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Gaia-X: Was bringt EU-Cloud, wenn Google und Amazon mitmischen? | BR24

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Wirtschaftsminister Altmaier

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    Gaia-X: Was bringt EU-Cloud, wenn Google und Amazon mitmischen?

    Eine europäische Cloud könnte ein Neustart für die hiesige IT-Branche sein, verbunden mit der Hoffnung auf besseren Schutz der Privatsphäre von Nutzern und der Daten von Unternehmen. Doch inzwischen sind viele US-Konzerne bei Gaia-X mit an Bord.

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    Von
    • Christian Sachsinger

    Europa fühlt sich oft zu abhängig von den USA und zunehmend auch von China, wenn es um das Internet geht. Das war der Beweggrund eine eigene Daten-Infrastruktur aufzubauen. Gaia-X ist ein Projekt angestoßen von Deutschland und Frankreich, umgesetzt von Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung und offen für weitere europäische Partnerländer. Bundeswirtschaftsminister Peter Almeier versprach im Sommer einen europäischen Moonshot in der Digitalpolitik. Und sein französischer Kollege Bruno Le Maire versprach eine rein europäische Cloud. In der Stiftung seien nur europäische Firmen und europäische Regierungen vertreten, so Le Maire.

    Cloudexpertise aus den USA gefragt

    Inzwischen sieht alles etwas anders aus. Die belgische Stiftung Gaia-X hat das Projekt von der Politik übernommen und führt es in Eigenregie weiter. Gut 160 Unternehmen und Verbände zählen zu den Gründern, darunter auch Cloud-Dienste aus aller Welt und Konzerne von der Nutzerseite, etwa die Deutsche Bank und Volkswagen. Vor allem die Autobranche dürfte an schnellen Fortschritten der europäischen Cloud interessiert sein, denn autonomes und auch teilautonomes Fahren ist auf massenweise Daten, etwa aus anderen Fahrzeugen oder von Navigations- und Kartendiensten angewiesen. Insofern ist die Expertise von außereuropäischen Cloud-Riesen nicht unwillkommen.

    Gaia-X als Datenschutzfeigenblatt?

    Und so sind mittlerweile viele US-Firmen wie, Microsoft, Google, Amazon Web Services (AWS) oder Microsoft mit an Bord. Auch Huawei und das amerikanische Datenanalyseunternehmen Palantir sind an dem Projekt beteiligt. Palantir arbeitet viel mit Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten zusammen, insbesondere in den USA. Wie sicher sind aber Daten von deutschen, französischen, italienischen oder schwedischen Nutzern und Unternehmen noch in dieser Cloud? Experten sind zumindest skeptisch. Christian Wölbert von Heise-Online sieht die Gefahr, dass Gaia-X zu einem Datenschutzfeigenblatt werden könnte. Firmen denen bislang wegen ihrer Einstellung zum Datenschutz mit Skepsis begegnet wird, könnten darauf verweisen, dass ihre Daten nun in der europäischen Cloud abgelegt werden und deshalb angeblich sicher sind.

    Regeln bei Gaia-X werden erst noch ausgehandelt

    Das zentrale Problem: US-Unternehmen können durch den 2018 in den USA erlassenen Cloud-Act gezwungen werden, Daten an US-Behörden weiterzugeben, auch wenn sie im Ausland gespeichert sind. Die Beteiligung großer Konzerne auch aus den USA an Gaia-X ist grundsätzlich vorgesehen. Bundeswirtschaftsminister Altmaier hatte mehrmals betont, dass auch Technologiekonzerne aus dem Ausland Angebote entwickeln sollten. Die müssten aber eben mit den Richtlinien der EU-Cloud konform seien. Laut dem bisherigen Konzept gibt es verschiedene Mindestanforderungen, um aufgenommen zu werden. So müssen sie den Kunden bei Gaia-X beispielsweise die Wahlmöglichkeit bieten, dass deren Daten nur in Europa gespeichert und verarbeitet werden. Noch sind die technischen Standards und die Regeln zum Speichern aber nicht endgültig formuliert. Man kann sich vorstellen, dass hinter den Kulissen heftig um die Details gerungen wird.

    Gaia-X ein trojanisches Pferd

    Die beiden französischen Open-Source-Unternehmer Stefane Fermigier und Sven Franck haben unterdessen eine deutliche Warnung formuliert. Ihrer Ansicht nach könnte sich Gaia-X am Ende als trojanisches Pferd für große Tech-Konzerne entpuppen. Das Projekt sei eine Bedrohung für die Gepflogenheiten und die Selbständigkeit Europas im Umgang mit Daten, so die Kritiker. Wann die genauen Regeln stehen und ob sie ausreichen werden, um Konzerne aus anderen Teilen der Welt einzubremsen, ist derzeit nicht absehbar.

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