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FAQ: Das Wichtigste zur Corona-Warn-App | BR24

© BR/Johanna Schlüter

Zur Corona-Warn-App kann man einiges fragen - und zu wissen.

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    FAQ: Das Wichtigste zur Corona-Warn-App

    Was kann die Corona-Warn-App? Was kann sie nicht? Und was hat es mit den grünen Warnungen auf sich? Die Corona-Warn-App sorgt bei manchen Nutzern immer noch für Verwirrung. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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    Von
    • Thomas Moßburger

    Am 16. Juni 2020 wurde die Corona-Warn-App der Öffentlichkeit vorgestellt. Millionen Menschen haben seither das Programm heruntergeladen, aber zugleich nahm auch die Zahl der Fragezeichen zu. Wie risikoreich ist denn eine Risiko-Begegnung mit niedrigem Risiko? Was muss ich tun, wenn ich eine rote Warnmeldung in der App sehe? Und wir zuverlässig arbeitet das Programm? Wie versuchen etwas Licht ins Dunkle zu bringen.

    1. Was kann die Corona-Warn-App?

    Das tückische am Coronavirus ist, dass wir andere Menschen anstecken, ohne es zu wollen, weil wir zunächst gar keine Symptome haben. Ein Mittel, um die Verbreitung einzudämmen, ist es daher, Infizierten-Kontakte nachzuverfolgen. Die Kontaktpersonen können sich dann testen lassen und sich gegebenenfalls in häusliche Quarantäne begeben. So werden Infektionsketten unterbrochen mit dem Zeil, die Pandemie einzudämmen.

    Die Corona-Warn-App soll hier helfen. Bei dem Programm handelt es sich um eine sogenannte Contact-Tracing-App. Sie soll also Kontakte ihres Nutzers nachvollziehen.

    Das Prinzip basiert auf der Erkenntnis, dass Corona sich von Mensch zu Mensch überträgt und eine Ansteckung wahrscheinlicher wird, je weniger Abstand zwischen Menschen ist und je länger ihr Aufeinandertreffen dauert. Die App führt daher anonym Buch darüber, welches Handy sich wie lange sich in der Nähe eines anderen Handys befunden hat. Wenn Sie sich mit Corona infizieren, können Sie das in die App eintragen und alle Menschen warnen, denen Sie begegnet sind. Vorausgesetzt Sie und die anderen haben bei der Begegnung die App genutzt. Genauso können andere Sie bei einer Infektion warnen. Das funktioniert mittlerweile nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch in vielen weiteren EU-Staaten. Welche Länder dabei sind, erfahren Sie hier.

    Daneben sind zahlreiche Labore an die Infrastruktur der App angeschlossen, sodass Sie die App auch nutzen können, um sich ihr Corona-Testergebnis mitteilen zu lassen.

    2. Wie warnt mich die Corona-Warn-App?

    Falls Sie als App-Nutzer einem anderen App-Nutzer begegnet sind, der später positiv auf Corona getestet wurde, zeigt die App ihnen eine Warnung an. Da jedoch Kontakt nicht gleich Kontakt ist, gibt es Abstufungen:

    Niedriges Risiko ohne Risiko-Begegnung (grün): Zeigt die App Ihnen dieses Symbol an, haben Sie in letzter Zeit keinen Corona-Infizierten getroffen, der die App nutzt. Sie sollten ruhig bleiben und wie wieder die AHAL-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Lüften) beachten.

    Niedriges Risiko mit Risiko-Begegnung (grün): Zeigt die App einen oder mehrere Risiko-Begegnungen auf grünem Grund an, sind Sie in den letzten Tagen Corona-infizierten App-Nutzer begegnet. Allerdings war die Begegnung zum Beispiel sehr kurz oder auf relativ weite Entfernung, sodass eine Ansteckung unwahrscheinlich ist. Auch hier gilt: Bleiben Sie ruhig, halten Sie die AHAL-Regeln ein und achten Sie auf ihren Körper. Sollten Sie Symptome verspüren, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

    Erhöhtes Risiko (rot): Leuchtet die App rot und zeigt eine Risiko-Begegnung an, haben Sie einen Corona-infizierten App-User für längere Zeit und mit relativ wenig Abstand getroffen. Das macht eine Infektion wahrscheinlicher, aber natürlich ist das nicht sicher. Dennoch sollten Sie zunächst Zuhause bleiben, auf Kontakte verzichten und mit ihrem Hausarzt oder dem ärztlichen Bereitsschaftsdienst in Kontakt treten (Telefonnummer: 116117), um sich gegebenenfalls testen zu lassen. Mehr dazu, was Sie bei roter Corona-Warn-App-Warnstufe tun sollten, lesen Sie auch hier.

    3. Was kann die Corona-Warn-App nicht?

    Da die App möglichst datensparsam (mehr dazu unter dem Punkt „Wie sicher ist die Corona-Warn-App?“) funktionieren sollte und soll, schneidet sie die Kontakte nur über anonyme Kontaktschlüssel auf den Smartphones mit. Es wird folglich kein Bewegungsprofil erstellt oder ähnliches. Die App kann daher nicht sagen, wo sich ein Risikokontakt ereignet hat und wer dieser Risikokontakt war. Auch ein Zeitpunkt des Kontaktes wird nicht mitgeteilt.

    4. Kann jeder die Corona-Warn-App nutzen?

    Die Corona-Warn-App für den Großteil der gängigen Smartphones in Deutschland erhältlich. Sowohl Apple- als auch Android-User können Sie herunterladen und benutzen, sofern ihr Handy nicht zu alt ist. Mindestanforderungen sind Android 6.0 beziehungsweise Apples iOS 13.5. Handy, die älter sind als fünf Jahre, etwa das iPhone 6 werden somit nicht unterstützt, quasi alle neueren Geräte schon. Wer gar kein Smartphone hat, kann die App nicht nutzen.

    5. Wie funktioniert die Corona-Warn-App?

    Die Corona-Warn-App basiert auf der Bluetooth-Technologie. Die ist hierfür vielleicht nicht perfekt, aber in vielen Fällen hilfreich und nützlich. Das Bluetooth-Signal sendet nur wenige Meter weit, wie viele es wohl von Bluetooth-Kopfhörern kennen: Bewegt man sich damit zu weit vom Handy, bricht die Verbindung ab. Auf diesem Prinzip baut die App auf.

    Jeder App-Nutzer aktiviert sein Bluetooth dauerhaft. So kann seine Corona-App andere Handy mit der App erkennen, sobald sie in die Nähe kommen. Jede Begegnung zwischen Corona-Warn-App Nutzern wird mit anonymen Schlüsseln gespeichert, die sich noch dazu regelmäßig ändern, und je nach Länge und Abstand des Kontakts kategorisiert. Ist ein App-User nun infiziert, kann er sein Ergebnis in der App teilen und alle Nutzer, deren anonyme Schlüssel auf dem Handy gespeichert sind, erhalten eine Warnung über den Risiko-Kontakt. Das betrifft alle per App festgehaltenen Kontakte der vergangenen 14 Tage.

    Die App weiß nur, dass eine bestimmte Anzahl von Personen in den vergangenen Tagen in der Nähe Ihres Handys war. Sie kennt diese Begegnungen allerdings nur als verschlüsselte Codes, die wiederum auch nur auf dem Handy selbst gespeichert sind. Welcher Nutzer hinter welchem Code steckt, ist nirgends zentral gespeichert und daher für niemanden abrufbar.

    5. Wie sicher ist die Corona-Warn-App?

    Da die App quasi keine Daten sammelt oder speichert, die verwertbar sind, gilt die App als geradezu vorbildlich in Sachen Datenschutz. Wer da wen getroffen hat, lässt sich nicht nachvollziehen, da keine zentrale Speicherung der Daten erfolgt. Sensiblere Daten wie Standorte werden nicht erhoben.

    Dass diese Versprechen der Regierung zutreffen, kann jeder bei Github im Code der App überprüfen. Der ist nämlich öffentlich. Selbst Experten wie die gewöhnlich sehr kritischen Vertreter des Chaos Computer Clubs kommentierten die Architektur der App wohlwollend.

    6. Was sind Kritikpunkte?

    Auch wenn (oder gerade weil) einige Millionen Menschen die App heruntergeladen haben, gibt es Kritik. Da wäre einerseits das Problem, das recht alte Handys nicht mehr mit der App versorgt werden und für Smartphone-Verweigerer gleich gar keine Alternative bereit besteht. Zudem sind weiterhin nicht alle Labore an die App-Infrastruktur angeschlossen. Das Ein- und Weitergeben eines positiven Tests kann so ziemlich kompliziert werden, oft ist man auf eine Hotline angewiesen, um eine TAN zu bekommen.

    So gibt es durchaus auch Politiker, denen die 22 Millionen freiwilligen Downloads nicht ausreichen. Mancher sähe wohl gerne eine Pflicht zur App-Nutzung, auch wenn die nur schwer durchzusetzen wäre. Weitere Vorschläge zur Verbesserung der App beinhalten die Forderung nach einer Pflicht zur Ergebnis-Weitergabe in der App. Manchem schwebt eine App vor, die mehr Daten speichert und an Nutzer und Behörden weitergibt. Dafür müsste die Funktionsweise der Corona-Warn-App komplett „auf links“ gedreht werden. Das wiederum könnte jedoch das Vertrauen in die App senken und somit zu Deinstallationen führen.

    Neben diesen Kritikpunkten gibt es zahlreiche Verbesserungsvorschläge innerhalb der bestehenden App-Architektur. Etwa die Möglichkeit der Cluster-Erkennung: Erkennt das Handy, dass viele weitere Handys in der Nähe sind, könnte es warnen oder dies gesondert als Cluster festhalten und bei einer eventuellen Warnung berücksichtigen. Auch kleinere Veränderungen wie das Ergänzen eines Kontakttagebuchs wird diskutiert oder die Möglichkeit einer freiwilligen Datenspende nach einer Infektion, wird immer wieder genannt. Einige Neuerungen dieser Neuerungen sind aktuell in Planung.