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Facebooks Charme-Offensive in München | BR24

© dpa/pa/Charles Krupa

Facebook-Chefin Sandberg

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    Facebooks Charme-Offensive in München

    Das Image von Facebook hat zuletzt massiv gelitten. Co-Chefin Sandberg will das ändern: In München kündigte sie gegenüber der ARD Spenden für Forscher sowie mehr Zusammenarbeit mit Behörden an.

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    Sheryl Sandberg hat das wohl schwierigste Jahr in der Geschichte des sozialen Netzwerks hinter sich. Der Cambridge Analytica Skandal im vergangenen Jahr, bei dem eine Analysefirma Zugriff auf rund 85 Millionen Nutzerdaten hatte, hat dem Ansehen des kalifornischen Unternehmens schwer geschadet. In Europa verlor das Unternehmen gut zwei Millionen Nutzer, der Aktienkurs sackte zeitweilig um bis zu 30 Prozent ab, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wurde vor den Kongress in Washington und vor das EU-Parlament zitiert und musste dort Rede und Antwort stehen.

    Im Gespräch mit der ARD räumt die fürs operative Geschäft zuständige Chefin von Facebook ein, dass 2018 ein hartes Jahr für das soziale Netzwerk gewesen sei, das auf mittlerweile 2,6 Milliarden Mitglieder weltweit kommt. Zugleich sei es aber auch ein Jahr des Wandels gewesen: "Im Vergleich zum Vorjahr sind wir ein anderes Unternehmen. Das bedeutet nicht, dass wir mit dem Umbau fertig sind. Vor uns liegt noch eine Menge Arbeit."

    Sicherheitsteam massiv aufgestockt

    Die 49-Jährige verweist darauf, dass man innerhalb weniger Monate Tausende neue Stellen geschaffen habe. Unter anderem sei das Sicherheitsteam um mehr als das Dreifache vergrößert worden. Gefälschte Konten, sogenannte Fake Accounts, seien gesperrt worden und man sei hart gegen die Verbreitung von Falschnachrichten vorgegangen.

    "Unsere Arbeit in diesem Bereich ist damit aber noch lange nicht beendet", erklärt Sandberg. Selbstkritisch gibt sie aber auch zu: "Bei den Wahleinmischungen im Jahr 2016 hatten wir sehr wohl die staatlichen Hacker und deren klassischen Angriffsmethoden im Fokus. Hier können wir auf eine hohe Erfolgsquote verweisen. Was wir aber nicht vorhergesehen haben, war eine neue Qualität der Einmischung - das Verfassen gefälschter Informationen. Das war unser Fehler."

    Sandberg will Regierungen zusammenarbeiten

    Von Seiten der Politik drohen Facebook nun Auflagen - sowohl aus Washington als auch aus Brüssel. Sandberg zeigt sich gesprächsbereit. Man sei offen für die richtige Regulierung. Man werde die Zusammenarbeit mit der deutschen Regierung hier genauso fortsetzen, wie mit anderen Regierungen in der Welt.

    Eine Mission von Sandberg in den nächsten Monaten besteht darin, die Zusammenarbeit in den zentralen europäischen Märkten auszubauen und verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Allein in Deutschland kommt das Unternehmen auf rund 24 Millionen aktive Nutzer pro Monat.

    Unterstützung für KI-Forscher

    Eine Maßnahme zur Vertrauensbildung: Facebook unterstützt die Technische Universität in München, die ein Institut gründet, das sich mit ethischen Fragen rund um den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigen will. 7,5 Millionen Dollar, umgerechnet rund 6,6 Millionen Euro erhält die TU in den nächsten fünf Jahren dafür aus Kalifornien.

    Sandberg legt allerdings Wert darauf, dass das neue Institut akademisch unabhängig arbeiten solle und ihr Unternehmen nur einer unter anderen Partnern sein möchte. Auf die Frage, weshalb sich ihr Unternehmen hier engagiere, sagt Sandberg: "Deutschland nimmt beim Datenschutz eine führende Rolle in der Welt ein". Auch bei Facebook nutze man Technologien wie Künstliche Intelligenz. Damit sei es zum Beispiel blinden Nutzern möglich, die Inhalte von Fotos zu verstehen.

    Bessere Kooperation mit dem BSI

    Viele Menschen betrachteten den Einsatz von künstlicher Intelligenz aber auch sehr kritisch. Das sei ein Grund, so Sandberg, weshalb man sich mit den Experten an der TU München zusammengetan habe. Auch die Zusammenarbeit zur Abwehr von Wahleinmischungen will Sandberg ausbauen. Das Unternehmen hat dazu soeben eine neue strategische Partnerschaft mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vereinbart.

    Sendung

    Tagesschau

    Autor
    • Marcus Schuler
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