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Gaia X soll Europa unabhängiger von US-Tech-Riesen machen | BR24

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Europa soll mit der Cloud-Lösung Gaia X unabhängiger von US-amerikanischen Tech-Riesen wie Amazon werden. Details dazu wurden heute auf dem Digital-Gipfel in Dortmund vorgestellt. Doch der Erfolg des Projekts ist keinesfalls sicher.

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Gaia X soll Europa unabhängiger von US-Tech-Riesen machen

Europa soll mit der Cloud-Lösung Gaia X unabhängiger von US-amerikanischen Tech-Riesen wie Amazon werden. Details dazu wurden heute auf dem Digital-Gipfel in Dortmund vorgestellt. Doch der Erfolg des Projekts ist keinesfalls sicher.

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Viele Unternehmen, aber auch Otto-Normal-Verbraucher benutzen schon heute mindestens eine Cloud. Das ist eine virtuelle Festplatte, mit der Daten gespeichert, aber auch geteilt werden können. Viele Smartphone-Nutzer sichern ihre Fotos bei einem Cloudspeicherdienst, Firmen und ihre Mitarbeiter teilen dort untereinander Dokumente und Dateien.

Bisher waren die User dafür meist auf amerikanische Dienstleister angewiesen wie Amazon, Google oder Microsoft. Sie alle bieten, vor allem für Firmen und andere Organisationen virtuellen Speicherplatz an. Beispielsweise nutzen auch deutsche Behörden wie die Bundespolizei solche US-Dienste, etwa um die Aufnahmen von Bodycams ihrer Beamten zu speichern.

Cloud-Projekt Gaia X vorgestellt

Mit dem Projekt Gaia X soll aber bald eine europäische Cloud-Alternative zu den US-Diensten entstehen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stellte Details zu diesen Plänen auf dem Digitalgipfel in Dortmund vor. Altmaiers Rede wurde von seinem Sturz von der Bühne überschattet, bei dem er sich einen Nasenbruch und eine Platzwunde zuzog. Neben Altmaier war fast die Hälfte des Bundeskabinetts beim Digital-Gipfel vor Ort, der seit gestern in der Dortmunder Westfalenhalle stattfindet. Über 1.000 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutieren über Digitalisierung, am Nachmittag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet.

Mehr Unabhängigkeit von US-Riesen

Im Cloud-Netzwerk von Gaia X sollen europäische Firmen gemeinsam mit Daten arbeiten können – und das unter europäischen Datenschutzstandards und ohne dass US-Konzerne (und damit mittelbar auch US-Behörden) darauf zugreifen können.

Eine solche unabhängige Infrastruktur kann beispielsweise von Bedeutung sein, wenn sensible Daten wie Krankheitsverläufe vieler Patienten zusammengeführt werden sollen, um daraus Erkenntnisse über die Behandlung einer Krankheit zu gewinnen.

Straffer Zeitplan

Gaia X soll schnell helfen. Auch wenn einige Details zur Umsetzung noch unklar sind, soll das Cloud-Netzwerk bereits Ende 2020 starten. Anders als die Privatunternehmen Amazon oder Google, soll das europäische Cloud-Netzwerk öffentlich sein, etwa in Form einer Europäischen Genossenschaft, die Beteiligung verschiedenster Partner ermöglicht.

Diese noch zu gründende Organisation soll Gaia X aufbauen und anschließend auch die Vernetzung der Unternehmen innerhalb der Cloud vorantreiben.

Microsoft skeptisch: Qualität muss stimmen

Von US-Konzernen, die bisher das Cloud-Speicher Geschäft dominieren, kommt Kritik an den Plänen. So werde laut der Chefin von Microsoft Deutschland, Sabine Bendiek, in Europa digitale Souveränität zu oft mit Autarkie vermischt. Sie empfiehlt smarte Partnerschaften mit nicht-europäischen Partnern statt EU-interner Lösungen.

Eine ernsthafte Alternative zu den Diensten der US-Firmen könne das europäische Projekt ohnehin nur werden, wenn es qualitativ und wirtschaftlich mit der Konkurrenz mithalten könne. Wenn das nicht funktioniere und Nutzer mit Schwächen leben müssten, werde das Projekt nicht erfolgreich sein, sagte Bendiek am Dienstag auf der Microsoft-eigenen "Explained"-Konferenz in Berlin.