Ausgaben der Verfassung der Vereinigten Staaten werden nur selten zum Kauf angeboten

Ausgaben der Verfassung der Vereinigten Staaten werden nur selten zum Kauf angeboten

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    Fans von Kryptowährungen scheitern beim Kauf von US-Verfassung

    Fans von Kryptowährungen scheitern beim Kauf von US-Verfassung

    Ein seltenes Exemplar der Verfassung der Vereinigten Staaten wurde vor wenigen Tagen versteigert. Verlierer bei der Auktion: Ein digitales Kollektiv, das aus dem Kauf der Verfassung eine Werbeaktion für Kryptotechnologien machen wollte.

    Ein "Finanz-Flashmob" hat am Wochenende versucht, eine seltene Kopie der Verfassung der Vereinigten Staaten zu ersteigern. 47 Millionen Dollar wurden von Blockchain-Fans zu diesem Zweck gesammelt – die Hoffnung: Mit der Aktion "ConstitutionDAO" für immer die digitale Welt zu verändern. Doch der Zuschlag ging an jemand anderen.

    Seltene Versteigerung der amerikanischen Verfassung

    Das Objekt der Begierde: Die Verfassung der Vereinigten Staaten – oder zumindest ein seltener Druck davon. Die Geschichte geht zurück bis ins Jahr 1787, als die US-amerikanischen Gründerväter, darunter George Washington und Benjamin Franklin, sich auf einen Text der Verfassung einigten und 500 Drucke davon in Umlauf brachten. Heute sind nur noch 13 dieser Kopien erhalten.

    Eine dieser seltenen Kopien wurde nun vom Auktionshaus Sotheby's zum Verkauf angeboten – das erste Ereignis dieser Art seit mehr als 30 Jahren. Erwartet wurden Gebote von reichen Amerikanern, die sich eine Chance sichern wollten, ein echtes Artefakt der amerikanischen Geschichte zu besitzen.

    Ein Kollektiv für die Verfassung?

    Doch schnell brachte sich ein anderer Kaufkandidat ins Spiel: Das "ConstitutionDAO" – eine spontan gegründete digitale Organisation, die es sich zum Ziel machte, die Kopie der Verfassung "im Namen des Volkes" zu ersteigern, und zur Ansicht in einem eintrittsfreien Museum zur Verfügung zu stellen.

    Der Name des ConstitutionDAO setzt sich zusammen aus dem englischen Wort für "Verfassung" und "DAO" – einer Bezeichnung für eine dezentrale digitale Organisation, die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen nutzt. DAOs gelten in der Kryptobranche aktuell als Trendthema – und es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ein solches Kollektiv einen wertvollen Gegenstand kauft. So ist beispielsweise auch das einzige existierende Exemplar eines berüchtigten Hip-Hop-Albums des "Wu-Tang Clan" seit Kurzem im Besitz einer DAO – und damit von vielen Menschen gleichzeitig, die sich innerhalb der DAO organisieren.

    Was sind DAOs?

    DAOs gleichen digitalen Communities, ähnlich wie in Internet-Foren und Chatrooms. Allerdings verwaltet eine DAO in der Regel einen gemeinsamen Pool von Kryptowährungen, der sich aus den Einzahlungen der Mitglieder zusammensetzt. Viele DAOs nutzen Kryptotechnologie, um gemeinsam in Anlagen zu investieren, deren Kaufpreis zu hoch wäre, um ihn alleine zu tragen: Wenn eine DAO investiert, investieren alle Mitglieder gleichzeitig – und alle profitieren von möglichen Gewinnen.

    Im Fall der ConstitutionDAO ging es aber nicht um eine Investition. Vielmehr hofften die Krypto-Fans hinter der Aktion, mit dem Kauf der Verfassung die Kraft digitaler Gemeinschaften zeigen zu können – und außerdem Werbung für Blockchain-Technologien zu machen, die in Krypto-Kreisen auch als "Web 3" bezeichnet werden.

    "Es wird ein Signal für die Allgemeinheit sein, dass Web 3 eine Kraft für das Gute sein kann", schrieb Investor und Krypto-Supporter Packy McCormick. "Wer wird mit einer Gruppe von Menschen streiten wollen, die sich zusammentut, um die Verfassung zu kaufen und sie dem Volk zurückgibt, indem sie sie öffentlich ausstellt?"

    McCormicks Enthusiasmus war in den Tagen vor der Auktion symptomatisch für die Gruppe, die sich um ConstitutionDAO geschart hatte. Die Hoffnung, Kryptotechnologien in einem positiven Licht darzustellen, liegt vielen Krypto-Fans auch aufgrund des zum Teil zweifelhaften Rufes von Bitcoin und Co. am Herzen. Eine Kopie der Verfassung zu kaufen und kostenlos auszustellen, hätte wohl einen Image-Schub für die Kryptoszene bedeutet – auch wenn McCormick ausspart, dass es in den National Archives in Washington D.C. bereits möglich ist, ein originales Exemplar der Verfassung zu besichtigen.

    Die Krypto-Aktion scheitert

    Nach einer Woche des Sammelns hatte ConstitutionDAO es tatsächlich geschafft, 47 Millionen US-Dollar in der Kryptowährung Ethereum für die Auktion einzusammeln. Das sind über 40 Millionen Euro und deutlich mehr als der Verkaufspreis, mit dem das Auktionshaus Sotheby's gerechnet hatte.

    Doch Freitag wurde bekannt, dass der Zuschlag an jemand anderen ging: Ken Griffin, einer der reichsten Hedgefonds-Manager der Welt, ersteigerte das seltene Dokument für 43,2 Millionen US-Dollar. Obwohl ConstitutionDAO fast vier Millionen US-Dollar mehr eingesammelt hatte, konnte die Organisation nicht mithalten. Ein möglicher Grund dafür sind hohe Transaktionsgebühren der Blockchain Ethereum, welche die DAO für die Aktion nutzte. Zudem musste die DAO Kosten für Transport und Versicherungen einplanen.

    In einem Twitter-Statement äußerten sich die Organisatoren des Projekts: "Auch wenn das nicht das Ergebnis ist, das wir uns gewünscht hatten, haben wir mit dem ConstitutionDAO immer noch Geschichte geschrieben."

    Sind Kryptotechnologien weit genug?

    Der Enthusiasmus, mit dem das Projekt ConstitutionDAO in nur wenigen Tagen auf die Beine gestellt wurde, trifft nun auf die harte Realität einer verlorenen Auktion. Kryptotechnologien, von vielen als wichtiger Baustein der Zukunft gehandelt, haben im Hier und Jetzt nach wie vor mit Problemen zu kämpfen: Dazu gehören hohe Transaktionsgebühren und fehlende Akzeptanz bei Institutionen und weiten Teilen der Bevölkerung. So gesehen war der Misserfolg von ConstitutionDAO auch eine Warnung: Nur weil Fans von Kryptowährungen ihre Projekte oft mit großer Begeisterung angehen und ihren Erfolg bereits für selbstverständlich halten, lassen sich Hindernisse in der analogen Welt nicht einfach wegzaubern.

    Die Organisatoren von ConstitutionDAO haben angekündigt, allen Teilnehmern ihren Einsatz zurückzuzahlen – abzüglich der Transaktionsgebühren. Was den Verbleib der Verfassung angeht, kommt es beinahe aufs Gleiche raus. Käufer Ken Griffin hat bereits angekündigt, das Exemplar in einem öffentlich zugänglichen Museum auszustellen. Ob es nun über einen Milliardär oder eine Gruppe von Krypto-Fans dort hingelangt ist, dürfte die meisten Besucherinnen und Besucher dieses Museums wohl kaum interessieren.

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