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Französisches Medien-Startup: Mit Enthüllungen anecken | BR24

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Bildrechte: picture alliance / Arnaud Beinat/MAXPPP/dpa | Arnaud Beinat

Die Video-Plattform "Disclose" ist ein Shootingstar in Frankreich, ihre Enthüllungen sorgen für Aufsehen. Etwa zum Export französischer Waffen an Kriegsparteien im Jemen, zu umweltzerstörenden Rodungen am Amazonas oder über Pädophilie im Sport.

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Französisches Medien-Startup: Mit Enthüllungen anecken

Die Video-Plattform "Disclose" ist ein Shootingstar in Frankreich, ihre Enthüllungen sorgen für Aufsehen. Etwa zum Export französischer Waffen an Kriegsparteien im Jemen, zu umweltzerstörenden Rodungen am Amazonas oder über Pädophilie im Sport.

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Von
  • Suzanne Krause
  • Sissi Pitzer

"Disclose" wurde vor zwei Jahren von jungen Journalisten und Reporterinnen gegründet, die Filme laufen beispielsweise auf Arte. Das Investigativ-Medium ist unabhängig und nicht profitorientiert, finanziert unter anderem durch Crowdfunding. Vorbild sind die Recherche-Plattformen "Correctiv" in Deutschland und "ProPublica" in den USA.

Aufgedeckt: Französische Waffen im Jemen

"Made in France" hieß die erste Reportage des jungen Mediums 2019 auf Arte. Es ging um "Caesar"-Kanonen, in Frankreich hergestellt, an Saudi-Arabien verkauft, im Jemen-Krieg gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt – was der offiziellen Politik Frankreichs entgegenläuft, die genau das verbietet.

Dass die Waffen In Le Havre gen Dschidda eingeschifft und wo sie dann eingesetzt wurden, hatte Disclose monatelang recherchiert, nachdem der Redaktion geheime Militär-Dokumente zugespielt worden waren. Offizielle Seiten stritten solche Lieferungen ab. "Wir greifen niemanden an, aber wir haben die Lügen der Regierung aufgedeckt", kommentiert Redaktionschef Geoffroy Livolsi. Das Parlament beschäftigte sich mit dem Fall, weitere Waffenlieferungen wurden gestoppt – ein Erfolg für Disclose.

Mehr Zeit für Recherche

Die zehnköpfige Redaktion beschäftigt sich aktuell mit Rodungen im Amazonas-Gebiet. Für den Soja-Anbau – daraus wird Tierfutter, das auch nach Frankreich geht. Man wähle sich ein großes Thema, das man monatelang intensiv verfolge, erklärt Mitgründer Mathias Destal. "Was uns am meisten interessiert, ist, Schwächen, Fehler im System zu enthüllen und weniger, eine einzelne Geschichte zu erzählen."

Die meisten in der Redaktion sind um die 30 Jahre alt und haben zuvor für renommierte französische Medien gearbeitet. Alle teilten die Erfahrung, dass im Redaktions-Alltag immer weniger Zeit und Mittel für Recherchen blieben. So entstand die Idee eines Investigativ-Mediums, unabhängig und Non-Profit-orientiert. Lanciert dank einer Crowdfunding-Aktion – die rasch 90.000 Euro einbrachte.

Spendenfinanziertes Non-Profit-Medium

Für manche Themen holt Disclose Partner an Bord: Zeitungen, Radios, TV-Sender. Das Konzept des spendenfinanzierten Investigativ-Mediums kommt an.

Besonders viel Resonanz gab es für eine Recherche über Pädophilie im Sport vor gut einem Jahr. "Die Recherche brachte 77 Affären in 28 Sport-Arten ans Licht, mit 276 Opfern, die meisten waren noch nicht mal 15 Jahre alt. Bislang wurden solche pädokriminelle Taten totgeschwiegen", lobte die Sportredaktion des Senders "Europe1" die Enthüllungen öffentlich. Seither hat die Justiz in 90 Fällen Ermittlungen aufgenommen, musste ein hoher Sportfunktionär den Hut nehmen, fassen die Opfer neuen Mut.

Recherchen zeigen Wirkung

Bei der NGO "Reporters sans frontières" in Paris war Disclose im letzten Jahr für den Pressefreiheits-Preis nominiert. Die Waffenhandel-Reportage erhielt schon zwei renommierte Medien-Auszeichnungen.

Kurz nach der Ausstrahlung der Waffenhandelsreportage "Made in France" hatte das Pariser Verteidigungsministerium Anzeige gegen die Autoren erstattet, der Inlands-Geheimdienst sie zum Verhör einbestellt. Das löste in Frankreich bei den wichtigsten Medien sowie Menschenrechtsvereinen einen solchen Aufschrei aus, dass das Verfahren eingestellt wurde.

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