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Geben Datingapps wie Grindr intime Daten weiter? | BR24

© Alexander Pohl/Picture Alliance

In manchen Ländern könnten Nutzer der Datingapp Grindr Probleme bekommen.

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Geben Datingapps wie Grindr intime Daten weiter?

Sensible Daten wie sexuelle Orientierung oder Nutzerstandort landen bei Werbepartnern. Das soll bei der Datingapp Grindr passiert sein, wie norwegische Verbraucherschützer berichten. Aber auch andere populäre Apps wie Zyklusapps wurden untersucht.

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Dating-Apps wie Tinder und Grindr lassen persönliche Informationen an Tech-Firmen durchsickern. Dies verstoße möglicherweise gegen europäische Datenschutzgesetze, berichtete eine Verbraucherschutzgruppe aus Norwegen. Das Urteil, das der norwegische Verbraucherrat fällt, ist vernichtend:

„Diese Geschäftspraktiken sind vollkommen außer Kontrolle geraten und verstoßen gegen europäisches Recht.“ - Finn Myrstad, Norwegischer Verbraucherrat

Den Nutzern sei es nicht möglich, informierte Entscheidungen treffen zu können, was mit ihren persönlichen Daten passiert. Es geht um systematische Verstöße gegen Datenschutzregeln, wie sie die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) vorgibt. Seit fast zwei Jahren ist diese nun in Kraft.

Apps geben sensible Daten an Tech- und Werbefirmen weiter

Was ist konkret passiert? Die norwegischen Verbraucherschützer hatten „Mnemonic“ beauftragt – eine im Bereich Cybersicherheit tätige Firma – zehn Android-Apps zu untersuchen. Die Firma fand heraus, dass die Apps Daten an mindestens 135 verschiedene Drittdienste sendeten, darunter Informationen zu Werbung und Verhaltensprofilen. Betroffen sind u.a. Datingapps wie „Tinder“ und „Grindr“, aber auch die Periodenzyklus-Tracker-App „MyDays“.

Potenzielle Gefahr für Nutzer in einigen Ländern

Laut dem Bericht teilt MyDays etwa den Nutzerstandort mit Diensten, die mit verhaltensbasierter Werbung Geld verdienen. Gegen die Betreiber der Datingapp Grindr, die häufig von schwulen, bi, trans und queeren Menschen verwendet wird, haben die Verbraucherschützer sogar formelle Beschwerde bei der norwegischen Datenschutzbehörde eingereicht.

Von der App erhalten Dritte offenbar nicht nur Standortdaten der Nutzer, sondern auch Informationen über deren sexuelle Orientierung. Höchst sensible Informationen, die – sollten sie in falsche Hände geraten – die Nutzer solcher Apps gewissen Risiken aussetzt. Etwa in Ländern wie Pakistan, Saudi-Arabien oder Katar, wo einvernehmlicher Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern verfolgt wird und sogar mit der Todesstrafe sanktioniert bestraft kann.

Datingapp-Betreiber reagieren ausweichend

Auf Anfrage unserer Redaktion betonen die Datingapp-Betreiber Match Group (Tinder und OkCupid) und Grindr in allgemeinen Statements, dass sie Wert auf Datenschutz legen und sich deshalb innerhalb der Regeln der DSGVO bewegen würden:

„Unser Geschäft basiert nicht auf dem Verkauf von Nutzerdaten, sondern auf einem Abonnement-Modell und möchte Vertrauen und eine tolle Nutzererfahrung schaffen. […] Wir geben nur Daten weiter, die absolut notwendig sind, um unsere Plattform zu betreiben und sich im rechtlichen Rahmen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bewegen.“ -ein Sprecher von Match Group

„Datenschutz und Datensicherheit stehen für Grindr immer an oberster Stelle und werden es auch weiterhin tun. Wir informieren zum Beispiel alle Grindr-Nutzer detailliert über Änderungen in unseren Datenschutzerklärungen und bitten um deren Zustimmung. Außerdem implementieren wir gerade OneTrust, ein System, das den Nutzern in der App mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten gibt. Wie bisher können Nutzer individuell entscheiden, welche Informationen sie in ihren Profilen angeben möchten.“ – ein Sprecher von Grindr

Alternative Werbemodelle gesucht

Der norwegische Verbraucherrat fordert unterdessen, dass Firmen sich nach technologischen Alternativen zum derzeit dominierenden Onlinewerbungs-System umsehen, das auf dem Sammeln und der Weitergabe persönlicher Daten basiert.