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Gefährliche Challenges: Achtung Hoax-Alarm! | BR24

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Ein Kettenbrief geistert durch die sozialen Medien. Die Challenges, die "Grusel-Goofy" aufgibt, könnten Kinder in Lebensgefahr bringen.

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Gefährliche Challenges: Achtung Hoax-Alarm!

Die Goofy-Challenge fordert Jugendliche zu gefährlichen Taten auf. Dabei handelt es sich um einen Hoax. Wir erklären, wie sich solche Challenges verbreiten - und wie man am Besten damit umgeht.

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Die "Ice Bucket Challenge" ist ein Stück Netzgeschichte geworden: 2014 ging die Herausforderung, sich einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf zu schütten und sich dabei zu filmen, im Netz viral. Jeder Teilnehmer nominierte drei weitere Personen, meist Freunde oder Bekannte, an der Challenge teilzunehmen. Die Aufrufe wurden vor allem über Whatsapp und Facebook verbreitet, die Beweis-Videos standen auf YouTube. Sogar Bill Gates und Mark Zuckerberg machten mit. Wer die Herausforderung nicht annahm, sollte 100 US-Dollar an die ALS Association zur Erforschung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) spenden. Auch in Deutschland war die "Ice Bucket Challenge" sehr verbreitet.

💡 Was ist ein "Hoax"?

Als "Hoax" bezeichnet man eine Falschmeldung, die sich im Internet verbreitet. Hierbei kann es sich um scherzhaft gemeinte Räuberpistolen handeln, aber auch um ausgefeilte Desinformationskampagnen. Ein Verbreitungsweg für Hoaxes sind Kettenbriefe, die früher per email verschickt wurden und nun immer häufiger über Messenger-Dienste wie etwa Whatsapp in Umlauf gebracht werden.

Neben dieser gut gemeinten Challenge gibt es jedoch auch Versionen, die an Mutproben erinnern und zu Handlungen aufrufen, die die Gesundheit gefährden können. Diese Challenges richten sich oft an Kinder und Jugendliche. Bei der "Salt and Ice Challenge" sollten sich TeilnehmerInnen einen Eiswürfel zusammen mit einer Prise Salz auf die Haut legen. Die chemische Reaktion führte bei vielen TeilnehmerInnen zu heftigen Kälteverbrennungen auf der Haut. Bei der “Tide Pod Challenge” wurde dazu aufgerufen, Waschmittelkapseln zu essen.

Gefährliche Challenges rufen zur Selbstverletzung auf

Gerade geht vor allem auf Whatsapp, Instagram und Tiktok ein Kettenbrief herum, der dazu aufruft, bei der so genannten "Goofy-Challenge" mitzumachen. Ein Account namens "Jonathan Galindo", der auf seinem Profilbild eine Maske trägt, die an den Comic-Hund Goofy erinnert, schickt vor allem Kindern und Jugendlichen Anfragen.

Wer diese akzeptiert, bekommt einen Link zu einer Seite, die zu einer Reihe von Challenges aufruft, die innerhalb von 50 Tagen erledigt werden sollen. Diese fangen harmlos an, werden immer schwieriger und gipfeln in Aufforderungen, sich selbst zu verletzen - was unter Umständen lebensgefährlich sein kann.

Gefährliche Challenges sind meistens ein Hoax

Die Goofy-Challenge erinnert stark an die "Blue Whale-Challenge", die sich 2017 von Russland nach Zentraleuropa verbreitete. Auch hier bekamen Jugendliche Aufforderungen, zur Selbstverletzung, die im Aufruf zum Suizid gipfelten.

Bei der Momo-Challenge gab sich der Verfasser des ursprünglichen Kettenbriefs als Geist Momo aus und drohte den Empfängern, dass etwas Schlimmes passieren würde, wenn sie die Nachricht nicht an mindestens 15 Kontakte weiterleiten würden.

Gemeinsam haben alle drei Fälle, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass sie wirklich "gespielt" werden. Es handelt sich also höchstwahrscheinlich um Hoaxes. Das gilt auch für Meldungen, dass sich Menschen, die an einer solchen Challenge teilgenommen haben, das Leben genommen haben.

Meldungen über Suizide sind falsch

So musste die Polizei Unterfranken vergangene Woche auf Facebook das Gerücht dementieren, dass es im Raum Aschaffenburg im Rahmen der "Goofy-Challenge" zu fünf Selbstmorden von Kindern gekommen sein soll.

Bei der Blue Whale Challenge kursierte die Falschmeldung, dass der Selbstmord von über 130 Teenagern zwischen November 2015 und April 2016 mit dem "Spiel" in Verbindung stehe.

Obwohl es sich hier also um Hoaxes handelt, können gerade Kinder, die zur Zielgruppe solcher Challenges zählen, Angst bekommen. "Auch wenn von dieser angeblichen Challenge keine reale Gefahr ausgeht, so ist doch die Angst von Kindern und Jugendlichen vor der gruselig aussehenden Figur echt. Kindern und Jugendlichen sollte unbedingt vermittelt werden, dass es keinerlei Grund gibt, sich vor dieser Figur zu fürchten", heißt es auf einer Informationsseite der EU-Medienkompetenz-Initiative Klicksafe zu den aktuellen Falschmeldungen zu gefährlichen Challenges.

Aufmerksamkeit für Challenges zieht Trittbrettfahrer an

Obwohl es nicht allzu schwer zu verstehen ist, dass solche Challenges meistens ein Hoax sind, bekommen sie immer wieder eine große Aufmerksamkeit. Zum einen durch die Berichterstattung von Medien. “Solche Challenges sind ein boulevardeskes Thema, das sich gut eignet, um Klicks zu generieren”, sagt Martin Bregenzer von Klicksafe zu BR24.

Auch Nutzer von Messengern und sozialen Netzwerken würden das Thema größer machen als nötig, indem sie es dort kommentieren. Beide Phänomene - Medienberichterstattung und Nutzerkommentare - würden wieder Trittbrettfahrer anziehen, die sich - um bei der "Goofy-Challenge" zu bleiben - einen Account mit einer Abwandlung des Namens “Jonathan Galindo” anlegen und das fragwürdige Spiel so weitertreiben.

Im Zusammenhang mit der "Goofy-Challenge" warnte kürzlich auch das Bayerische Landeskriminalamt auf Facebook:

"Panikmache in sozialen Netzwerken oder auch im realen Leben bewirken erst, dass solche Challenges zum Hype und somit verbreitet werden. Wir raten daher dringend davon ab, entsprechende Meldungen unreflektiert zu teilen!" Bayerisches Landeskriminalamt

Challenges verbreiten sich regional unterschiedlich stark

Mutproben unter Jugendlichen hat es auch schon im Prä-Internet-Zeitalter gegeben. Auch Martin Bregenzer glaubt nicht, dass die Zahl von gefährlichen Challenges durch das Netz zugenommen hat, allerdings würden sie sich über die sozialen Netzwerke eben schneller verbreiten: "Was früher nur im Freundeskreis stattfand, verbreitet sich heute schnell über Ländergrenzen."

Die Verbreitung sei aber in jedem Fall anders gelagert. Die Blue Whale-Challenge habe sich von Russland aus verbreitet, aber nicht auf der ganzen Welt gleich. "Die aktuelle 'Goofy-Challenge' ist von den USA nach Europa geschwappt. Im deutschsprachigen Raum hat sie sich sehr stark verbreitet, in anderen europäischen Ländern war das nicht so stark ausgeprägt", erklärt Bregenzer.

Geringere Reichweite für Nachahmer-Challenges

Allerdings gibt es möglicherweise einen Lerneffekt: Je mehr solche gefährlichen Challenges früheren Challenges nachempfunden sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass junge Leute darauf hereinfallen.

So sieht es die amerikanische Medienkompetenz-Expertin Anne Collier. Die "Goofy-Challenge" sei eine Abwandlung von "Blue Whale" und "Momo" und habe schon nicht mehr so viel Reichweite wie die beiden anderen Hoaxes erzielt. "Wenn wir einmal etwas gelernt haben, können wir es nicht mehr verlernen. Wenn wir einmal einen viralen Hoax gesehen haben, fallen wir auf den nächsten nicht mehr herein", schreibt Collier in ihrem Blog.

Martin Bregenzer sieht das ähnlich: Es könne gut sein, dass die Resonanz bei solchen Nachahmer-Challenges kleiner sei. Aber dann werde es vielleicht was anderes geben. "Denn Challenges kommen immer wieder auf, auch in Form von Kettenbriefen." Ob man das gutheißt oder nicht: Das Phänomen der Challenges gehört zur Internet-(Un-)Kultur dazu.

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