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Finanztest: Handy-Bezahlfallen schnappen noch immer zu | BR24

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Handyfallen waren eigentlich kein Thema mehr. Doch jetzt gibt es neue Fälle.

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Finanztest: Handy-Bezahlfallen schnappen noch immer zu

Es passiert noch immer, dass KundInnen mit ihrem Handy Dinge untergejubelt bekommen, die sie gar nicht möchten. Oft schließen sie sogar Abos ab, ohne davon zu wissen. Dabei gibt es seit Februar klare Regeln für Mobilfunkunternehmen und Drittfirmen.

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Es geht ganz schnell: Man versucht eine auf dem Smartphone oder Tablet angezeigte Werbung wegzuklicken, doch anstatt die lästige Anzeige verschwinden zu lassen, hat man ein Spiel, eine App oder irgendetwas anderes gekauft, oder noch schlimmer: Man hat ein Abo abgeschlossen. Dass man einen Kaufvertrag eingegangen ist, erfährt man dabei erst auf der nächsten Handyrechnung, wo plötzlich ein zusätzlicher Posten auftaucht. Den Preis für die Ware oder das Abo teilen sich dann die Firma, die sie angeboten hat (=Drittanbieter) und die Mobilfunkgesellschaft (also zum Beispiel T-Mobile, O2, Vodafone, Congstar etc.), die für die Rechnungsabwicklung Geld verlangt.

Eigentlich gibt es klare Regeln

Um NutzerInnen vor solchen Bezahlfallen zu schützen, hatte die Bundesnetzagentur im Februar ein paar Hürden eingebaut, damit den Firmen das Abzocken nicht mehr so leichtfällt.

Besonders der Abschluss von Abonnements wurde erschwert. Hier müssen die Firmen das sogenannte Redirect-Verfahren anwenden. Das heißt, wenn Kunden bei einem Drittanbieter (der Abo-Firma) im Internet etwas bestellen, müssen sie auf die Internetseite des Mobilfunkunternehmens umgeleitet werden. Dort erst kann dann auf einen Button mit eindeutiger Aufschrift wie "zahlungspflichtig bestellen" gedrückt werden.

Bei einem Einzelkauf ist das Redirect-Verfahren zwar nicht verpflichtend. Wenn es die Drittanbieter, die ihre Apps oder Spiele loswerden wollen, nicht anwenden, müssen sie allerdings mehrere andere Sicherungsmechanismen einprogrammieren. Nutzer müssen also mehrmals, die Chance bekommen, zu dem Kauf "Nein" zu sagen. Theodor Pischke von der Zeitschrift Finanztest verfolgt und dokumentiert seit Langem unseriöse Handyangebote und die Beschwerden von erbosten KundInnen.

Firmen nutzen angeblich Grauzonen

Nachdem die Bundesnetzagentur die neuen Sicherungen im Februar verpflichtend eingeführt hatte, gingen solche Fälle erst einmal zurück. Inzwischen haben angeblich die Zahlen wieder zugenommen.

"Für Mobilfunkfirmen ist das Abrechnen von Drittanbieterleistungen (…) per Handy offenbar so attraktiv, dass sie weiterhin Grauzonen ausnutzen, um zu verdienen." Theodor Pischke von der Redaktion Finanztest

Mobilcom-Debitel und Klarmobil waren laut Finanztest genauso wieder in dubiose Abrechnungen verwickelt wie Vodafone oder Deutsche Telekom. Dabei wurden sogar Leistungen von eigenen Tochterfirmen verkauft und unsauber abgerechnet sowie Reklamationen abgeblockt.

Bundesnetzagentur will neuen Fällen nachgehen

Von einer neuen Abzock-Welle will man bei der Bundesnetzagentur nichts wissen. Konfrontiert mit den Vorwürfen der Finanztest-Redaktion, sagt Sprecher Fiete Wulff BR24, "nach Beobachtung der Bundesnetzagentur sind die neuen Regelungen von den Mobilfunkanbietern umgesetzt." Darüber hinaus würden Zweifelsfälle in aller Regel überaus kulant geregelt.

"Aus einzelnen Fällen, in denen Schwierigkeiten wegen der Abrechnung von Leistungen noch nicht geklärt werden konnten, lässt sich nicht schließen, dass die Regelungen nicht wirken." Fiete Wulff, Bundesnetzagentur

Verbraucher, die Probleme mit der Abrechnung über ihre Mobilfunkrechnung haben, können sich hier online an die Bundesnetzagentur wenden bzw. sich per Mail (an: rufnummernmissbrauch@bnetza.de) beschweren. (Tipp: keine Schlichtung beantragen, sondern Beschwerde einreichen, sonst wird man laut Finanztest aus formalen Gründen abgewiesen)

Ein paar grundlegende Tipps

Finanztest gibt konkrete Ratschläge, wie man bei Fällen, in denen eine Handy-Falle zugeschnappt hat, vorgehen sollte:

  • Rückforderung: Wenn Sie nichts bestellt haben, bezahlen Sie auf keinen Fall. Kündigen Sie auch nicht, denn was Sie nicht bestellt haben, brauchen Sie nicht zu kündigen. Bestreiten Sie vielmehr beim Drittanbieter, dass überhaupt ein Vertrag zustande gekommen ist und verlangen Sie das gesamte Geld zurück. Wenden Sie sich danach nicht erneut an diese Firma, sondern nur noch an Ihren Mobilfunkanbieter. Er muss sich um Reklamationen kümmern.
  • Bank: Sagt der Mobilfunkanbieter die Gutschrift nicht binnen zwei Wochen zu, lassen Sie den gesamten abgebuchten Rechnungsbetrag von Ihrer Bank zurückholen. Überweisen Sie dann nur den Betrag für die eigentlichen Telefonkosten – abzüglich des Gelds für Drittanbieter.
  • Keine Anrufe: Kommunizieren Sie nur schriftlich. Sparen Sie sich Anrufe beim Drittanbieter. Dort werden Sie abgewimmelt. Dies gilt oft auch für den Mobilfunkanbieter. Die Stiftung Warentest bietet einen Musterbrief Handy-Kostenfallen.

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