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Für Opfer von Trollaktion bleibt YouTube unerreichbar | BR24

© Ulrich Tausend

Screenshot aus dem #Wellenbrecher-Video

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    Für Opfer von Trollaktion bleibt YouTube unerreichbar

    Die Aktion #Wellenbrecher setzt sich für die Corona-Warn-App und die Einhaltung von Hygiene-Regeln ein. Dann wird ihr YouTube-Video koordiniert von beleidigenden Kommentaren überrollt. Die Initiatoren wollen sich an Google wenden - erfolglos.

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    Abstand, Hygiene, Alltagsmasken: So lautet die "AHA"-Formel gegen Corona. Die Kampagne Wellenbrecher des Medienpädagogen Ulrich Tausend hat dem Ganzen noch ein weitere "A" hinzugefügt - für die Corona-Warn-App.

    Vor knapp einer Woche veröffentlichte sein Team ein Video zu der Kampagne, das auf Twitter unter dem Hashtag #wellenbrecher trendete. In dem Clip machen Prominente wie etwa Ex-Innenminister Thomas de Maizière, die SPD-Vorsitzende Saskia Esken oder der Comedian Tommy Krappweis mit.

    Troll-Aktion geht wohl auf Nachricht von Attila Hildman zurück

    Innerhalb von ein paar Stunden erreichte das Video auf YouTube Tausende Klicks, mittlerweile sind es knapp 30.000. Doch schnell begannen sich die beleidigenden Kommentare unter Video zu häufen. Der Initiator Ulrich Tausend und sein Team reagierten: Sie änderten die Einstellungen so, dass nur noch Kommentare sichtbar wurden, die sie vorher gelesen und freigeschaltet hatten.

    Zunächst glaubte Tausend noch daran, dass Bots das Video mit Beleidigungen und Drohungen bombardierten. Erst ein paar Tage später, als er die angesammelten Kommentare genauer untersuchte, stellte er fest, dass es sich wohl um eine konzertierte Aktion handelt. Inzwischen haben die Initiatoren der Wellenbrecher von vier verschiedenen Quellen bestätigt bekommen, dass die Troll-Aktion auf eine Nachricht des Kochs Attila Hildman in seiner Telegram-Gruppe zurückgeht, sagt Tausend. "Ein paar Leute hatten uns schon gewarnt, dass da möglicherweise eine Troll-Aktion auf uns zukommt", erzählt Tausend dem Bayerischen Rundfunk.

    YouTube reagiert bislang nicht auf die Support-Anfragen

    Abschalten kam aber nicht in Frage, sagt Tausend. Auch, um zu zeigen, was auf YouTube so geäußert wird. Stattdessen versuchte er sich an Google zu wenden, dem YouTube gehört. Per E-Mail ist YouTube allerdings für ihn nicht erreichbar. Denn: Um YouTube für Support zu erreichen, muss man Teil des YouTube-Partnerprogramms sein. Und dafür müssen bestimmte Kriterien eingehalten werden - unter anderem braucht man eine gewisse Zahl an Abonnenten. Bedeutet: Kanäle, die frisch auf YouTube sind, aber möglicherweise trotzdem eine große Reichweite haben, werden im Stich gelassen.

    Ulrich Tausend wurde irgendwann kreativ: "Ich habe dann ein Fax nach Dublin in die Zentrale geschickt. Ein Fax! Das wäre lustig, wenn es nicht so ernst wäre." Und auch darauf hat Tausend bisher keine Reaktion erhalten.

    "Ich finde es einen ziemlichen Skandal, wie sich ein Konzern so einmauern kann", sagt der Münchner. "Es kommen die Trolle und man kann nichts tun. Diese Hilflosigkeit muss für jemanden, den es persönlich trifft, extrem belastend sein."

    Wen trifft die Aktion?

    Sie selbst würden die Kommentare nicht so arg treffen, meint Tausend. Das, was dort geäußert werde, sei weitestgehend Kritik an der Sache, am Kollektiv und nicht allzu sehr auf persönlicher Ebene. Aber: "Ich will mir aber gar nicht vorstellen, was passiert, wenn es Leute persönlich trifft, die im Video mitgemacht haben - Minderjährige zum Beispiel." Dass er da keine Hilfe von Google bekommt, findet er unglaublich.

    Einige der Kommentare schalten Tausend und sein Team weiterhin frei. "Man darf gerne kritisch sein und das auch äußern. Nur faktisch falsche Informationen oder Beleidigendes gehören da nicht hin", findet er.