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Fake News über Zusammenhang von 5G und Corona sorgen für Unruhe | BR24

© picture alliance

Handymasten auf Hausdach

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    Fake News über Zusammenhang von 5G und Corona sorgen für Unruhe

    Durch das Internet wabert eine Debatte über einen angeblichen Zusammenhang zwischen der Corona-Pandemie und der Mobilfunktechnik 5G. Mit unbewiesenen Thesen werden Ängste geschürt. In Großbritannien wurden schon zahlreiche Handymasten attackiert.

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    Selbsternannte Experten versuchen im Internet mit Grafiken und Landkarten zu belegen, dass die neue Mobilfunktechnik 5G Schuld trägt an der weltweiten Verbreitung des Coronavirus. Ein Argument: Das Coronavirus hätte sich zuerst in der chinesischen Stadt Wuhan ausgebreitet, während dort (wie in vielen anderen Städten übrigens auch) ein 5G-Netz aufgebaut wurde. Manche versteigen sich sogar zur der Behauptung, es bestehe ein genereller Zusammenhang zwischen verschiedensten Pandemien und Handystrahlung. Jede neue Mobilfunkgeneration hätte in der Vergangenheit eine neue Seuche ausgelöst.

    In einem Tweet aus Frankreich wird behauptet, dass die Mobilfunkstrahlung von 5G das Immunsystem schwäche. Als Beleg wird eine Frankreich-Karte angeführt, auf der Hotsopts von Corona neben einer anderen Karte mit 5G-Sendestationen zu sehen sind. Das reicht offenbar als Beweis für die Warnung, die ganze Menschheit sei wegen 5G in Gefahr.

    Das sind nur zwei von zahlreichen Behauptungen, die nicht nur auf Twitter, sondern auch YouTube und anderen Kanälen kursieren.

    In Großbritannien scheint die Angst vor 5G-Masten inzwischen besonders groß geworden zu sein. Es gab zahlreiche Attacken auf Sendestationen. Die technischen Anlagen wurden angezündet oder auf andere Art zerstört. Die britische Regierung sieht die Gerüchte über einen Zusammenhang zwischen 5G und Corona als Auslöser für die Attacken. Vize-Premier Michael Gove bezeichnete die 5G-Verschwörungstheorien als gefährlichen Unfug. Und Stephen Powis, so etwas wie der medizinische Aufseher Englands, sprach von der schlimmsten Art von Fake-News. Die Anschläge sind auch insofern ein Desaster, weil die Angreifer damit offenbar auch zahlreiche 3G- und 4G-Masten lahmlegten. Diese Mobilfunktechnik wird aber dringend benötigt, um Krankenwagen, Kliniken und medizinische Einsätze zu koordinieren.

    Bei 5G und Corona passt viral Vieles zusammen

    Dass die Behauptung eines Zusammenhangs von Corona und 5G so sehr verfängt, hat verschiedene Gründe. Zunächst gibt es eine sehr heftige Debatte über die Gefahren von 5G-Mobilfunktechnik. Die Sorgen vor der zusätzlichen Handystrahlung sind in Teilen der Bevölkerung groß und die Community der Mobilfunkgegner ist sehr aktiv. Außerdem befeuert die Corona-Pandemie momentan den Meinungsaustausch über soziale Medien. Und da die Verunsicherung wegen der Pandemie verständlicherweise groß ist, verlaufen Diskussionen nicht unbedingt immer sachlich. So entsteht ein idealer Nährboden für Verschwörungstheorien.

    Promis verschaffen 5G-Fake-News zusätzliche Beachtung

    Dass die Welle von Empörung und Angst so groß werden konnte, dafür sorgten auch Prominente, die mit aufsprangen, darunter etwa der US-Schauspieler Woody Harrelson, der auf Twitter über 60.000 Follower zählt. Richtig ins Rollen brachte die Debatte in Großbritannien wohl der bekannte Verschwörungstheoretiker David Icke, dem auf Youtube über 800.000 Menschen folgen und der unter anderem die Verschwörungstheorie in die Welt gesetzt hatte, die Menschheit werde von Reptilienwesen kontrolliert. Icke hatte in einem Live-Auftritt auf der Video-Plattform seine 5G-Corona-Theorie erklärt.

    © youtube

    Verschwörungstheoretiker David Icke

    Behauptungen "Quatsch"

    Eine der Behauptungen in der Debatte lautet, dass 5G das Immunsystem schwächt und deshalb die Infektion mit dem Coronavirus begünstigt. Simon Clarke, Zellbiologe der Universität von Reading hat dies im Interview mit der "BBC" als "Quatsch" bezeichnet. Zwar könne Strahlung grundsätzlich den Körper aufheizen. Aber das Energieniveau von 5G-Strahlen ist seiner Meinung nach nicht annähernd stark genug, um das Immunsystem zu beeinflussen. Ganz ähnlich sieht das auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

    Nach Überzeugung der deutschen Forscher fehlen auch generell wissenschaftliche Hinweise darauf, dass elektromagnetische Felder eine Wirkung auf die Ausbreitung von Viren haben könnten. Es gebe weder aus der Biologie noch aus der Physik Anhaltspunkte für mögliche Wirkmechanismen.

    Youtube und Facebook reagieren

    Inzwischen hat YouTube reagiert und geht gezielt gegen die 5G-Corona-Meldungen vor. Wie der "Guardian" berichtet, hat Youtube zahlreiche Videos gesperrt, oder aus den Suchergebnissen entfernt, in denen der Zusammenhang zwischen 5G und Corona hergestellt wird. Man betrachte diese Inhalte als grenzwertig, heißt es. Facebook will ebenfalls mehr gegen Fakenews im Zusammenhang mit der Pandemie unternehmen.

    "Man kann nicht einfach 'Feuer' in einem vollen Theater schreien." Facebook-Chef Marc Zuckerberg.

    Das Problem, das die Social Media Plattformen derzeit haben: Viele Experten, die die Diskussionen normalerweise moderieren bzw. beobachten, fallen derzeit wegen der Pandemie aus. Deshalb kommt nun verstärkt künstliche Intelligenz zum Einsatz, um Falschmeldungen oder problematische Inhalte zu entfernen. Dies könnte die Redefreiheit im Netz bedrohen, wenn automatisch zuviel gelöscht werde, so die Befürchtung.

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