sind die Bilder mit Wasserzeichen zu sehen. Die kann man für wenige Euro Gebühr jedoch entfernen lassen.

Das Ganze funktioniert dem Bericht zufolge nur mit Bildern von Frauen. Das Programm scannt, offenbar mit Hilfe eines Programmes namens DeepNude, den Körper der Frau auf dem hochgeladenen Foto und bastelt dann selbst ein möglichst realistisches Nacktfoto. Laut dem US-Portal "The Verge" sind viele der Fotos leicht als Fakes erkennbar, teils kämen jedoch auch Bilder heraus, die man durchaus für echt halten könne.

Wohl vor allem Frauen aus Bekanntenkreis betroffen

Die Nutzer der App stammen laut den Erkenntnissen von Sensity mehrheitlich aus Russland und anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Jedoch sind auch Nutzer aus Deutschland und anderen Ländern von Westeuropa und den USA zu finden.

Von den Fakes betroffen sein, dürften laut Schätzungen des Berichts mehr als 100.000 Frauen. Eine Umfrage in einer mit dem Bot zusammenhängenden Telegram-Gruppe zeigt, dass vor allem Frauen aus dem Umfeld der Nutzer über den Bot entkleidet werden.

63 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, vor allem an Fake-Nacktbildern von Frauen interessiert zu sein, die sie im echten Leben kennen. Danach kommen Prominente und Models mit 16 beziehungsweise 8 Prozent. Untersuchungen von Sensity bestätigten diese Tendenz. Teils wird das Programm darüber hinaus auch genutzt, um Fake-Nacktfotos von Minderjährigen zu generieren.

Kein harmloser Streich, sondern Straftat

Auch, aber nicht nur deswegen zeigt sich, dass es sich bei dem Telegram-Bot nicht nur um ein kleines Spaß-Tool à la Jamba-Nacktscanner handelt. Täuschend echte Nacktbilder können letztlich in der Öffentlichkeit eine ähnliche Wirkung entfalten, wie echte Nacktfotos. So könnten solche Deepfakes eben auch für Erpressungen, Bloßstellung oder die öffentliche Rufschädigung einer Person genutzt werden.

Daher ist das Verbreiten solcher Fotos auch gleichermaßen illegal, wie das unerlaubte Verbreiten echter Nacktfotos, wie Julia Bussweiler, Staatsanwältin bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität, gegenüber BR24 bestätigt. Wer Fotos teilt, die dem Ansehen einer Person schaden können, macht sich strafbar. Geldstrafen und Freiheitstrafen bis zu zwei Jahren können drohen.

"Eine Unterscheidung, ob es sich dabei um echte oder künstlich erstellte Bilder handelt, wird dabei nicht vorgenommen, so dass auch sogenannte Deepfakes darunter fallen", erklärt Staatsanwältin Bussweiler. Ähnliches gilt im Bereich Kinderpornographie. So ist laut der Expertin auch der Besitz "wirklichkeitsnaher" kinderpornographischer Schriften strafbar. Darunter können auch Deepfakes fallen.

Opfern solcher Deepfakes rät sie in jedem Fall Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Das gilt im Übrigen natürlich auch, wenn echte Nacktfotos ungewollt veröffentlicht werden. Das Versenden solcher Fotos sollte man sich ohnehin, gerade auch als Jugendliche oder Jugendlicher, sehr gut überlegen.

© BR

Viele Daten, ein bisschen KI, umrühren und fertig ist das Fake-Video. Sogenannte "Deep Fakes" gelten als Gefahr für die Demokratie. Aber wie einfach ist es wirklich, ein solches Video zu produzieren? Der BR-Mitarbeiter Miro Weber hat es ausprobiert.

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